Huber, Franz C.: Die Geschichtliche Entwickelung des modernen Verkehrs. Tübingen, 1893.Einen weiteren Anhalt für die stärkere Intensität des Die "Landkutschen" werden, je nachdem sie ren- 1) Die Bezeichnung "Metzgerpost" wird von den Taxis'schen Postbe- amten auf alle anderen, auch auf die städtischen Konkurrenzanstalten ange- wandt, die nicht dem Taxis'schen Hause unterstanden, ähnlich wie die Zünfte von "Bönhasen" sprachen. 2) Sobald für Abgang und Ankunft der an die Reisenden zu vermie-
tenden Postpferde eine fixe Zeit sich einbürgerte, die Reitpost regelmässig abgieng, hatte naturgemäss auch die Briefpost den gleichen Kurs. Einen weiteren Anhalt für die stärkere Intensität des Die »Landkutschen« werden, je nachdem sie ren- 1) Die Bezeichnung »Metzgerpost« wird von den Taxis’schen Postbe- amten auf alle anderen, auch auf die städtischen Konkurrenzanstalten ange- wandt, die nicht dem Taxis’schen Hause unterstanden, ähnlich wie die Zünfte von »Bönhasen« sprachen. 2) Sobald für Abgang und Ankunft der an die Reisenden zu vermie-
tenden Postpferde eine fixe Zeit sich einbürgerte, die Reitpost regelmässig abgieng, hatte naturgemäss auch die Briefpost den gleichen Kurs. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0093" n="77"/> <p>Einen weiteren Anhalt für die stärkere Intensität des<lb/> Reisebedürfnisses gibt die Thatsache, dass damals verschie-<lb/> dene private Unternehmer, nicht allein Metzger<note place="foot" n="1)">Die Bezeichnung »Metzgerpost« wird von den Taxis’schen Postbe-<lb/> amten auf alle anderen, auch auf die städtischen Konkurrenzanstalten ange-<lb/> wandt, die nicht dem Taxis’schen Hause unterstanden, ähnlich wie die Zünfte<lb/> von »Bönhasen« sprachen.</note> und Wirte,<lb/> beginnen, Fahrten nicht mehr nur im Auftrage eines spe-<lb/> ziellen Reisenden, sondern »omnibus«, für jedermann zu<lb/> unternehmen. Mit ihnen trat die Ordinari-Post in Konkur-<lb/> renz: wie die <hi rendition="#g">Passagierbeförderung</hi><note place="foot" n="2)">Sobald für Abgang und Ankunft der an die Reisenden zu vermie-<lb/> tenden Postpferde eine fixe Zeit sich einbürgerte, die Reitpost regelmässig<lb/> abgieng, hatte naturgemäss auch die Briefpost den gleichen Kurs.</note> sich im An-<lb/> schluss an den Depeschendienst ausbildete, diesen Ent-<lb/> wickelungsgang schildere ich in Anl. V an der Hand der<lb/> Reiseberichte aus jener Zeit.</p><lb/> <p>Die »<hi rendition="#g">Landkutschen</hi>« werden, je nachdem sie ren-<lb/> tieren und je nachdem die Strassen und Brücken erstellt und<lb/> im Stand gehalten wurden, für einen <hi rendition="#g">periodischen</hi><lb/> Lauf eingerichtet. Die frühesten Belege hiefür finden sich<lb/> bei Rüff und Weigel, 1599 z. B. benützt der Basler Kauf-<lb/> herr Rüff (Selbstbiographie in den Basler Beiträgen zur<lb/> vaterländischen Geschichte Band IX) ein regelmässiges<lb/> Postschiff von Padua nach Lugo und eine »Post-Gua-<lb/> rutschen« von Pavia nach Mailand; 1601 rät der oben-<lb/> benannte Cl. Weigel in seinem Vorberichte an: für die<lb/> Reise durch Tyrol solle man sich in Augsburg, nach-<lb/> dem man sich die Gesundheits-Fehde vom Magistrat ver-<lb/> schafft, »auf eine <hi rendition="#g">Landkutsche</hi> verdingen, dergleichen<lb/><hi rendition="#g">Gelegenheit</hi> sich <hi rendition="#g">fast</hi> alle Wochen zu ereignen <hi rendition="#g">pflege</hi>.<lb/> Er kann sich selbst verkosten oder mit dem Fuhrmann<lb/> einig werden, dass er vor die Kost sorgen soll; auf wel-<lb/> chen Fall man (nachdem die Kompagnie schwach oder<lb/> stark) 11 in 12 Dukaten zu zahlen pfleget.«</p><lb/> </div> </body> </text> </TEI> [77/0093]
Einen weiteren Anhalt für die stärkere Intensität des
Reisebedürfnisses gibt die Thatsache, dass damals verschie-
dene private Unternehmer, nicht allein Metzger 1) und Wirte,
beginnen, Fahrten nicht mehr nur im Auftrage eines spe-
ziellen Reisenden, sondern »omnibus«, für jedermann zu
unternehmen. Mit ihnen trat die Ordinari-Post in Konkur-
renz: wie die Passagierbeförderung 2) sich im An-
schluss an den Depeschendienst ausbildete, diesen Ent-
wickelungsgang schildere ich in Anl. V an der Hand der
Reiseberichte aus jener Zeit.
Die »Landkutschen« werden, je nachdem sie ren-
tieren und je nachdem die Strassen und Brücken erstellt und
im Stand gehalten wurden, für einen periodischen
Lauf eingerichtet. Die frühesten Belege hiefür finden sich
bei Rüff und Weigel, 1599 z. B. benützt der Basler Kauf-
herr Rüff (Selbstbiographie in den Basler Beiträgen zur
vaterländischen Geschichte Band IX) ein regelmässiges
Postschiff von Padua nach Lugo und eine »Post-Gua-
rutschen« von Pavia nach Mailand; 1601 rät der oben-
benannte Cl. Weigel in seinem Vorberichte an: für die
Reise durch Tyrol solle man sich in Augsburg, nach-
dem man sich die Gesundheits-Fehde vom Magistrat ver-
schafft, »auf eine Landkutsche verdingen, dergleichen
Gelegenheit sich fast alle Wochen zu ereignen pflege.
Er kann sich selbst verkosten oder mit dem Fuhrmann
einig werden, dass er vor die Kost sorgen soll; auf wel-
chen Fall man (nachdem die Kompagnie schwach oder
stark) 11 in 12 Dukaten zu zahlen pfleget.«
1) Die Bezeichnung »Metzgerpost« wird von den Taxis’schen Postbe-
amten auf alle anderen, auch auf die städtischen Konkurrenzanstalten ange-
wandt, die nicht dem Taxis’schen Hause unterstanden, ähnlich wie die Zünfte
von »Bönhasen« sprachen.
2) Sobald für Abgang und Ankunft der an die Reisenden zu vermie-
tenden Postpferde eine fixe Zeit sich einbürgerte, die Reitpost regelmässig
abgieng, hatte naturgemäss auch die Briefpost den gleichen Kurs.
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