Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Die Grenzboten. Jg. 71, 1912, Drittes Vierteljahr.

Bild:
<< vorherige Seite
"Amerika den Amerikanern"

zwangsweisen Abdankung Alfaros und dem jähen Ende seines Nachfolgers ist
aus das Konto der Jankees zu setzen. Wird der seit dem 1. September
regierende General Plaza, auf den das Land mit Recht große Hoffnungen setzt,
die Macht haben, sich dem allzu stürmischen Werben der Uankees auf die Dauer
entgegenzustemmen? An Konzessionen sür Eisenbahnen, Ländereien, Gummi¬
ausbeutung usw. sehlt es nicht. Und Ecuador braucht Geld, um seine
zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen, um vor allem Guanaquil zu
einem gesunden modernen Hafen auszubauen. Die amerikanischen Ingenieure
und Ärzte haben in Havanna und am Panamakanal in dieser Hinsicht Vor¬
bildliches geschaffen. Es wird ihnen ein Leichtes sein, Gleiches am Guayas zu
erreichen. Aber wenn das Bankhaus Speyer das Geld dazu gibt, werden die Ecuato-
rianer böse bluten müssen, und die Europäer werden das Nachsehen haben. Und das
gerade in dem Lande, von dem Humboldt einst gesagt hat, daß es alle Vorzüge
und Reichtümer der gemäßigten Zonen und der Tropen in sich vereinigt. Einst¬
weilen sind die Deutschen und Engländer am Außenhandel Ecuadors, von der
Einfuhr für die Aankeebahn abgesehen, annähernd ebenso interessiert wie
die U. S. A. Aber lange wird dieser Zustand auch nicht mehr andauern.
Wie fast alle Jnkaschätze nach und nach in die fünfte Avenue gewandert sind,
so haben nordamerikanische Firmen in den letzten Jahren auch die meisten und
bedeutendsten Minen und Minenkonzessionen an sich gebracht und die europäischen
Unternehmungen zurückgedrängt.

Als ich vor sieben Jahren zum erstenmal in Lima weilte, waren
noch eine ganze Reihe peruanischer Minen und Minenkonzessionen in
europäischen, auch deutschen Händen. Heute ist die Lerro all paseo NininZ Lo.,
die in New Uork ihr Zentralbureau hat, nahezu Alleinherrscherin. In weitem
Abstand folgt eine englische Gesellschaft, und noch viele Stufen tiefer auf der
Leiter ein Peruaner, dessen Wiege im sonnigen Italien stand, und dann nur
viele kleine tutti amandi. Mußte das sein? man frage in der Behrenstraße
an. Der frühere Leiter der in Peru glänzend eingeführten Vanco ^terram
IransatwntiLo, der jetzt in Rio wieder mit seinem diplomatischen Freund und
Gönner, dem klugen und geschäftsgewandten Hamburger Kaufmannssohn, zu¬
sammenarbeitet, trägt sicher nicht die Schuld daran. Ebensowenig wie sein
getreuer Berater, Don Frederico Hilbek, der König von Piura. Auch ihm
machen die Dankes jetzt bösen Wettbewerb. Das Weltbaus V/. Qracö
6 Lo., das vor fünfzig Jahren von einem Engländer in Callao gegründet,
heute seinen Zentralsitz am Hannover-Square, nicht weit von Wallstreet
hat, breitet sich in den letzten Jahren mit unwiderstehlicher Gewalt aus.
Nicht nur in den südlichen Provinzen des Jnkalandes, in Arequipa und Cusco,
hat es seine Filialen errichtet, auch in Palla und Piura, wo früher Don
Frederico mit seinen Getreuen aus Lippstadt nahezu allein herrschte. Die von
ihm nach gutem deutschen Vorbild in Lima gegründeten Lebens- und sonstigen
Versicherungsgesellschaften gehen schweren Zeiten entgegen. Die Dcmkees, denen


