seinem Eintritte kaum zusammen, sondern er erweitert sich vielmehr zu einer schiefen und halben Ellipsis. So- bald derselbe durch die dunkle Hornhaut gegangen, so begiebt er sich in die Aderhaut, welches eine silberfarbe- ne reine Membran ist, theils wo sie sich nach der dunk- len Hornhaut hinwendet, theils inwendig, wo sie sich nach der nächsten Membran zukehret. Jn einiger Weite davon, die in der Trocta mehr als eine Linie beträgt, ent- stehet eine zarte rothe Membran voller Gefässe (a+). Es sind dieses rothe Gefässe, nämlich eine ästige Schlag- und Blutader, die die dunkle Hornhaut durchbohret hatten, sich herumbieget, und auf der Stelle, theilen und wiedertheilen, und sich endlich in einen fleischichen zirkelrunden Brey verwandeln. Dieser Brey oder Mark ist mit einem besondern Häutchen bedekkt, und bestehet durch das Vergrösserungsglas besehend aus kur- zen flachen und sehr rothen Säulen, die dicht neben einander aufgerichtet sind, und nachdem sie kurz darauf von ihrer Haut befreiet worden, mit der Ruysischen in eins fortgehen. Jm frischen Zustande sind sie einem rothen Gallert gleich, wenn sie aber trokken, und durch Weingeist steif gemacht worden, so sehn sie wie ein wirk- liches geblättertes und fasriges Fleisch aus.
Hierauf entstehet ganz zunächst an der Nezzhaut, dergestalt, daß sie den Sehenerven, gleichsam bei des- sen Ursprunge würget, die sehr schwarze ruysische Haut, welche mit einer schwarzen Schmier dergestalt angefül- let ist, daß sie auch die Nezzhaut neben dem Eintritte des Sehenerven von allen Seiten beschmieret. Sie wird von einem weissen fächrichen Zirkel, in einiger Weite von Sehnerven umgeben, und erst denn empfängt sie den angewachsenen Trichter, der aus lauter Gefässen bestehet, kurz darauf auch die silberfarbene Aderhaut, mit welcher sie zusammenwächst.
Folg-
(a+) Dieses hat auch GUENELLON ibid. f. 5. 6.
Das Sehen. XVI. Buch.
ſeinem Eintritte kaum zuſammen, ſondern er erweitert ſich vielmehr zu einer ſchiefen und halben Ellipſis. So- bald derſelbe durch die dunkle Hornhaut gegangen, ſo begiebt er ſich in die Aderhaut, welches eine ſilberfarbe- ne reine Membran iſt, theils wo ſie ſich nach der dunk- len Hornhaut hinwendet, theils inwendig, wo ſie ſich nach der naͤchſten Membran zukehret. Jn einiger Weite davon, die in der Trocta mehr als eine Linie betraͤgt, ent- ſtehet eine zarte rothe Membran voller Gefaͤſſe (a†). Es ſind dieſes rothe Gefaͤſſe, naͤmlich eine aͤſtige Schlag- und Blutader, die die dunkle Hornhaut durchbohret hatten, ſich herumbieget, und auf der Stelle, theilen und wiedertheilen, und ſich endlich in einen fleiſchichen zirkelrunden Brey verwandeln. Dieſer Brey oder Mark iſt mit einem beſondern Haͤutchen bedekkt, und beſtehet durch das Vergroͤſſerungsglas beſehend aus kur- zen flachen und ſehr rothen Saͤulen, die dicht neben einander aufgerichtet ſind, und nachdem ſie kurz darauf von ihrer Haut befreiet worden, mit der Ruyſiſchen in eins fortgehen. Jm friſchen Zuſtande ſind ſie einem rothen Gallert gleich, wenn ſie aber trokken, und durch Weingeiſt ſteif gemacht worden, ſo ſehn ſie wie ein wirk- liches geblaͤttertes und faſriges Fleiſch aus.
Hierauf entſtehet ganz zunaͤchſt an der Nezzhaut, dergeſtalt, daß ſie den Sehenerven, gleichſam bei deſ- ſen Urſprunge wuͤrget, die ſehr ſchwarze ruyſiſche Haut, welche mit einer ſchwarzen Schmier dergeſtalt angefuͤl- let iſt, daß ſie auch die Nezzhaut neben dem Eintritte des Sehenerven von allen Seiten beſchmieret. Sie wird von einem weiſſen faͤchrichen Zirkel, in einiger Weite von Sehnerven umgeben, und erſt denn empfaͤngt ſie den angewachſenen Trichter, der aus lauter Gefaͤſſen beſtehet, kurz darauf auch die ſilberfarbene Aderhaut, mit welcher ſie zuſammenwaͤchſt.
Folg-
(a†) Dieſes hat auch GUENELLON ibid. f. 5. 6.
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Das Sehen. XVI. Buch.
ſeinem Eintritte kaum zuſammen, ſondern er erweitert
ſich vielmehr zu einer ſchiefen und halben Ellipſis. So-
bald derſelbe durch die dunkle Hornhaut gegangen, ſo
begiebt er ſich in die Aderhaut, welches eine ſilberfarbe-
ne reine Membran iſt, theils wo ſie ſich nach der dunk-
len Hornhaut hinwendet, theils inwendig, wo ſie ſich
nach der naͤchſten Membran zukehret. Jn einiger Weite
davon, die in der Trocta mehr als eine Linie betraͤgt, ent-
ſtehet eine zarte rothe Membran voller Gefaͤſſe (a†).
Es ſind dieſes rothe Gefaͤſſe, naͤmlich eine aͤſtige Schlag-
und Blutader, die die dunkle Hornhaut durchbohret
hatten, ſich herumbieget, und auf der Stelle, theilen
und wiedertheilen, und ſich endlich in einen fleiſchichen
zirkelrunden Brey verwandeln. Dieſer Brey oder
Mark iſt mit einem beſondern Haͤutchen bedekkt, und
beſtehet durch das Vergroͤſſerungsglas beſehend aus kur-
zen flachen und ſehr rothen Saͤulen, die dicht neben
einander aufgerichtet ſind, und nachdem ſie kurz darauf
von ihrer Haut befreiet worden, mit der Ruyſiſchen in
eins fortgehen. Jm friſchen Zuſtande ſind ſie einem
rothen Gallert gleich, wenn ſie aber trokken, und durch
Weingeiſt ſteif gemacht worden, ſo ſehn ſie wie ein wirk-
liches geblaͤttertes und faſriges Fleiſch aus.
Hierauf entſtehet ganz zunaͤchſt an der Nezzhaut,
dergeſtalt, daß ſie den Sehenerven, gleichſam bei deſ-
ſen Urſprunge wuͤrget, die ſehr ſchwarze ruyſiſche Haut,
welche mit einer ſchwarzen Schmier dergeſtalt angefuͤl-
let iſt, daß ſie auch die Nezzhaut neben dem Eintritte
des Sehenerven von allen Seiten beſchmieret. Sie
wird von einem weiſſen faͤchrichen Zirkel, in einiger
Weite von Sehnerven umgeben, und erſt denn empfaͤngt
ſie den angewachſenen Trichter, der aus lauter Gefaͤſſen
beſtehet, kurz darauf auch die ſilberfarbene Aderhaut,
mit welcher ſie zuſammenwaͤchſt.
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(a†) Dieſes hat auch GUENELLON ibid. f. 5. 6.
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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 5. Berlin, 1772, S. 802. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende05_1772/820>, abgerufen am 22.11.2024.
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