Das Pulver davon in Wein getruncken/ erwär- met Lenden und Nieren/ macht eine gute Farbe; man kan allzeit 3 Loth Pulvers mit einem halben Pfund rein gestossenen Zucker vermischen/ so kan mans wie ein Triet gebrauchen.
Das noch grüne Kraut samt der Wurtzen gehackt/ im Wein gebaisst und ausgebrennt/ ist zu allen erzehlten Zuständen gut/ sonderlich zur Infections-Zeit ein gut Praeservativ, und hat in einer Summa alle Eigen- schafften und Tugenden der Angelica.
Myrtilli, Heidelbeer/ vitis Idaea, haben ihren lieb- sten und bequemesten Stand in den Bergen und Wäl- dern/ davon sie von den Bauren und gemeinen Leuten zusammgeklaubt/ auf die Märckte gebracht/ verkaufft/ und von den Leuten genossen werden/ kühlen im Som- mer und löschen den Durst wie die Erdbeeren/ sind da- bey einer adstringirenden und trockenen Natur/ doch stärcken sie auch den Magen; die frische und dürre Bee- ren werden wider die rothe Ruhr und andere Bauch- flüsse gebraucht. Die Färber gebrauchen den Safft/ Garn oder Leinwath damit dunckelblau zu färben.
[Spaltenumbruch]
Modelgeer/ Cruciata oder kleiner Enzian, wird auch von etlichen Creutzwurtz und Sperenstich/ wegen der durchstochenen Wurtzen genennet/ wachsen gern in den grasechten Bergen wie auch an den Strassen/ und andern unerbauten Orten mehr.
Modelgeer hat gleiche Eigenschafften mit der Enzian, daher es auch wider die Infection, Gifft/ und alle Bis- se und Stich der gifftigen Thier/ ein grosses Lob hat/ zu einen Pflaster gemacht und auf den Bauch gelegt/ töd- tet es die Würme. Die Wurtzen in Wein gelegt und davon getruncken/ ist es (nach Camerarii Zeugnis) den Wasser süchtigen sehr nützlich.
Es wird auch für ein absonderlich gutes Wund- kraut gehalten/ allerley Brüche und Schäden damit zu heilen/ darzu man das Kraut/ Pulver/ Wasser/ oder Safft/ welches am füglichsten zu bekommen/ nehmen kan. Sie reiniget auch das Geblüt von den dicken Schleimen/ die sich in den Blut-Adern befinden und anlegen/ erleichtert das Hinfallende/ treibt die Menses, und zertrennet die zähen Phlegmata.
Cap. CXIX. Auf Gebürgen:Radix Rhodia,Schwalbenwurtz undVictorialis.
[Spaltenumbruch]
RAdix Rhodia, Rosenwurtzen/ wächset zwar am liebsten auf den höchsten und gähen Felsen und Gebürgen/ da sie kaum so viel Grund hat/ darinn sie hafften mag; Nichts destoweniger aber nimmt sie auch in den Gärten an schattichten Orten allenthalben für gut/ ich halte aber wol dafür/ daß sie an Kräfften etwas geringer sey.
Die Wurtzen ist/ weil sie noch frisch/ aus- und inwendig weißgrau/ wann sie aber dürr/ wird sie inwen- dig roth/ ist gantz lebhafft/ und kan man sie/ wann sie schon etliche Wochen ausgegraben worden/ dennoch ver- setzen/ und Spriessen machen; ist nach Fuchsii Meynung warm im andern Grad/ sonst aus subtilen Stucken zu- sammen vermengt.
Jhr Geruch/ sonderlich der Wurtzen/ vergleichet sich den Rosen/ daher sie auch mässig digerirt und verdauet/ wird mit Rosenwasser zu einem Pflaster gemacht/ und wider den Haubtwehe auf die Stirn und beede Schlä- fe (nachdem es die Noht erfordert) gelegt/ wann der Schmertzen von der Hitz kommt; ist aber die Kälte Ur- sach/ kan man Rosen-Oel nehmen/ oder Wasser von Majoran. Soll sonst mit den Rosen durchaus einer- ley Vermögen und Krafft haben.
