ne. -- "Freilich, sagte der Leibarzt: muß die¬ ser höchst merkwürdige Umstand Ihre Neu¬ gierde nicht wenig aufregen, und so ungern ich eigentlich von jener Begebenheit sprechen mag, über die noch jetzt, für mich wenigstens, ein geheimnißvoller Schleier liegt, den ich auch weiter gar nicht lüften will, so sollen Sie doch alles erfahren, was ich davon weiß. Viele Jahre sind vergangen, und die Hauptpersonen von der Bühne abgetreten, nur die Erinnerung ist es, welche feindseelig wirkt. Ich bitte, gegen niemanden von dem, was Sie erfuhren, etwas zu äußern." Ich versprach das, und der Arzt fing in folgen¬ der Art seine Erzählung an:
"Eben zu der Zeit, als unser Fürst sich vermählte, kam sein Bruder in Gesellschaft eines Mannes, den er Francesco nannte, un¬ erachtet man wußte, daß er ein Deutscher war, so wie eines Mahlers, von weiten Rei¬ sen zurück. Der Prinz war einer der schön¬ sten Männer, die man gesehen, und schon
ne. — „Freilich, ſagte der Leibarzt: muß die¬ ſer hoͤchſt merkwuͤrdige Umſtand Ihre Neu¬ gierde nicht wenig aufregen, und ſo ungern ich eigentlich von jener Begebenheit ſprechen mag, uͤber die noch jetzt, fuͤr mich wenigſtens, ein geheimnißvoller Schleier liegt, den ich auch weiter gar nicht luͤften will, ſo ſollen Sie doch alles erfahren, was ich davon weiß. Viele Jahre ſind vergangen, und die Hauptperſonen von der Buͤhne abgetreten, nur die Erinnerung iſt es, welche feindſeelig wirkt. Ich bitte, gegen niemanden von dem, was Sie erfuhren, etwas zu aͤußern.“ Ich verſprach das, und der Arzt fing in folgen¬ der Art ſeine Erzaͤhlung an:
„Eben zu der Zeit, als unſer Fuͤrſt ſich vermaͤhlte, kam ſein Bruder in Geſellſchaft eines Mannes, den er Francesco nannte, un¬ erachtet man wußte, daß er ein Deutſcher war, ſo wie eines Mahlers, von weiten Rei¬ ſen zuruͤck. Der Prinz war einer der ſchoͤn¬ ſten Maͤnner, die man geſehen, und ſchon
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ne. — „Freilich, ſagte der Leibarzt: muß die¬
ſer hoͤchſt merkwuͤrdige Umſtand Ihre Neu¬
gierde nicht wenig aufregen, und ſo ungern
ich eigentlich von jener Begebenheit ſprechen
mag, uͤber die noch jetzt, fuͤr mich wenigſtens,
ein geheimnißvoller Schleier liegt, den ich
auch weiter gar nicht luͤften will, ſo ſollen
Sie doch alles erfahren, was ich davon
weiß. Viele Jahre ſind vergangen, und die
Hauptperſonen von der Buͤhne abgetreten,
nur die Erinnerung iſt es, welche feindſeelig
wirkt. Ich bitte, gegen niemanden von dem,
was Sie erfuhren, etwas zu aͤußern.“ Ich
verſprach das, und der Arzt fing in folgen¬
der Art ſeine Erzaͤhlung an:
„Eben zu der Zeit, als unſer Fuͤrſt ſich
vermaͤhlte, kam ſein Bruder in Geſellſchaft
eines Mannes, den er Francesco nannte, un¬
erachtet man wußte, daß er ein Deutſcher
war, ſo wie eines Mahlers, von weiten Rei¬
ſen zuruͤck. Der Prinz war einer der ſchoͤn¬
ſten Maͤnner, die man geſehen, und ſchon
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[Hoffmann, E. T. A.]: Die Elixiere des Teufels. Bd. 1. Berlin, 1815, S. 361. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmann_elixiere01_1815/377>, abgerufen am 27.11.2024.
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