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Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 125, Hamburg, 6. August 1771.

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Lager iſt den Unſrigen zur Beute geworden: auch hat
man dem Feinde 6 Fahnen abgenommen. Der General-
Major, Fuͤrſt Schtſcherbatow, bezeuget, daß die Staabs-
Officiers, die die Colonnen angefuͤhrt, ſo wie auch die
Oberofficiers und die ſaͤmmtlichen Truppen mit uner-
muͤdetem Eifer und Tapferkeit befliſſen geweſen , ihre
Pflicht zu erfuͤllen.

Nach Eroberung der Veſtung Perekop wurde der
General-Major Braun mit einem Detaſchement nach
Keslow geſchickt, dieſe Stadt einzunehmen. Er kam
den 2ten Julii vor ſelbiger an, und beſetzte ſie ohne allen
Widerſtand. Zwey Schiffe, die daſelbſt lagen, feuer-
ten eine Kanone ab, zogen die Segel auf, und ſtachen
in See. In Keslow haben die Unſrigen 20 Tuͤrken
zu Gefangenen gemacht, und 3 Kanonen erbeutet. Dieſe
Stadt war in dem elendeſten Zuſtand: und die Gefan-
genen erzaͤhlen, daß 3 Tage vor Ankunft unſerer Trup-
pen die Tartaren ſie ſelbſt ausgepluͤndert, und allen
vorhanden geweſenen Vorrath in die See geworfen
haben. (Der Verfolg morgen.)


Don Pietro Zevallos, General-Lieutenant der Armeen
Sr. Katholiſchen Majeſtaͤt, iſt hier von Madrid, und
der Marquis von Durfort aus Paris angelanget. Beyde
ſollen von ihren Souverains eine wichtige Commißion
an unſerm Hofe auszurichten haben.


Am Montage kamen 2 Rußiſche Fregatten, die eine
von 56 Kanonen und 250 Mann Equipage, und die
andere von 36 Kanonen und 92 Mann Equipage, von
Gibraltar und Mahon in unſerm Haven an.

Beſchluß der Nachrichten aus London,


Vor einigen Tagen wurde Herr John Murray in der
Nacht von 6 ſtarken Kerls uͤberfallen, gebunden, gekne-
belt, und in einer Kutſche weggefuͤhret. Dieſer Mann
war bey der Rebellion im Jahr 1745 Secretair des Praͤ-
tendenten. Er hatte Pardon erhalten, vermuthlich
durch den Einfluß ſeines Vaters, Lord Mansfield, deſſen
Familien-Name noch Murray iſt, und wohnte ruhig in
ſeinem Hauſe, in der Daͤnnemarks-Straße. Zween ſeiner
Entfuͤhrer ſollen ſeine eigenen Soͤhne ſeyn. Es iſt kein
Zweifel, daß eine genaue Unterſuchung werde angeſtellet
werden, um zu erfahren, wo er ſich jetzt aufhaͤlt, und
was die ganze Sache zu bedeuten habe.

Von Glouceſter wird unterm 20ſten Folgendes ge-
meldet: Vorigen Donnerſtag iſt bey Lidney in dieſer
Grafſchaft ein abſcheulicher Mord begangen worden.
Zwey junge Frauenzimmer, die juͤngſte Tochter des Herrn
William Jones, und Jungfer Gough von Monthmouth,
hatten in einem benachbarten Dorfe einen Beſuch ab-
geleget, und ſich wegen eines ſtarken Regens ſo lange
aufgehalten, daß ſie erſt Abends um 10 Uhr nach ihrer
Wohnung zuruͤckgiengen. Unterwegens trafen ſie einen
Kerl an, den Miß Jones kannte. Er gehoͤrte zu einer
Saͤgemuͤhle, und das freundliche Maͤdchen wuͤnſchte
ihm eine gute Nacht. Der Kerl, welcher ſie berauben
wollte, erboßt, daß er erkannt war, ſchlug ſie beyde todt,
und nahm ihnen das Ihrige ab. Die Erſchlagenen wur-
den bald gefunden. Es ward Laͤrm gemacht, den Thaͤ-
ter zu verfolgen. Er befand ſich aber ſelbſt unter denen,
die den Moͤrder ſuchen ſollten, und ward durch das
Blut entdecket, welches noch auf ſeiner Knie klebete.

Er wurde in Verhaft genommen, und geſtand die That.
Die Familien ſind uͤber dieſen Verluſt untroͤſtbar, und
Miß Jones ſollte in einigen Tagen verheirathet werden.


[Spaltenumbruch]

Der Graf von Pignatelli iſt als außerordentlicher Ge-
ſandter des Koͤnigs beyder Sicilien hier eingetroffen,
um den Grafen Caraccioli abzuloͤſen.