Schwalbenwurtzen/ Asclepias, Vincetoxicum, Hirundinaria, wächset gern auf Bergen/ Hügeln und andern dergleichen dürren und felsichten Orten/ auch in den Wäldern/ im rauhen und sandichten Grund/ thut dennoch in den Gärten auch gut/ daher sie auch mit Fleiß darein gesetzt wird.
Jst warm und trocken im andern Grad/ verdauet/ eröffnet und zertheilet/ widerstehet auch allem Gifft. Mit rothen Wein eingenommen/ vertreibt es alle Grimmen und Schmertzen des Gedärms/ also auch getruncken/ ist sie gut vor gifftiger Thier Biß/ wann man 40 Tag nacheinander alle Morgen anderthalb Quintel schwer dieses Pulvers/ im gesottenen Wasser von Cardobene- dicten trinckt/ heilet es die wütige Hundsbiß/ und be- [Spaltenumbruch]
wahret für der Pest/ mit Sauerampfer- oder Ochsen- zungen-Wasser ein Quintlein diß Pulvers getruncken/ hilfft dem Hertzen aller Gebrechen ab/ sonderlich wann man den Tranck mit ein wenig Citronen-Saamen ver- mischt.
Der Wein/ darein die Wurtzen erstlich eine gantze Nacht eingeweicht/ hernach ein Drittel desselben einge- sotten/ und etliche Tage nacheinander getruncken/ ver- treibt die Wassersucht; doch muß man/ gleich nach einge- nommenem Tranck wol schwitzen/ lässt die Geschwulst nicht zum Hertzen kommen/ sondern treibt sie an den Schen- ckeln und Fußsohlen weg/ wie solches offtmals durch Erfahrung bewehret worden; eben dieser Tranck ist auch gut wider die Gelbsucht.
Diß gantze Gewächs/ weil es in der Blühe ist/ ge- hackt/ in guten alten Wein eingebaisst und ausgebrennt/ heilet/ getruncken/ alle inwendige Versehrung/ auch auswendig mit einem Tüchlein aufgelegt/ alle Wunden der zarten Gliedmassen/ auch alte faule Schäden.
Die übergelegten Blätter heilen die bösen Geschwe- re der Brüste und der Mutter; die Wurtzen im Was- ser gesotten und im Bad gebraucht/ stillet dolores ma- tricis, & Menses provocat. Die Wurtzen mit Gras- Wasser getruncken/ tödtet die Würmer.
Victorialis, Sigwurtz/ hat Blätter fast wie das Lilium Convallium, aber rauch und mit schwartzen Flecken besprengt/ so wol als auch der Stengel selbst also scheckicht ist/ wie an dem grössern Schlangenkraut/ die Wurtzel ist rauhlicht/ mit braungelben Haaren überzo- gen/ hat einen Geschmack wie Knobloch/ darum sie auch Allium Alpinum und Anguinum genennet wird/ wächst häuffig in den Gebürgen und Stein-Klippen/ hat die Art (nach Matthioli und Durantis Zeugnis) daß sie/ wie der andere wilde Knobloch/ erhitziget und trocknet/ und ist sonst demselben am Vermögen gleich.
Die Berg-Knappen treiben viel Wesens damit/
und
Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
[Spaltenumbruch]
Das Pulver davon in Wein getruncken/ erwaͤr- met Lenden und Nieren/ macht eine gute Farbe; man kan allzeit 3 Loth Pulvers mit einem halben Pfund rein geſtoſſenen Zucker vermiſchen/ ſo kan mans wie ein Triet gebrauchen.
Das noch gruͤne Kraut ſamt der Wurtzen gehackt/ im Wein gebaiſſt und ausgebrennt/ iſt zu allen erzehlten Zuſtaͤnden gut/ ſonderlich zur Infections-Zeit ein gut Præſervativ, und hat in einer Summa alle Eigen- ſchafften und Tugenden der Angelica.
