Die Grenzboten. Jg. 47, 1888, Viertes Vierteljahr.![]() Die Gebietsentwicklung der Ginzelstaaten Deutschlands. v R. pape. on (Schluß.) MMick wichtiger als die angeführten Gründe war die eigentüm¬ ![]() Die Gebietsentwicklung der Ginzelstaaten Deutschlands. v R. pape. on (Schluß.) MMick wichtiger als die angeführten Gründe war die eigentüm¬ <TEI> <text> <body> <div> <div n="1"> <pb facs="#f0221" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/203656"/> <figure facs="http://media.dwds.de/dta/images/grenzboten_341847_203434/figures/grenzboten_341847_203434_203656_000.jpg"/><lb/> </div> <div n="1"> <head> Die Gebietsentwicklung der Ginzelstaaten Deutschlands.<lb/> v<note type="byline"> R. pape.</note> on (Schluß.) </head><lb/> <p xml:id="ID_518" next="#ID_519"> MMick wichtiger als die angeführten Gründe war die eigentüm¬<lb/> liche geographische Lage der durch ganz Süddeutschland ver¬<lb/> teilten österreichischen Lande. Erst wenn man sich davon ein klares<lb/> Bild macht, was allerdings bei der gewaltigen Umwälzung des<lb/> Besitzstandes der Einzelstaaten im Südwesten des Reiches, die<lb/> zu den Zeiten Napoleons sich vollzogen hat, nicht ganz leicht ist, begreift man<lb/> vollständig das ungeheure Übergewicht, welches Osterreich dort besaß. Seine<lb/> Besitzungen am Oberrhein, die man unter dem gemeinsamen Namen Breisgau<lb/> zusammenfaßte, bestehend aus dem untern Lande oder dem eigentlichen Breis¬<lb/> gau, mit der Hauptstadt Freiburg, mit Breisach und andern Plätzen, und dem<lb/> obern Rheinviertel, wozu z. B. die vier Waldstädte am Rhein, Laufenburg,<lb/> Rheinfelden, Säckingen und Waldshut gehörten, gewährten ihm zwar einer Gro߬<lb/> macht wie Frankreich gegenüber eine ziemlich schwere, unsichere und gefährdete<lb/> Stellung, aber die um- und anliegenden Kleinstaaten im Westen wurden durch<lb/> sie militärisch und damit auch politisch vollkommen beherrscht; noch mehr war<lb/> dies der Fall, als auch die Landvogtei Ortenau, ein altes österreichisches Lehen,<lb/> nach dem Aussterben des baden-badenschen Manncsstammes (1771) an ihren<lb/> Oberlehnsherrn zurückfiel. Eine Reihe von Habsburgischen Gebieten im Süden<lb/> des Reiches, meist am Bodensee, an dem „schwäbischen Meere" gelegen, stellte eine<lb/> Verbindung, wenn auch keine ganz fest geschlossene, mit den Kernlanden der öster¬<lb/> reichischen Macht her, nämlich die Landgrafschaft Nellenburg, die Städte Kon¬<lb/> stanz und Nadolfszell, die obere und untere Landvogtei in Schwaben, auch wohl<lb/> genannt die kaiserliche und Neichsvogtei Ravensburg und Altorff, die Graf¬<lb/> schaft Hoheneck und Vorarlberg, von denen das letztere jetzt zu dem anstoßenden<lb/> Tirol geschlagen ist. Eine große Anzahl von größern und kleinern Besitzungen<lb/> inmitten des schwäbischen Neichskreises gaben dieser beherrschenden Stellung Öster¬<lb/> reichs im Süden und Westen des Reiches weitere Festigkeit; die wichtigsten darunter<lb/> waren die obere und die niedere Grafschaft Hohenberg, die sogenannten fünf Donau¬<lb/> städte und die Markgrafschaft Burgau. Diese Lande gewährten dem Kaiser aber<lb/> nicht bloß einen ausschlaggebenden Einfluß in jenem Teile des Reiches, sondern<lb/> legten ihm auch lästige Verpflichtungen auf, namentlich die Wacht gegen Frank-</p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0221]
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Die Gebietsentwicklung der Ginzelstaaten Deutschlands.
v R. pape. on (Schluß.)
MMick wichtiger als die angeführten Gründe war die eigentüm¬
liche geographische Lage der durch ganz Süddeutschland ver¬
teilten österreichischen Lande. Erst wenn man sich davon ein klares
Bild macht, was allerdings bei der gewaltigen Umwälzung des
Besitzstandes der Einzelstaaten im Südwesten des Reiches, die
zu den Zeiten Napoleons sich vollzogen hat, nicht ganz leicht ist, begreift man
vollständig das ungeheure Übergewicht, welches Osterreich dort besaß. Seine
Besitzungen am Oberrhein, die man unter dem gemeinsamen Namen Breisgau
zusammenfaßte, bestehend aus dem untern Lande oder dem eigentlichen Breis¬
gau, mit der Hauptstadt Freiburg, mit Breisach und andern Plätzen, und dem
obern Rheinviertel, wozu z. B. die vier Waldstädte am Rhein, Laufenburg,
Rheinfelden, Säckingen und Waldshut gehörten, gewährten ihm zwar einer Gro߬
macht wie Frankreich gegenüber eine ziemlich schwere, unsichere und gefährdete
Stellung, aber die um- und anliegenden Kleinstaaten im Westen wurden durch
sie militärisch und damit auch politisch vollkommen beherrscht; noch mehr war
dies der Fall, als auch die Landvogtei Ortenau, ein altes österreichisches Lehen,
nach dem Aussterben des baden-badenschen Manncsstammes (1771) an ihren
Oberlehnsherrn zurückfiel. Eine Reihe von Habsburgischen Gebieten im Süden
des Reiches, meist am Bodensee, an dem „schwäbischen Meere" gelegen, stellte eine
Verbindung, wenn auch keine ganz fest geschlossene, mit den Kernlanden der öster¬
reichischen Macht her, nämlich die Landgrafschaft Nellenburg, die Städte Kon¬
stanz und Nadolfszell, die obere und untere Landvogtei in Schwaben, auch wohl
genannt die kaiserliche und Neichsvogtei Ravensburg und Altorff, die Graf¬
schaft Hoheneck und Vorarlberg, von denen das letztere jetzt zu dem anstoßenden
Tirol geschlagen ist. Eine große Anzahl von größern und kleinern Besitzungen
inmitten des schwäbischen Neichskreises gaben dieser beherrschenden Stellung Öster¬
reichs im Süden und Westen des Reiches weitere Festigkeit; die wichtigsten darunter
waren die obere und die niedere Grafschaft Hohenberg, die sogenannten fünf Donau¬
städte und die Markgrafschaft Burgau. Diese Lande gewährten dem Kaiser aber
nicht bloß einen ausschlaggebenden Einfluß in jenem Teile des Reiches, sondern
legten ihm auch lästige Verpflichtungen auf, namentlich die Wacht gegen Frank-
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