oder vielmehr Übungen, um deren Durchlesung ich Dieselben neulich bat. Wenn's nicht zu viel gewagt wäre, würd' ich Dieselben gehorsamst ersuchen, sie für Schulexerzizien anzusehen, die man korrigirt -- Nichts müste mir erwünschter sein, als ein Tadel -- wenn ich so glüklich wäre, ihn zu erlangen -- von Denenselben, welche es wol am5 besten im Stande sind -- ohne Schmeichelei sei dies geschrieben -- zu tadeln und zu verbessern. Wie würd' ich mich freuen, falsche Ge- danken von Denenselben bemerkt zu finden, oder fehlerhafte Ausdrükke korrigirt zu sehen! Ich hätte Denenselben mehr Monathe schikken können; allein ich glaubte, Dero Güte nicht zu sehr misbrauchen zu10 dürfen. Ich werde Denenselben nicht genug danken können, wenn Sie nur dieses würdigen durchzulesen. Doch genug von dem unbedeutenden Dingelchen. Ich habe die Ehre mit der grösten Hochachtung zu sein
Ew. Hochehrwürden [Spaltenumbruch]Schwarzenbach an der Saal15 den 3. April 1781.[Spaltenumbruch]ganz gehorsamster Diener J. P. F. Richter
[Adr.]A Monsieur Monsieur Vogel, Ministre de la Parole de Dieu a Rehau. p. expr.
3. An Pfarrer Vogel in Rehau.
[Konzept][Schwarzenbach, April 1781]20
Ew. Mit gehorsamem Dank [send' ich] die Bücher. Die Berliner Bibliothek hat sich der H. Aktuar Vogel ausgeb[eten], um sich einige neueste Bücher aus[zu]ziehen. Das nächstemal werd' ich sie Denen- selben übersenden. Ich kan Denenselben das Vergnügen nicht be- schreiben, das ich bei der Durch[lesung] des Helvezius [?] empfangen.25 Die wolklingende Sprache, die Beredsamkeit, die wizzigen Bemer- kungen reissen eben [?] so hin. Wie Schade, daß ich mir schon lange nicht dieses Buch von Denenselben gehorsamst ausgel[iehen] habe! Aber wirklich Dero Bibliothek scheint immer herlichere Bücher dar- zuleihen, ie mer man d[arin] liest -- sie scheint eine Quelle zu sein, die30 nie versiegt, aber wol immer mer fliest, ie mer man aus ihr schöpft. Dieselben haben alzu viel Güte gegen mich als daß ich nicht so frei sein, und mich derselben bedienen solte. Nur [?] noch eine kurze Zeit etc. Ich bitte Dieselben also ganz gehorsamst um folgende Bücher:
1*
oder vielmehr Übungen, um deren Durchleſung ich Dieſelben neulich bat. Wenn’s nicht zu viel gewagt wäre, würd’ ich Dieſelben gehorſamſt erſuchen, ſie für Schulexerzizien anzuſehen, die man korrigirt — Nichts müſte mir erwünſchter ſein, als ein Tadel — wenn ich ſo glüklich wäre, ihn zu erlangen — von Denenſelben, welche es wol am5 beſten im Stande ſind — ohne Schmeichelei ſei dies geſchrieben — zu tadeln und zu verbeſſern. Wie würd’ ich mich freuen, falſche Ge- danken von Denenſelben bemerkt zu finden, oder fehlerhafte Ausdrükke korrigirt zu ſehen! Ich hätte Denenſelben mehr Monathe ſchikken können; allein ich glaubte, Dero Güte nicht zu ſehr misbrauchen zu10 dürfen. Ich werde Denenſelben nicht genug danken können, wenn Sie nur dieſes würdigen durchzuleſen. Doch genug von dem unbedeutenden Dingelchen. Ich habe die Ehre mit der gröſten Hochachtung zu ſein
Ew. Hochehrwürden [Spaltenumbruch]Schwarzenbach an der Saal15 den 3. April 1781.[Spaltenumbruch]ganz gehorſamſter Diener J. P. F. Richter
[Adr.]A Monsieur Monsieur Vogel, Ministre de la Parole de Dieu à Rehau. p. expr.
