chensaft sowol die Strassen selbst aus (v), als derselbe die Räume zwischen den Platten und Fasern eben macht. An der klopfenden Stirne der Kinder zeigen sich sehr viele Gefässe (x), welche bei dem Jünglinge bereits ver- schwunden sind; eben dieses gilt auch bei den Zahnbeulen.
Jch habe an den innersten Knorpel des Hühnchens (y) unendlich viele Gefässe gezeigt, welche mit rothem Blute angefüllt sind, und zwar an einem Orte, wo ich glaube, daß man sie bisher noch nie gezeigt (z).
Jch habe die Knorpelrinden der Kniescheibe (a) und der Knochenansäzze (b) der Hüfte und des Schienbeins nicht selten, noch mit Schwierigkeiten dergestalt ausge- sprizzt, daß die Knorpel, wie ein durchsichtiger Bern- stein anzusehen waren, und von rothen Gefässen durch- laufen wurden. Dieses läst sich bey Erwachsenen nicht erwarten.
Da also keine neue Gefässe hinzu kommen, und von den alten viele zernichtet werden, so folget, daß die Frucht mehr Gefässe, als ein erwachsener Mensch hat (c).
Eben diese sind nicht nur grösser, nach Proportion der Muskeln und Knochen, so wie das Herz an sich selbst grösser ist, sondern auch viel lokkrer.
Sie nehmen an der Frucht sehr leicht die einzuspriz- zende Säfte in sich: und diese Säfte schwizzen, bis zum Nachtheile, aus den Schlagadern in die Därme, in die Fadengewebe, und in die grosse Hölungen, ja durch
die
(v)[Spaltenumbruch]ALBIN adnot. L. IV. p. 11.
(x)RUYSCH Thes. V. t. 2. f. 4.
(y)Form. des os p. 230. 232. 234.
(z) Doch hat dieses nunmehr der berühmte WALTER in osteo- log. deutsch geschrieben, mit mir übereinstimmig, von der Men- schenfrucht aber gezeigt. f. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16.
(a)[Spaltenumbruch]RUYSCH advers. II. n. 2. f. 1. advers. III. n. 9. der doch den tiefen Lauf leugnet, und die äussere Gefässe der Knorpel anders, als wir, hat. HUNTER Phil. trans. n. 470.
(b)RUYSCH ibid. BERTIN t. 1. p. 289.
(c)KAAUW n. 903. add. JAMBERT caus. increm.
H. Phisiol. 8. B. J i
IV. Abſ. Das Leben der Frucht.
chenſaft ſowol die Straſſen ſelbſt aus (v), als derſelbe die Raͤume zwiſchen den Platten und Faſern eben macht. An der klopfenden Stirne der Kinder zeigen ſich ſehr viele Gefaͤſſe (x), welche bei dem Juͤnglinge bereits ver- ſchwunden ſind; eben dieſes gilt auch bei den Zahnbeulen.
Jch habe an den innerſten Knorpel des Huͤhnchens (y) unendlich viele Gefaͤſſe gezeigt, welche mit rothem Blute angefuͤllt ſind, und zwar an einem Orte, wo ich glaube, daß man ſie bisher noch nie gezeigt (z).
Jch habe die Knorpelrinden der Knieſcheibe (a) und der Knochenanſaͤzze (b) der Huͤfte und des Schienbeins nicht ſelten, noch mit Schwierigkeiten dergeſtalt ausge- ſprizzt, daß die Knorpel, wie ein durchſichtiger Bern- ſtein anzuſehen waren, und von rothen Gefaͤſſen durch- laufen wurden. Dieſes laͤſt ſich bey Erwachſenen nicht erwarten.
Da alſo keine neue Gefaͤſſe hinzu kommen, und von den alten viele zernichtet werden, ſo folget, daß die Frucht mehr Gefaͤſſe, als ein erwachſener Menſch hat (c).
Eben dieſe ſind nicht nur groͤſſer, nach Proportion der Muskeln und Knochen, ſo wie das Herz an ſich ſelbſt groͤſſer iſt, ſondern auch viel lokkrer.