„Amerika den Amerikanern"

zwangsweisen Abdankung Alfaros und dem jähen Ende seines Nachfolgers ist
aus das Konto der Jankees zu setzen. Wird der seit dem 1. September
regierende General Plaza, auf den das Land mit Recht große Hoffnungen setzt,
die Macht haben, sich dem allzu stürmischen Werben der Uankees auf die Dauer
entgegenzustemmen? An Konzessionen sür Eisenbahnen, Ländereien, Gummi¬
ausbeutung usw. sehlt es nicht. Und Ecuador braucht Geld, um seine
zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen, um vor allem Guanaquil zu
einem gesunden modernen Hafen auszubauen. Die amerikanischen Ingenieure
und Ärzte haben in Havanna und am Panamakanal in dieser Hinsicht Vor¬
bildliches geschaffen. Es wird ihnen ein Leichtes sein, Gleiches am Guayas zu
erreichen. Aber wenn das Bankhaus Speyer das Geld dazu gibt, werden die Ecuato-
rianer böse bluten müssen, und die Europäer werden das Nachsehen haben. Und das
gerade in dem Lande, von dem Humboldt einst gesagt hat, daß es alle Vorzüge
und Reichtümer der gemäßigten Zonen und der Tropen in sich vereinigt. Einst¬
weilen sind die Deutschen und Engländer am Außenhandel Ecuadors, von der
Einfuhr für die Aankeebahn abgesehen, annähernd ebenso interessiert wie
die U. S. A. Aber lange wird dieser Zustand auch nicht mehr andauern.
Wie fast alle Jnkaschätze nach und nach in die fünfte Avenue gewandert sind,
so haben nordamerikanische Firmen in den letzten Jahren auch die meisten und
bedeutendsten Minen und Minenkonzessionen an sich gebracht und die europäischen
Unternehmungen zurückgedrängt.

Als ich vor sieben Jahren zum erstenmal in Lima weilte, waren
noch eine ganze Reihe peruanischer Minen und Minenkonzessionen in
europäischen, auch deutschen Händen. Heute ist die Lerro all paseo NininZ Lo.,
die in New Uork ihr Zentralbureau hat, nahezu Alleinherrscherin. In weitem
Abstand folgt eine englische Gesellschaft, und noch viele Stufen tiefer auf der
Leiter ein Peruaner, dessen Wiege im sonnigen Italien stand, und dann nur
viele kleine tutti amandi. Mußte das sein? man frage in der Behrenstraße
an. Der frühere Leiter der in Peru glänzend eingeführten Vanco ^terram
IransatwntiLo, der jetzt in Rio wieder mit seinem diplomatischen Freund und
Gönner, dem klugen und geschäftsgewandten Hamburger Kaufmannssohn, zu¬
sammenarbeitet, trägt sicher nicht die Schuld daran. Ebensowenig wie sein
getreuer Berater, Don Frederico Hilbek, der König von Piura. Auch ihm
machen die Dankes jetzt bösen Wettbewerb. Das Weltbaus V/. Qracö
6 Lo., das vor fünfzig Jahren von einem Engländer in Callao gegründet,
heute seinen Zentralsitz am Hannover-Square, nicht weit von Wallstreet
hat, breitet sich in den letzten Jahren mit unwiderstehlicher Gewalt aus.
Nicht nur in den südlichen Provinzen des Jnkalandes, in Arequipa und Cusco,
hat es seine Filialen errichtet, auch in Palla und Piura, wo früher Don
Frederico mit seinen Getreuen aus Lippstadt nahezu allein herrschte. Die von
ihm nach gutem deutschen Vorbild in Lima gegründeten Lebens- und sonstigen
Versicherungsgesellschaften gehen schweren Zeiten entgegen. Die Dcmkees, denen