3. An Pfarrer Vogel in Rehau.
[Konzept][Schwarzenbach, April 1781]20
Ew. Mit gehorſamem Dank [ſend’ ich] die Bücher. Die Berliner Bibliothek hat ſich der H. Aktuar Vogel ausgeb[eten], um ſich einige neueſte Bücher aus[zu]ziehen. Das nächſtemal werd’ ich ſie Denen- ſelben überſenden. Ich kan Denenſelben das Vergnügen nicht be- ſchreiben, das ich bei der Durch[leſung] des Helvezius [?] empfangen.25 Die wolklingende Sprache, die Beredſamkeit, die wizzigen Bemer- kungen reiſſen eben [?] ſo hin. Wie Schade, daß ich mir ſchon lange nicht dieſes Buch von Denenſelben gehorſamſt ausgel[iehen] habe! Aber wirklich Dero Bibliothek ſcheint immer herlichere Bücher dar- zuleihen, ie mer man d[arin] lieſt — ſie ſcheint eine Quelle zu ſein, die30 nie verſiegt, aber wol immer mer flieſt, ie mer man aus ihr ſchöpft. Dieſelben haben alzu viel Güte gegen mich als daß ich nicht ſo frei ſein, und mich derſelben bedienen ſolte. Nur [?] noch eine kurze Zeit ꝛc. Ich bitte Dieſelben alſo ganz gehorſamſt um folgende Bücher:
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[3/0025]
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erſuchen, ſie für Schulexerzizien anzuſehen, die man korrigirt —
Nichts müſte mir erwünſchter ſein, als ein Tadel — wenn ich ſo
glüklich wäre, ihn zu erlangen — von Denenſelben, welche es wol am 5
beſten im Stande ſind — ohne Schmeichelei ſei dies geſchrieben — zu
tadeln und zu verbeſſern. Wie würd’ ich mich freuen, falſche Ge-
danken von Denenſelben bemerkt zu finden, oder fehlerhafte Ausdrükke
korrigirt zu ſehen! Ich hätte Denenſelben mehr Monathe ſchikken
können; allein ich glaubte, Dero Güte nicht zu ſehr misbrauchen zu 10
dürfen. Ich werde Denenſelben nicht genug danken können, wenn Sie
nur dieſes würdigen durchzuleſen. Doch genug von dem unbedeutenden
Dingelchen. Ich habe die Ehre mit der gröſten Hochachtung zu ſein
Ew. Hochehrwürden
Schwarzenbach an der Saal 15
den 3. April 1781.
ganz gehorſamſter Diener
J. P. F. Richter
[Adr.] A Monsieur Monsieur Vogel, Ministre de la Parole de
Dieu à Rehau. p. expr.
3. An Pfarrer Vogel in Rehau.
[Schwarzenbach, April 1781] 20
Ew. Mit gehorſamem Dank [ſend’ ich] die Bücher. Die Berliner
Bibliothek hat ſich der H. Aktuar Vogel ausgeb[eten], um ſich einige
neueſte Bücher aus[zu]ziehen. Das nächſtemal werd’ ich ſie Denen-
ſelben überſenden. Ich kan Denenſelben das Vergnügen nicht be-
ſchreiben, das ich bei der Durch[leſung] des Helvezius [?] empfangen. 25
Die wolklingende Sprache, die Beredſamkeit, die wizzigen Bemer-
kungen reiſſen eben [?] ſo hin. Wie Schade, daß ich mir ſchon lange
nicht dieſes Buch von Denenſelben gehorſamſt ausgel[iehen] habe!
Aber wirklich Dero Bibliothek ſcheint immer herlichere Bücher dar-
zuleihen, ie mer man d[arin] lieſt — ſie ſcheint eine Quelle zu ſein, die 30
nie verſiegt, aber wol immer mer flieſt, ie mer man aus ihr ſchöpft.
Dieſelben haben alzu viel Güte gegen mich als daß ich nicht ſo frei
ſein, und mich derſelben bedienen ſolte. Nur [?] noch eine kurze Zeit ꝛc.
Ich bitte Dieſelben alſo ganz gehorſamſt um folgende Bücher:
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T14:52:17Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T14:52:17Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/25>, abgerufen am 16.02.2025.
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