Sie nehmen an der Frucht ſehr leicht die einzuſpriz- zende Saͤfte in ſich: und dieſe Saͤfte ſchwizzen, bis zum Nachtheile, aus den Schlagadern in die Daͤrme, in die Fadengewebe, und in die groſſe Hoͤlungen, ja durch
die
(v)[Spaltenumbruch]ALBIN adnot. L. IV. p. 11.
(x)RUYSCH Theſ. V. t. 2. f. 4.
(y)Form. des os p. 230. 232. 234.
(z) Doch hat dieſes nunmehr der beruͤhmte WALTER in oſteo- log. deutſch geſchrieben, mit mir uͤbereinſtimmig, von der Men- ſchenfrucht aber gezeigt. f. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16.
(a)[Spaltenumbruch]RUYSCH adverſ. II. n. 2. f. 1. adverſ. III. n. 9. der doch den tiefen Lauf leugnet, und die aͤuſſere Gefaͤſſe der Knorpel anders, als wir, hat. HUNTER Phil. tranſ. n. 470.
(b)RUYSCH ibid. BERTIN t. 1. p. 289.
(c)KAAUW n. 903. add. JAMBERT cauſ. increm.
H. Phiſiol. 8. B. J i
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[495[497]/0549]
IV. Abſ. Das Leben der Frucht.
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die Raͤume zwiſchen den Platten und Faſern eben macht.
An der klopfenden Stirne der Kinder zeigen ſich ſehr
viele Gefaͤſſe (x), welche bei dem Juͤnglinge bereits ver-
ſchwunden ſind; eben dieſes gilt auch bei den Zahnbeulen.
Jch habe an den innerſten Knorpel des Huͤhnchens
(y) unendlich viele Gefaͤſſe gezeigt, welche mit rothem
Blute angefuͤllt ſind, und zwar an einem Orte, wo ich
glaube, daß man ſie bisher noch nie gezeigt (z).
Jch habe die Knorpelrinden der Knieſcheibe (a) und
der Knochenanſaͤzze (b) der Huͤfte und des Schienbeins
nicht ſelten, noch mit Schwierigkeiten dergeſtalt ausge-
ſprizzt, daß die Knorpel, wie ein durchſichtiger Bern-
ſtein anzuſehen waren, und von rothen Gefaͤſſen durch-
laufen wurden. Dieſes laͤſt ſich bey Erwachſenen nicht
erwarten.
Da alſo keine neue Gefaͤſſe hinzu kommen, und von
den alten viele zernichtet werden, ſo folget, daß die Frucht
mehr Gefaͤſſe, als ein erwachſener Menſch hat (c).
Eben dieſe ſind nicht nur groͤſſer, nach Proportion
der Muskeln und Knochen, ſo wie das Herz an ſich ſelbſt
groͤſſer iſt, ſondern auch viel lokkrer.
Sie nehmen an der Frucht ſehr leicht die einzuſpriz-
zende Saͤfte in ſich: und dieſe Saͤfte ſchwizzen, bis zum
Nachtheile, aus den Schlagadern in die Daͤrme, in
die Fadengewebe, und in die groſſe Hoͤlungen, ja durch
die
(v)
ALBIN adnot. L. IV. p. 11.
(x) RUYSCH Theſ. V. t. 2. f. 4.
(y) Form. des os p. 230. 232.
234.
(z) Doch hat dieſes nunmehr
der beruͤhmte WALTER in oſteo-
log. deutſch geſchrieben, mit mir
uͤbereinſtimmig, von der Men-
ſchenfrucht aber gezeigt. f. 1. 2. 3.
4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.
15. 16.
(a)
RUYSCH adverſ. II. n. 2.
f. 1. adverſ. III. n. 9. der doch den
tiefen Lauf leugnet, und die aͤuſſere
Gefaͤſſe der Knorpel anders, als
wir, hat. HUNTER Phil. tranſ.
n. 470.
(b) RUYSCH ibid. BERTIN
t. 1. p. 289.
(c) KAAUW n. 903. add.
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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 495[497]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/549>, abgerufen am 22.11.2024.
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