Myrtilli, Heidelbeer/ vitis Idæa, haben ihren lieb- ſten und bequemeſten Stand in den Bergen und Waͤl- dern/ davon ſie von den Bauren und gemeinen Leuten zuſammgeklaubt/ auf die Maͤrckte gebracht/ verkaufft/ und von den Leuten genoſſen werden/ kuͤhlen im Som- mer und loͤſchen den Durſt wie die Erdbeeren/ ſind da- bey einer adſtringirenden und trockenen Natur/ doch ſtaͤrcken ſie auch den Magen; die friſche und duͤrre Bee- ren werden wider die rothe Ruhr und andere Bauch- fluͤſſe gebraucht. Die Faͤrber gebrauchen den Safft/ Garn oder Leinwath damit dunckelblau zu faͤrben.
[Spaltenumbruch]
Modelgeer/ Cruciata oder kleiner Enzian, wird auch von etlichen Creutzwurtz und Sperenſtich/ wegen der durchſtochenen Wurtzen genennet/ wachſen gern in den graſechten Bergen wie auch an den Straſſen/ und andern unerbauten Orten mehr.
Modelgeer hat gleiche Eigenſchafften mit der Enzian, daher es auch wider die Infection, Gifft/ und alle Biſ- ſe und Stich der gifftigen Thier/ ein groſſes Lob hat/ zu einen Pflaſter gemacht und auf den Bauch gelegt/ toͤd- tet es die Wuͤrme. Die Wurtzen in Wein gelegt und davon getruncken/ iſt es (nach Camerarii Zeugnis) den Waſſer ſuͤchtigen ſehr nuͤtzlich.
Es wird auch fuͤr ein abſonderlich gutes Wund- kraut gehalten/ allerley Bruͤche und Schaͤden damit zu heilen/ darzu man das Kraut/ Pulver/ Waſſer/ oder Safft/ welches am fuͤglichſten zu bekommen/ nehmen kan. Sie reiniget auch das Gebluͤt von den dicken Schleimen/ die ſich in den Blut-Adern befinden und anlegen/ erleichtert das Hinfallende/ treibt die Menſes, und zertrennet die zaͤhen Phlegmata.
Cap. CXIX. Auf Gebuͤrgen:Radix Rhodia,Schwalbenwurtz undVictorialis.
[Spaltenumbruch]
RAdix Rhodia, Roſenwurtzen/ waͤchſet zwar am liebſten auf den hoͤchſten und gaͤhen Felſen und Gebuͤrgen/ da ſie kaum ſo viel Grund hat/ darinn ſie hafften mag; Nichts deſtoweniger aber nimmt ſie auch in den Gaͤrten an ſchattichten Orten allenthalben fuͤr gut/ ich halte aber wol dafuͤr/ daß ſie an Kraͤfften etwas geringer ſey.
Die Wurtzen iſt/ weil ſie noch friſch/ aus- und inwendig weißgrau/ wann ſie aber duͤrr/ wird ſie inwen- dig roth/ iſt gantz lebhafft/ und kan man ſie/ wann ſie ſchon etliche Wochen ausgegraben worden/ dennoch ver- ſetzen/ und Sprieſſen machen; iſt nach Fuchſii Meynung warm im andern Grad/ ſonſt aus ſubtilen Stucken zu- ſammen vermengt.
Jhr Geruch/ ſonderlich der Wurtzen/ vergleichet ſich den Roſen/ daher ſie auch maͤſſig digerirt und verdauet/ wird mit Roſenwaſſer zu einem Pflaſter gemacht/ und wider den Haubtwehe auf die Stirn und beede Schlaͤ- fe (nachdem es die Noht erfordert) gelegt/ wann der Schmertzen von der Hitz kommt; iſt aber die Kaͤlte Ur- ſach/ kan man Roſen-Oel nehmen/ oder Waſſer von Majoran. Soll ſonſt mit den Roſen durchaus einer- ley Vermoͤgen und Krafft haben.