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div n="1">
          <pb facs="#f0599" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/322346"/>
          <fw type="header" place="top"> &#x201E;Amerika den Amerikanern"</fw><lb/>
          <p xml:id="ID_2680" prev="#ID_2679"> zwangsweisen Abdankung Alfaros und dem jähen Ende seines Nachfolgers ist<lb/>
aus das Konto der Jankees zu setzen. Wird der seit dem 1. September<lb/>
regierende General Plaza, auf den das Land mit Recht große Hoffnungen setzt,<lb/>
die Macht haben, sich dem allzu stürmischen Werben der Uankees auf die Dauer<lb/>
entgegenzustemmen? An Konzessionen sür Eisenbahnen, Ländereien, Gummi¬<lb/>
ausbeutung usw. sehlt es nicht. Und Ecuador braucht Geld, um seine<lb/>
zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen, um vor allem Guanaquil zu<lb/>
einem gesunden modernen Hafen auszubauen. Die amerikanischen Ingenieure<lb/>
und Ärzte haben in Havanna und am Panamakanal in dieser Hinsicht Vor¬<lb/>
bildliches geschaffen. Es wird ihnen ein Leichtes sein, Gleiches am Guayas zu<lb/>
erreichen. Aber wenn das Bankhaus Speyer das Geld dazu gibt, werden die Ecuato-<lb/>
rianer böse bluten müssen, und die Europäer werden das Nachsehen haben. Und das<lb/>
gerade in dem Lande, von dem Humboldt einst gesagt hat, daß es alle Vorzüge<lb/>
und Reichtümer der gemäßigten Zonen und der Tropen in sich vereinigt. Einst¬<lb/>
weilen sind die Deutschen und Engländer am Außenhandel Ecuadors, von der<lb/>
Einfuhr für die Aankeebahn abgesehen, annähernd ebenso interessiert wie<lb/>
die U. S. A. Aber lange wird dieser Zustand auch nicht mehr andauern.<lb/>
Wie fast alle Jnkaschätze nach und nach in die fünfte Avenue gewandert sind,<lb/>
so haben nordamerikanische Firmen in den letzten Jahren auch die meisten und<lb/>
bedeutendsten Minen und Minenkonzessionen an sich gebracht und die europäischen<lb/>
Unternehmungen zurückgedrängt.</p><lb/>
          <p xml:id="ID_2681" next="#ID_2682"> Als ich vor sieben Jahren zum erstenmal in Lima weilte, waren<lb/>
noch eine ganze Reihe peruanischer Minen und Minenkonzessionen in<lb/>
europäischen, auch deutschen Händen. Heute ist die Lerro all paseo NininZ Lo.,<lb/>
die in New Uork ihr Zentralbureau hat, nahezu Alleinherrscherin. In weitem<lb/>
Abstand folgt eine englische Gesellschaft, und noch viele Stufen tiefer auf der<lb/>
Leiter ein Peruaner, dessen Wiege im sonnigen Italien stand, und dann nur<lb/>
viele kleine tutti amandi. Mußte das sein? man frage in der Behrenstraße<lb/>
an. Der frühere Leiter der in Peru glänzend eingeführten Vanco ^terram<lb/>
IransatwntiLo, der jetzt in Rio wieder mit seinem diplomatischen Freund und<lb/>
Gönner, dem klugen und geschäftsgewandten Hamburger Kaufmannssohn, zu¬<lb/>
sammenarbeitet, trägt sicher nicht die Schuld daran. Ebensowenig wie sein<lb/>
getreuer Berater, Don Frederico Hilbek, der König von Piura. Auch ihm<lb/>
machen die Dankes jetzt bösen Wettbewerb. Das Weltbaus V/. Qracö<lb/>
6 Lo., das vor fünfzig Jahren von einem Engländer in Callao gegründet,<lb/>
heute seinen Zentralsitz am Hannover-Square, nicht weit von Wallstreet<lb/>
hat, breitet sich in den letzten Jahren mit unwiderstehlicher Gewalt aus.<lb/>
Nicht nur in den südlichen Provinzen des Jnkalandes, in Arequipa und Cusco,<lb/>
hat es seine Filialen errichtet, auch in Palla und Piura, wo früher Don<lb/>
Frederico mit seinen Getreuen aus Lippstadt nahezu allein herrschte. Die von<lb/>
ihm nach gutem deutschen Vorbild in Lima gegründeten Lebens- und sonstigen<lb/>
