Ich möchte beinahe mein Wort brechen und es zurükbehalten, da es mit solcher Eile und Unordnung und Wässerigkeit geschrieben. Ich konte gestern vor innerer Abspannung nicht arbeiten, darum wandt'5 ich sie dazu an.
306. An Christian Otto.
[Hof, 6. Mai 1796]
Anbei sende dir die Briefe, die ich schon gestern um 3 Uhr über- liefern wolte -- und erbitte mir deinen, den du mir auch eher geben10 wollen.
307. An Christian Otto.
[Hof] 7. Mai 1796.
Hier ist die Heroldsche Ausgabe. Du hast nur noch einmal die Plage mit meinen Transsubstanziazionen. Bestimme wenn heute15 -- von jezt angerechnet -- ich und der H. Schneider in unsern 2 Rollen auftreten sollen.
308. An Wilhelmine von Kropff in Bayreuth.
Eiligst.
Hof 9. Mai abends um 7. Uhr 96 [Montag].
Immer ziehen über den Lebens-Mai meiner neuesten und theuer-20 sten Freundin die irdischen Gewitter so schnel und leicht als das jezige [186]über den 9ten Mai wegflog! -- Ihre Freundschaft, gnädige Frau, würde wol einen weniger grossen Enthusiasmus als ich für jede schöne und fehlende Seele habe, zwingen, alles zu vergessen, um sich einer einzigen Sache zu erinnern -- das ist, Ihres Wohlwollens.25 Eben gehen die Wolken stäter und das Barometer höher -- und ich habe Hofnung, daß mir der Himmel gleich Ihnen die Erlaubnis giebt, Donnerstags in Bayreuth -- wahrscheinlich im goldnen Adler, den ich gegen mein bisheriges Logis "die Sonne" vertauschte -- und nachmittags um 5 Uhr bei dem schönen Herzen anzukommen, das30 meine Ehrfurcht gegen dasselbe mit jedem neuen Briefe zu wachsen zwang und das mir, wenn ich erscheine, folgendes zu verzeihen hat -- -- meine durch meine Verhältnisse und durch meine Anstrengungen hinter dem Schreibtische verrenkte und bejahrte Aussenseite, sogar meine
305. An Chriſtian Otto.
[Hof, 30. April oder 1. Mai 1796]
Ich möchte beinahe mein Wort brechen und es zurükbehalten, da es mit ſolcher Eile und Unordnung und Wäſſerigkeit geſchrieben. Ich konte geſtern vor innerer Abſpannung nicht arbeiten, darum wandt’5 ich ſie dazu an.
306. An Chriſtian Otto.
[Hof, 6. Mai 1796]
Anbei ſende dir die Briefe, die ich ſchon geſtern um 3 Uhr über- liefern wolte — und erbitte mir deinen, den du mir auch eher geben10 wollen.
307. An Chriſtian Otto.
[Hof] 7. Mai 1796.
Hier iſt die Heroldſche Ausgabe. Du haſt nur noch einmal die Plage mit meinen Transſubſtanziazionen. Beſtimme wenn heute15 — von jezt angerechnet — ich und der H. Schneider in unſern 2 Rollen auftreten ſollen.
308. An Wilhelmine von Kropff in Bayreuth.
Eiligſt.
Hof 9. Mai abends um 7. Uhr 96 [Montag].
Immer ziehen über den Lebens-Mai meiner neueſten und theuer-20 ſten Freundin die irdiſchen Gewitter ſo ſchnel und leicht als das jezige [186]über den 9ten Mai wegflog! — Ihre Freundſchaft, gnädige Frau, würde wol einen weniger groſſen Enthuſiaſmus als ich für jede ſchöne und fehlende Seele habe, zwingen, alles zu vergeſſen, um ſich einer einzigen Sache zu erinnern — das iſt, Ihres Wohlwollens.25 Eben gehen die Wolken ſtäter und das Barometer höher — und ich habe Hofnung, daß mir der Himmel gleich Ihnen die Erlaubnis giebt, Donnerſtags in Bayreuth — wahrſcheinlich im goldnen Adler, den ich gegen mein bisheriges Logis „die Sonne“ vertauſchte — und nachmittags um 5 Uhr bei dem ſchönen Herzen anzukommen, das30 meine Ehrfurcht gegen daſſelbe mit jedem neuen Briefe zu wachſen zwang und das mir, wenn ich erſcheine, folgendes zu verzeihen hat — — meine durch meine Verhältniſſe und durch meine Anſtrengungen hinter dem Schreibtiſche verrenkte und bejahrte Auſſenſeite, ſogar meine
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305. An Chriſtian Otto.
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Ich möchte beinahe mein Wort brechen und es zurükbehalten, da
es mit ſolcher Eile und Unordnung und Wäſſerigkeit geſchrieben. Ich
konte geſtern vor innerer Abſpannung nicht arbeiten, darum wandt’ 5
ich ſie dazu an.
306. An Chriſtian Otto.
[Hof, 6. Mai 1796]
Anbei ſende dir die Briefe, die ich ſchon geſtern um 3 Uhr über-
liefern wolte — und erbitte mir deinen, den du mir auch eher geben 10
wollen.
307. An Chriſtian Otto.
[Hof] 7. Mai 1796.
Hier iſt die Heroldſche Ausgabe. Du haſt nur noch einmal die
Plage mit meinen Transſubſtanziazionen. Beſtimme wenn heute 15
— von jezt angerechnet — ich und der H. Schneider in unſern 2 Rollen
auftreten ſollen.
308. An Wilhelmine von Kropff in Bayreuth.
Eiligſt.Hof 9. Mai abends um 7. Uhr 96 [Montag].
Immer ziehen über den Lebens-Mai meiner neueſten und theuer- 20
ſten Freundin die irdiſchen Gewitter ſo ſchnel und leicht als das jezige
über den 9ten Mai wegflog! — Ihre Freundſchaft, gnädige Frau,
würde wol einen weniger groſſen Enthuſiaſmus als ich für jede
ſchöne und fehlende Seele habe, zwingen, alles zu vergeſſen, um ſich
einer einzigen Sache zu erinnern — das iſt, Ihres Wohlwollens. 25
Eben gehen die Wolken ſtäter und das Barometer höher — und ich
habe Hofnung, daß mir der Himmel gleich Ihnen die Erlaubnis giebt,
Donnerſtags in Bayreuth — wahrſcheinlich im goldnen Adler, den
ich gegen mein bisheriges Logis „die Sonne“ vertauſchte — und
nachmittags um 5 Uhr bei dem ſchönen Herzen anzukommen, das 30
meine Ehrfurcht gegen daſſelbe mit jedem neuen Briefe zu wachſen
zwang und das mir, wenn ich erſcheine, folgendes zu verzeihen hat — —
meine durch meine Verhältniſſe und durch meine Anſtrengungen hinter
dem Schreibtiſche verrenkte und bejahrte Auſſenſeite, ſogar meine
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:02:06Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:02:06Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 2. Berlin, 1958, S. 188. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe02_1958/201>, abgerufen am 16.02.2025.
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