Schwalbenwurtzen/ Aſclepias, Vincetoxicum, Hirundinaria, waͤchſet gern auf Bergen/ Huͤgeln und andern dergleichen duͤrren und felſichten Orten/ auch in den Waͤldern/ im rauhen und ſandichten Grund/ thut dennoch in den Gaͤrten auch gut/ daher ſie auch mit Fleiß darein geſetzt wird.
Jſt warm und trocken im andern Grad/ verdauet/ eroͤffnet und zertheilet/ widerſtehet auch allem Gifft. Mit rothen Wein eingenommen/ vertreibt es alle Grimmen und Schmertzen des Gedaͤrms/ alſo auch getruncken/ iſt ſie gut vor gifftiger Thier Biß/ wann man 40 Tag nacheinander alle Morgen anderthalb Quintel ſchwer dieſes Pulvers/ im geſottenen Waſſer von Cardobene- dicten trinckt/ heilet es die wuͤtige Hundsbiß/ und be- [Spaltenumbruch]
wahret fuͤr der Peſt/ mit Sauerampfer- oder Ochſen- zungen-Waſſer ein Quintlein diß Pulvers getruncken/ hilfft dem Hertzen aller Gebrechen ab/ ſonderlich wann man den Tranck mit ein wenig Citronen-Saamen ver- miſcht.
Der Wein/ darein die Wurtzen erſtlich eine gantze Nacht eingeweicht/ hernach ein Drittel deſſelben einge- ſotten/ und etliche Tage nacheinander getruncken/ ver- treibt die Waſſerſucht; doch muß man/ gleich nach einge- nom̃enem Tranck wol ſchwitzen/ laͤſſt die Geſchwulſt nicht zum Hertzen kommen/ ſondern treibt ſie an den Schen- ckeln und Fußſohlen weg/ wie ſolches offtmals durch Erfahrung bewehret worden; eben dieſer Tranck iſt auch gut wider die Gelbſucht.
Diß gantze Gewaͤchs/ weil es in der Bluͤhe iſt/ ge- hackt/ in guten alten Wein eingebaiſſt und ausgebrennt/ heilet/ getruncken/ alle inwendige Verſehrung/ auch auswendig mit einem Tuͤchlein aufgelegt/ alle Wunden der zarten Gliedmaſſen/ auch alte faule Schaͤden.
Die uͤbergelegten Blaͤtter heilen die boͤſen Geſchwe- re der Bruͤſte und der Mutter; die Wurtzen im Waſ- ſer geſotten und im Bad gebraucht/ ſtillet dolores ma- tricis, & Menſes provocat. Die Wurtzen mit Gras- Waſſer getruncken/ toͤdtet die Wuͤrmer.
Victorialis, Sigwurtz/ hat Blaͤtter faſt wie das Lilium Convallium, aber rauch und mit ſchwartzen Flecken beſprengt/ ſo wol als auch der Stengel ſelbſt alſo ſcheckicht iſt/ wie an dem groͤſſern Schlangenkraut/ die Wurtzel iſt rauhlicht/ mit braungelben Haaren uͤberzo- gen/ hat einen Geſchmack wie Knobloch/ darum ſie auch Allium Alpinum und Anguinum genennet wird/ waͤchſt haͤuffig in den Gebuͤrgen und Stein-Klippen/ hat die Art (nach Matthioli und Durantis Zeugnis) daß ſie/ wie der andere wilde Knobloch/ erhitziget und trocknet/ und iſt ſonſt demſelben am Vermoͤgen gleich.
Die Berg-Knappen treiben viel Weſens damit/
und
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[564[562]/0580]
Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
Das Pulver davon in Wein getruncken/ erwaͤr-
met Lenden und Nieren/ macht eine gute Farbe; man
kan allzeit 3 Loth Pulvers mit einem halben Pfund
rein geſtoſſenen Zucker vermiſchen/ ſo kan mans wie ein
Triet gebrauchen.
