Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Geusau, Anton von: Reise Herrn Heinrich d. XI. durch Teutschland Franckr. u. Italien, [1740–1742].

Bild:
<< vorherige Seite

dieses zu loben, daß man durch aufgerichtete magazine
das Brodt in der Stadt beständig in einem Preise er-
halten kan. Im übrigen lieget der Feldbau und
das Commercium wenigstens in der Gegend um Rom
fast völlig danieder, und ist die Dataria noch das
eintzige Haupt=Mittel, welches aus denen ubrigen
Theilen der Christenheit Geld ins Land bringet. Die
Camera Apostolica hat, wie wir von guter Hand
wißen, 56 Millionen Scudi Schulden, welche grösten-
theils von dem nepotismo derer vorigen Päbste her-
rühren. Der ietzige Pabst soll die weltlichen Regierungs
Sachen gar nicht verstehen, weil er sich immer nur
auf ecclesiastica geleget, und niemals in Nunciatu-
ren und Staats-Geschäfften gebraucht worden. Da
auch ohne dies die Päbste oft abwechseln, und mit
einem ieden Pabst neue Ministres und Factiones
aufkommen, so ist eine remedui solcher Landes-Ge-
brechen um so weniger zu hoffen, zumal die
unglaubliche Menge der Geistlichen, Mönche und
Nonnen dem Lande die nöthigen Haus-Väter und
Haus-Mütter, folgl: auch die Arbeiter entziehet. Doch
sowohl das Landes-Fürstle als das Kirchle Regiment
des Pabsts sind solche materien, die nicht nur gantze
Bücher, sondern auch gantz andre Schreiber als wir
sind, erfordern. Um also weder die Grentzen eines
journals, noch das Maaß unsrer Kräffte zu über-
schreiten, laßen wir es hierbey bewenden, und
schließen damit die Römischen Nachrichten.