Mit einem Engliſchen Schiffe, welches von dem
Wallſiſchfange in Groͤnland zu Yarmouth zuruͤckgekom-
men iſt, hat man die Nachricht erhalten, daß die uͤbri-
gen Engliſchen und Schottlaͤndiſchen Schiffe einen guten
Fang gethan haͤtten, doch waͤren einige im Eiſe ge-
blieben.

Einige Miniſter ſollen erklaͤrt haben, ſie wuͤrden ihre
Stellen niederlegen. Sollte dies geſchehen: ſo wuͤrde
Lord Chatham gewiß wieder ins Miniſterium kommen.

Man ſpricht hier viel von einer Allianz, welche zwiſchen
2 großen Europaͤiſchen Maͤchten naͤchſtens zu Stande
kommen, und in den Angelegenheiten Pohlens eine un-
erwartete Veraͤnderung verurſachen duͤrfte.


Der Oberſte Schuͤtz iſt mit vieler Ordnung bey War-
ſchau vorbey gegangen. Seine Patrouillen ſind gut ge-
ordnet geweſen, daß man ihnen, unerachtet ſie alle Vor-
poſten von Warſchau beruͤhret, nichts abgewinnen koͤnnen.
Man glaubt, er wuͤrde des Sawa Poſten in Plocko und
Maſovien nehmen. Er iſt aber naͤher nach Litthauen ge-
gangen, um das dortige glimmende Feuer zu unterhalten.
Der Fuͤrſt Primas hat ſeine Equipage zwar ſeit 14 Ta-
gen ſchon uͤber die Grenze nach Elbingen vorausgeſchickt;
ihm aber ſind, ſo wie andern Senateurs, als den Bi-
ſchoͤfen von Cujavien und Wilda, dem Kronkuͤchenmeiſter
von Ponniski u. a. m. Hinderniſſe vorgefallen, ſo ihre
Reiſe in die Provinzen vor der Ruͤckkunft des Couriers
von Petersburg nicht fuͤglich erlauben. Der Marſchall
Suski hat ſeine bey Golcziewo geſchlagene Leute aus
den Waldungen bey Oſtrolenka zu 10 und 5 Mann in
die Sommerquartiere entlaſſen. Nach der Erndte ſollen
ſie ſich mit Rekruten wieder einfinden. Den Deſerteurs
von auswaͤrtigen Truppen ſcheint die Erndte zu lange
zu werden; ſie verwechſeln daher ihre Quartiere mit
den benachbarten Landen.


Seit einiger Zeit befindet ſich der Fuͤrſt Auguſt von
Lobkowitz aus Prag allhier. Wie man verſichert, ſo iſt
dieſer Herr durch eine unmittelbare Kayſerl. Koͤnigl.
Ordre hieher berufen worden, und hat den Auftrag er-
halten, den von dem Grafen Gundacker Colloredo bis-
her bekleideten Poſten eines Kayſerl. Koͤnigl. Geſandten
am Koͤnigl. Spaniſchen Hofe zu Madrid zu uͤbernehmen,
welches auch deſto wahrſcheinlicher wird, da dieſer Herr
ſowol mit ſeinen Bedienten, als auch in Anſehung ſeiner
uͤbrigen Equipage bereits verſchiedene Veraͤnderungen
machen laͤſſet.

Die bisher gemachten Kriegs-Anſtalten werden noch
eifrig betrieben, und man ſiehet noch taͤglich ſtarke Tran-
ſporte, ſowol von Artillerie-Beduͤrfniſſen, als auch Ge-
wehr-Montirungs- und andern Stuͤcken nach Ungarn
abgehen. Auch ſollen die von der Artillerie aus Boͤh-
men dahin abgegangene Mannſchaften in ihren gegen-
waͤrtigen Quartieren faſt Tag und Nacht mit Verfer-
tigung ſowol ſcharfer als blinder Patronen beſchaͤfftiget
ſeyn. Von der Reiſe Sr. Majeſtaͤt, des Kayſers, dahin,
iſt zwar der Tag, wann ſelbige vor ſich gehen wird,
noch nicht zuverlaͤßig bekannt; man will aber vermuthen,
daß ſolche ſo bald noch nicht geſchehen duͤrfte, da dieſe
Woche nicht allein der Feldmarſchall, Fuͤrſt von Kinski,
ſondern auch der Feldmarſchall, Graf von Wallis, und
einige andere von der hohen Generalitaͤt die Erlaubniß
erhalten haben, ſich auf einen Monat nach dem Toͤplitzer
[Spaltenumbruch]

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Zitationshilfe: Staats- und Gelehrte Zeitung Des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. Nr. 125, Hamburg, 6. August 1771, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1250608_1771/2>, abgerufen am 23.02.2025.