Das noch gruͤne Kraut ſamt der Wurtzen gehackt/
im Wein gebaiſſt und ausgebrennt/ iſt zu allen erzehlten
Zuſtaͤnden gut/ ſonderlich zur Infections-Zeit ein gut
Præſervativ, und hat in einer Summa alle Eigen-
ſchafften und Tugenden der Angelica.
Myrtilli, Heidelbeer/ vitis Idæa, haben ihren lieb-
ſten und bequemeſten Stand in den Bergen und Waͤl-
dern/ davon ſie von den Bauren und gemeinen Leuten
zuſammgeklaubt/ auf die Maͤrckte gebracht/ verkaufft/
und von den Leuten genoſſen werden/ kuͤhlen im Som-
mer und loͤſchen den Durſt wie die Erdbeeren/ ſind da-
bey einer adſtringirenden und trockenen Natur/ doch
ſtaͤrcken ſie auch den Magen; die friſche und duͤrre Bee-
ren werden wider die rothe Ruhr und andere Bauch-
fluͤſſe gebraucht. Die Faͤrber gebrauchen den Safft/
Garn oder Leinwath damit dunckelblau zu faͤrben.
Modelgeer/ Cruciata oder kleiner Enzian, wird
auch von etlichen Creutzwurtz und Sperenſtich/ wegen
der durchſtochenen Wurtzen genennet/ wachſen gern in
den graſechten Bergen wie auch an den Straſſen/ und
andern unerbauten Orten mehr.
Modelgeer hat gleiche Eigenſchafften mit der Enzian,
daher es auch wider die Infection, Gifft/ und alle Biſ-
ſe und Stich der gifftigen Thier/ ein groſſes Lob hat/ zu
einen Pflaſter gemacht und auf den Bauch gelegt/ toͤd-
tet es die Wuͤrme. Die Wurtzen in Wein gelegt und
davon getruncken/ iſt es (nach Camerarii Zeugnis)
den Waſſer ſuͤchtigen ſehr nuͤtzlich.
Es wird auch fuͤr ein abſonderlich gutes Wund-
kraut gehalten/ allerley Bruͤche und Schaͤden damit zu
heilen/ darzu man das Kraut/ Pulver/ Waſſer/ oder
Safft/ welches am fuͤglichſten zu bekommen/ nehmen
kan. Sie reiniget auch das Gebluͤt von den dicken
Schleimen/ die ſich in den Blut-Adern befinden und
anlegen/ erleichtert das Hinfallende/ treibt die Menſes,
und zertrennet die zaͤhen Phlegmata.
Cap. CXIX.
Auf Gebuͤrgen: Radix Rhodia, Schwalbenwurtz und Victorialis.
RAdix Rhodia, Roſenwurtzen/ waͤchſet zwar am
liebſten auf den hoͤchſten und gaͤhen Felſen und
Gebuͤrgen/ da ſie kaum ſo viel Grund hat/ darinn
ſie hafften mag; Nichts deſtoweniger aber nimmt ſie
auch in den Gaͤrten an ſchattichten Orten allenthalben
fuͤr gut/ ich halte aber wol dafuͤr/ daß ſie an Kraͤfften
etwas geringer ſey.
Die Wurtzen iſt/ weil ſie noch friſch/ aus- und
inwendig weißgrau/ wann ſie aber duͤrr/ wird ſie inwen-
dig roth/ iſt gantz lebhafft/ und kan man ſie/ wann ſie
ſchon etliche Wochen ausgegraben worden/ dennoch ver-
ſetzen/ und Sprieſſen machen; iſt nach Fuchſii Meynung
warm im andern Grad/ ſonſt aus ſubtilen Stucken zu-
ſammen vermengt.
Jhr Geruch/ ſonderlich der Wurtzen/ vergleichet ſich
den Roſen/ daher ſie auch maͤſſig digerirt und verdauet/
wird mit Roſenwaſſer zu einem Pflaſter gemacht/ und
wider den Haubtwehe auf die Stirn und beede Schlaͤ-
fe (nachdem es die Noht erfordert) gelegt/ wann der
Schmertzen von der Hitz kommt; iſt aber die Kaͤlte Ur-
ſach/ kan man Roſen-Oel nehmen/ oder Waſſer von
Majoran. Soll ſonſt mit den Roſen durchaus einer-
ley Vermoͤgen und Krafft haben.