dieses zu loben, daß man durch aufgerichtete magazine
das Brodt in der Stadt beständig in einem Preise er-
halten kan. Im übrigen lieget der Feldbau und
das Commercium wenigstens in der Gegend um Rom
fast völlig danieder, und ist die Dataria noch das
eintzige Haupt=Mittel, welches aus denen ubrigen
Theilen der Christenheit Geld ins Land bringet. Die
Camera Apostolica hat, wie wir von guter Hand
wißen, 56 Millionen Scudi Schulden, welche grösten-
theils von dem nepotismo derer vorigen Päbste her-
rühren. Der ietzige Pabst soll die weltlichen Regierungs
Sachen gar nicht verstehen, weil er sich immer nur
auf ecclesiastica geleget, und niemals in Nunciatu-
ren und Staats-Geschäfften gebraucht worden. Da
auch ohne dies die Päbste oft abwechseln, und mit
einem ieden Pabst neue Ministres und Factiones
aufkommen, so ist eine remedui solcher Landes-Ge-
brechen um so weniger zu hoffen, zumal die
unglaubliche Menge der Geistlichen, Mönche und
Nonnen dem Lande die nöthigen Haus-Väter und
Haus-Mütter, folgl: auch die Arbeiter entziehet. Doch
sowohl das Landes-Fürstle als das Kirchle Regiment
des Pabsts sind solche materien, die nicht nur gantze
Bücher, sondern auch gantz andre Schreiber als wir
sind, erfordern. Um also weder die Grentzen eines
journals, noch das Maaß unsrer Kräffte zu über-
schreiten, laßen wir es hierbey bewenden, und
schließen damit die Römischen Nachrichten.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter">
        <div type="diaryEntry">
          <p><pb facs="#f0729"/>
dieses zu loben, daß man durch aufgerichtete magazine<lb/>
das Brodt in der Stadt beständig in einem Preise er-<lb/>
halten kan. Im übrigen lieget der Feldbau und<lb/>
das Commercium wenigstens in der Gegend um Rom<lb/>
fast völlig danieder, und ist die Dataria noch das<lb/>
eintzige Haupt=Mittel, welches aus denen ubrigen<lb/>
Theilen der Christenheit Geld ins Land bringet. Die<lb/>
Camera Apostolica hat, wie wir von guter Hand<lb/>
wißen, 56 Millionen Scudi Schulden, welche grösten-<lb/>
theils von dem nepotismo derer vorigen Päbste her-<lb/>
rühren. Der ietzige Pabst soll die weltlichen Regierungs<lb/>
Sachen gar nicht verstehen, weil er sich immer nur<lb/>
auf ecclesiastica geleget, und niemals in Nunciatu-<lb/>
ren und Staats-Geschäfften gebraucht worden. Da<lb/>
auch ohne dies die Päbste oft abwechseln, und mit<lb/>
einem ieden Pabst neue Ministres und Factiones<lb/>
aufkommen, so ist eine remedui solcher Landes-Ge-<lb/>
brechen um so weniger zu hoffen, zumal die<lb/>
unglaubliche Menge der Geistlichen, Mönche und<lb/>
Nonnen dem Lande die nöthigen Haus-Väter und<lb/>
Haus-Mütter, folgl: auch die Arbeiter entziehet. Doch<lb/>
sowohl das Landes-Fürstl<hi rendition="#sup"><hi rendition="#u">e</hi></hi> als das Kirchl<hi rendition="#sup"><hi rendition="#u">e</hi></hi> Regiment<lb/>
des Pabsts sind solche materien, die nicht nur gantze<lb/>
Bücher, sondern auch gantz andre Schreiber als wir<lb/>
sind, erfordern. Um also weder die Grentzen eines<lb/>
journals, noch das Maaß unsrer Kräffte zu über-<lb/>
schreiten, laßen wir es hierbey bewenden, und<lb/>
schließen damit die Römischen Nachrichten.</p><lb/>
        </div>
      </div>
      <div type="letter">
</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0729] dieses zu loben, daß man durch aufgerichtete magazine das Brodt in der Stadt beständig in einem Preise er- halten kan. Im übrigen lieget der Feldbau und das Commercium wenigstens in der Gegend um Rom fast völlig danieder, und ist die Dataria noch das eintzige Haupt=Mittel, welches aus denen ubrigen Theilen der Christenheit Geld ins Land bringet. Die Camera Apostolica hat, wie wir von guter Hand wißen, 56 Millionen Scudi Schulden, welche grösten- theils von dem nepotismo derer vorigen Päbste her- rühren. Der ietzige Pabst soll die weltlichen Regierungs Sachen gar nicht verstehen, weil er sich immer nur auf ecclesiastica geleget, und niemals in Nunciatu- ren und Staats-Geschäfften gebraucht worden. Da auch ohne dies die Päbste oft abwechseln, und mit einem ieden Pabst neue Ministres und Factiones aufkommen, so ist eine remedui solcher Landes-Ge- brechen um so weniger zu hoffen, zumal die unglaubliche Menge der Geistlichen, Mönche und Nonnen dem Lande die nöthigen Haus-Väter und Haus-Mütter, folgl: auch die Arbeiter entziehet. Doch sowohl das Landes-Fürstle als das Kirchle Regiment des Pabsts sind solche materien, die nicht nur gantze Bücher, sondern auch gantz andre Schreiber als wir sind, erfordern. Um also weder die Grentzen eines journals, noch das Maaß unsrer Kräffte zu über- schreiten, laßen wir es hierbey bewenden, und schließen damit die Römischen Nachrichten.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Paul Beckus, Marita Gruner, Thomas Grunewald, Sabrina Mögelin, Martin Prell: Herausgeber:innen
Paul Beckus, Marita Gruner, Thomas Grunewald, Sabrina Mögelin, Martin Prell: Bearbeiter:innen
Martin Prell: Datentransformation
Saskia Jungmann, Nikolas Schröder, Andreas Lewen: Mitarbeit
Thüringer Staatskanzlei: Projektförderer
Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena: Bilddigitalisierung von Editionsvorlage und deren Abschrift sowie Bereitstellung der Digitalisate

Weitere Informationen:

Das Endendum der vorliegenden Edition bildet das Tagebuch zur Kavalierstour des pietistischen Grafen Heinrich XI. Reuß zu Obergreiz (1722-1800) durch das Heilige Römische Reich deutscher Nation, Frankreich, die Schweiz, Italien und Österreich in den Jahren 1740–1742. Es besteht aus 443 Tagebucheinträgen auf 784 Seiten, die in 71 Briefen in die Heimat übersandt wurden. Verfasser des Tagebuchs ist der Köstritzer Hofmeister Anton von Geusau (1695–1749). Im Tagebuch bietet dieser nicht nur Einblicke in die international vernetzte Welt des Hochadels, sondern überliefert auch tiefgehende Einblicke in die wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und politischen Entwicklungen in den besuchten Ländern. Dies ist vor allem für die im politischen System Europas stattfindenden Veränderungen relevant. So führte der Aufstieg Preußens zur Großmacht zu einer Neuordnung des europäischen Mächtesystems. In die Zeit seiner Kavalierstour fallen beispielsweise der Tod des Römisch-Deutschen Kaisers Karl VI. (1685–1740) und der sich daran anschließende Österreichische Erbfolgekrieg mit seinen Auswirkungen auf das europäische Mächtesystem. Besonders aufschlussreich sind die zahlreichen wiedergegebenen Gespräche zwischen den Reisenden und anderen Adligen, Geistlichen und Gelehrten zumeist katholischer Provenienz. Diese ermöglichen vielfältige Einblicke in die Gedanken- und Vorstellungswelt des Verfassers, seiner Mitreisenden und Gesprächspartner. Hieran werden Kontaktzonen für interkonfessionellen Austausch, aber auch Grenzen des Sag- oder Machbaren deutlich: Heinrich XI. und von Geusau waren pietistisch-fromme Lutheraner, die die auf der Reise gemachten Erfahrungen vor ihrem konfessionellen Erfahrungshintergrund spiegelten, werteten und einordneten

Die Edition wurde zunächst mit Hilfe der virtuellen Forschungsumgebung FuD erstellt, die im Rahmen des Projektes Editionenportal Thüringen an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) implementiert wurde. Nach Einstellung dieses Infrastrukturprojekts fand eine Transformation des FuD-XML in das DTABf im Rahmen eines FAIR-Data-Stipendiums der NFDI4Memory statt. Die Digitalisierung des originalen Brieftagebuchs und einer zeitgenössischen Abschrift erfolgte über die ThULB. Die vorliegende Edition umfasst eine vorlagennahe und zeilengenaue Umschrift der kurrenten Handschrift in moderne lateinische Buchstaben. Eine gründliche Ersttranskription ist erfolgt; eine abschließende Kollationierung steht noch aus. Die XML-Daten umfassen zum gegenwärtigen Zeitpunkt zudem eine grundständige Strukturkodierung (Briefe, Tagebucheinträge, Kopfzeilen, Absätze, Seiten- und Zeilenwechsel) und eine TEI-konforme Auszeichnung grundlegender formal-textkritischer Phänomene (Hervorhebungen, Autorkorrekturen, editorische Konjekturen, Unlesbarkeiten, Abkürzungen mit Auflösungen). Abweichungen der zeitgenössische Abschrift vom originalen Autographen wurden bis dato nicht erfasst. Topographische Informationen der Autorkorrekturen wurden erfasst. Einrückungen am Zeilenbeginn und innerhalb von Zeilen wurden nicht wiedergegeben. Horizontale Leerräume wurden nicht genau, sondern als einfache Leerzeilen wiedergegeben. Für bisher 49 der insgesamt 71 Briefe wurden zudem die darin erwähnten inhaltlich-semantischen Entitäten (Personen/Körperschaften, Gruppen, Geografika, Ereignisse und Objekte (z.B. Bücher, Gebäude, Statuen, Karten, Gemälde etc.)) kodiert und unter Nutzung von GND-Verweisen identifiziert. Ein entsprechendes Register finden Sie auf Github, dort sind auch sämtliche Daten der Edition zu diesem Werk publiziert.

Bogensignaturen: keine Angabe; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: nicht markiert; Geminations-/Abkürzungsstriche: mnarkiert, expandiert; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht markiert; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: keine Angabe; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine; rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: wie Vorlage; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: DTABf-getreu; Zeilenumbrüche markiert: ja;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/geusau_reisetagebuchHeinrichxiReuss_1740
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/geusau_reisetagebuchHeinrichxiReuss_1740/729
Zitationshilfe: Geusau, Anton von: Reise Herrn Heinrich d. XI. durch Teutschland Franckr. u. Italien, [1740–1742], S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/geusau_reisetagebuchHeinrichxiReuss_1740/729>, abgerufen am 14.08.2024.