Versicherungsgesellschaften gehen schweren Zeiten entgegen. Die Dcmkees, denen</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0599] „Amerika den Amerikanern" zwangsweisen Abdankung Alfaros und dem jähen Ende seines Nachfolgers ist aus das Konto der Jankees zu setzen. Wird der seit dem 1. September regierende General Plaza, auf den das Land mit Recht große Hoffnungen setzt, die Macht haben, sich dem allzu stürmischen Werben der Uankees auf die Dauer entgegenzustemmen? An Konzessionen sür Eisenbahnen, Ländereien, Gummi¬ ausbeutung usw. sehlt es nicht. Und Ecuador braucht Geld, um seine zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen, um vor allem Guanaquil zu einem gesunden modernen Hafen auszubauen. Die amerikanischen Ingenieure und Ärzte haben in Havanna und am Panamakanal in dieser Hinsicht Vor¬ bildliches geschaffen. Es wird ihnen ein Leichtes sein, Gleiches am Guayas zu erreichen. Aber wenn das Bankhaus Speyer das Geld dazu gibt, werden die Ecuato- rianer böse bluten müssen, und die Europäer werden das Nachsehen haben. Und das gerade in dem Lande, von dem Humboldt einst gesagt hat, daß es alle Vorzüge und Reichtümer der gemäßigten Zonen und der Tropen in sich vereinigt. Einst¬ weilen sind die Deutschen und Engländer am Außenhandel Ecuadors, von der Einfuhr für die Aankeebahn abgesehen, annähernd ebenso interessiert wie die U. S. A. Aber lange wird dieser Zustand auch nicht mehr andauern. Wie fast alle Jnkaschätze nach und nach in die fünfte Avenue gewandert sind, so haben nordamerikanische Firmen in den letzten Jahren auch die meisten und bedeutendsten Minen und Minenkonzessionen an sich gebracht und die europäischen Unternehmungen zurückgedrängt. Als ich vor sieben Jahren zum erstenmal in Lima weilte, waren noch eine ganze Reihe peruanischer Minen und Minenkonzessionen in europäischen, auch deutschen Händen. Heute ist die Lerro all paseo NininZ Lo., die in New Uork ihr Zentralbureau hat, nahezu Alleinherrscherin. In weitem Abstand folgt eine englische Gesellschaft, und noch viele Stufen tiefer auf der Leiter ein Peruaner, dessen Wiege im sonnigen Italien stand, und dann nur viele kleine tutti amandi. Mußte das sein? man frage in der Behrenstraße an. Der frühere Leiter der in Peru glänzend eingeführten Vanco ^terram IransatwntiLo, der jetzt in Rio wieder mit seinem diplomatischen Freund und Gönner, dem klugen und geschäftsgewandten Hamburger Kaufmannssohn, zu¬ sammenarbeitet, trägt sicher nicht die Schuld daran. Ebensowenig wie sein getreuer Berater, Don Frederico Hilbek, der König von Piura. Auch ihm machen die Dankes jetzt bösen Wettbewerb. Das Weltbaus V/. Qracö 6 Lo., das vor fünfzig Jahren von einem Engländer in Callao gegründet, heute seinen Zentralsitz am Hannover-Square, nicht weit von Wallstreet hat, breitet sich in den letzten Jahren mit unwiderstehlicher Gewalt aus. Nicht nur in den südlichen Provinzen des Jnkalandes, in Arequipa und Cusco, hat es seine Filialen errichtet, auch in Palla und Piura, wo früher Don Frederico mit seinen Getreuen aus Lippstadt nahezu allein herrschte. Die von ihm nach gutem deutschen Vorbild in Lima gegründeten Lebens- und sonstigen Versicherungsgesellschaften gehen schweren Zeiten entgegen. Die Dcmkees, denen

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) Bremen: Bereitstellung der Texttranskription.
Kay-Michael Würzner: Bearbeitung der digitalen Edition.

Weitere Informationen:

Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.

Bogensignaturen: gekennzeichnet;Druckfehler: ignoriert;fremdsprachliches Material: nicht gekennzeichnet;Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage;Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht ausgezeichnet;i/j in Fraktur: wie Vorlage;I/J in Fraktur: wie Vorlage;Kolumnentitel: gekennzeichnet;Kustoden: gekennzeichnet;langes s (ſ): als s transkribiert;Normalisierungen: stillschweigend;rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert;Seitenumbrüche markiert: ja;Silbentrennung: wie Vorlage;u/v bzw. U/V: wie Vorlage;Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert;Vollständigkeit: vollständig erfasst;Zeichensetzung: wie Vorlage;Zeilenumbrüche markiert: ja;

Nachkorrektur erfolgte automatisch.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341895_321746
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341895_321746/599
Zitationshilfe: Die Grenzboten. Jg. 71, 1912, Drittes Vierteljahr, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341895_321746/599>, abgerufen am 22.07.2024.