Schwalbenwurtzen/ Aſclepias, Vincetoxicum,
Hirundinaria, waͤchſet gern auf Bergen/ Huͤgeln und
andern dergleichen duͤrren und felſichten Orten/ auch in
den Waͤldern/ im rauhen und ſandichten Grund/ thut
dennoch in den Gaͤrten auch gut/ daher ſie auch mit Fleiß
darein geſetzt wird.
Jſt warm und trocken im andern Grad/ verdauet/
eroͤffnet und zertheilet/ widerſtehet auch allem Gifft. Mit
rothen Wein eingenommen/ vertreibt es alle Grimmen
und Schmertzen des Gedaͤrms/ alſo auch getruncken/ iſt
ſie gut vor gifftiger Thier Biß/ wann man 40 Tag
nacheinander alle Morgen anderthalb Quintel ſchwer
dieſes Pulvers/ im geſottenen Waſſer von Cardobene-
dicten trinckt/ heilet es die wuͤtige Hundsbiß/ und be-
wahret fuͤr der Peſt/ mit Sauerampfer- oder Ochſen-
zungen-Waſſer ein Quintlein diß Pulvers getruncken/
hilfft dem Hertzen aller Gebrechen ab/ ſonderlich wann
man den Tranck mit ein wenig Citronen-Saamen ver-
miſcht.
Der Wein/ darein die Wurtzen erſtlich eine gantze
Nacht eingeweicht/ hernach ein Drittel deſſelben einge-
ſotten/ und etliche Tage nacheinander getruncken/ ver-
treibt die Waſſerſucht; doch muß man/ gleich nach einge-
nom̃enem Tranck wol ſchwitzen/ laͤſſt die Geſchwulſt nicht
zum Hertzen kommen/ ſondern treibt ſie an den Schen-
ckeln und Fußſohlen weg/ wie ſolches offtmals durch
Erfahrung bewehret worden; eben dieſer Tranck iſt auch
gut wider die Gelbſucht.
Diß gantze Gewaͤchs/ weil es in der Bluͤhe iſt/ ge-
hackt/ in guten alten Wein eingebaiſſt und ausgebrennt/
heilet/ getruncken/ alle inwendige Verſehrung/ auch
auswendig mit einem Tuͤchlein aufgelegt/ alle Wunden
der zarten Gliedmaſſen/ auch alte faule Schaͤden.
Die uͤbergelegten Blaͤtter heilen die boͤſen Geſchwe-
re der Bruͤſte und der Mutter; die Wurtzen im Waſ-
ſer geſotten und im Bad gebraucht/ ſtillet dolores ma-
tricis, & Menſes provocat. Die Wurtzen mit Gras-
Waſſer getruncken/ toͤdtet die Wuͤrmer.
Victorialis, Sigwurtz/ hat Blaͤtter faſt wie das
Lilium Convallium, aber rauch und mit ſchwartzen
Flecken beſprengt/ ſo wol als auch der Stengel ſelbſt alſo
ſcheckicht iſt/ wie an dem groͤſſern Schlangenkraut/ die
Wurtzel iſt rauhlicht/ mit braungelben Haaren uͤberzo-
gen/ hat einen Geſchmack wie Knobloch/ darum ſie
auch Allium Alpinum und Anguinum genennet wird/
waͤchſt haͤuffig in den Gebuͤrgen und Stein-Klippen/
hat die Art (nach Matthioli und Durantis Zeugnis)
daß ſie/ wie der andere wilde Knobloch/ erhitziget
und trocknet/ und iſt ſonſt demſelben am Vermoͤgen
gleich.
Die Berg-Knappen treiben viel Weſens damit/
und
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Hohberg, Wolf Helmhard von: Georgica Curiosa. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 564[562]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hohberg_georgica01_1682/580>, abgerufen am 23.02.2025.
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