Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 4. Leipzig, 1798.
Bey diesem Maaße der Zeit legen wir den Begrif von gleichförmigem Fortgange zum Grunde, d. i. von Wirkungen, die unaufhörlich mit durchaus gleicher Stärke fortdauern, wie jede gleichförmige Bewegung, oder wie das Auslaufen des Sandes durch eine Oefnung, aus der in jedem Augenblicke gleich viel Sand fällt, u. dgl. Solche Wirkungen bringen Summen hervor, welche in eben dem Verhältnisse wachsen, wie der Zeitraum, durch den die Wirkungen fortgedauert haben. Wir schließen also, es sey doppelt so viel Zeit verflossen, als ein andermal, wenn während derselben ein Körper, der sich immer gleichförmig oder gleich stark bewegt, doppelt so viel Raum zurückgelegt hat, oder wenn aus einer Sanduhr doppelt so viel Sand ausgelaufen ist u. s. w. Die Natur selbst gewährt uns ein beständiges immer gleichförmiges Zeitmaaß in der täglichen Umdrehung der Erdkugel, oder, was eben so viel ist, in der hieraus entstehenden scheinbaren Bewegung der Fixsterne, s. Sternzeit. Durch die Dauer oder den Zeitraum einer solchen Umdrehung wird der Sterntag mit seinen Theilen, den Stunden, Minuten, Secunden, Tertien rc. der Sternzeit bestimmt. Alle Zeiträume lassen sich in solchen Theilen, als Einheiten, ausdrücken, und auf diese Art leicht unter einander selbst vergleichen. Die Kunst verschaft uns Werkzeuge, welche unausgesetzt eine immer gleichförmige Bewegung unterhalten, und von selbst die Räume zählen, durch welche diese Bewegung von einem Zeitpunkte zum andern fortgeht. Solche Werkzeuge führen den Namen der Uhren. Eine gewisse bestimmte Größe im Fortgange des Zeigers der Uhr, heißt eine Stunde der Uhr, ihr 60ster Theil eine Minute, deren 60ster Theil eine Secunde u. s. w. Dadurch werden für jede gleichförmig gehende Uhr Theile der Uhrzeit bestimmt,
Bey dieſem Maaße der Zeit legen wir den Begrif von gleichfoͤrmigem Fortgange zum Grunde, d. i. von Wirkungen, die unaufhoͤrlich mit durchaus gleicher Staͤrke fortdauern, wie jede gleichfoͤrmige Bewegung, oder wie das Auslaufen des Sandes durch eine Oefnung, aus der in jedem Augenblicke gleich viel Sand faͤllt, u. dgl. Solche Wirkungen bringen Summen hervor, welche in eben dem Verhaͤltniſſe wachſen, wie der Zeitraum, durch den die Wirkungen fortgedauert haben. Wir ſchließen alſo, es ſey doppelt ſo viel Zeit verfloſſen, als ein andermal, wenn waͤhrend derſelben ein Koͤrper, der ſich immer gleichfoͤrmig oder gleich ſtark bewegt, doppelt ſo viel Raum zuruͤckgelegt hat, oder wenn aus einer Sanduhr doppelt ſo viel Sand ausgelaufen iſt u. ſ. w. Die Natur ſelbſt gewaͤhrt uns ein beſtaͤndiges immer gleichfoͤrmiges Zeitmaaß in der taͤglichen Umdrehung der Erdkugel, oder, was eben ſo viel iſt, in der hieraus entſtehenden ſcheinbaren Bewegung der Fixſterne, ſ. Sternzeit. Durch die Dauer oder den Zeitraum einer ſolchen Umdrehung wird der Sterntag mit ſeinen Theilen, den Stunden, Minuten, Secunden, Tertien rc. der Sternzeit beſtimmt. Alle Zeitraͤume laſſen ſich in ſolchen Theilen, als Einheiten, ausdruͤcken, und auf dieſe Art leicht unter einander ſelbſt vergleichen. Die Kunſt verſchaft uns Werkzeuge, welche unausgeſetzt eine immer gleichfoͤrmige Bewegung unterhalten, und von ſelbſt die Raͤume zaͤhlen, durch welche dieſe Bewegung von einem Zeitpunkte zum andern fortgeht. Solche Werkzeuge fuͤhren den Namen der Uhren. Eine gewiſſe beſtimmte Groͤße im Fortgange des Zeigers der Uhr, heißt eine Stunde der Uhr, ihr 60ſter Theil eine Minute, deren 60ſter Theil eine Secunde u. ſ. w. Dadurch werden fuͤr jede gleichfoͤrmig gehende Uhr Theile der Uhrzeit beſtimmt, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0860" xml:id="P.4.850" n="850"/><lb/> zum Untergange der Sonne groͤßer, als er vom Aufgange bis zum Mittage ſey, und daß ſich jener zu dieſem, wie 2 zu 1, verhalte. Dies erklaͤrt, wie ſich die Zeitraͤume meſſen laſſen, oder wie es moͤglich werde, einen derſelben mit einem andern bekannten zu vergleichen.</p> <p>Bey dieſem Maaße der Zeit legen wir den Begrif von <hi rendition="#b">gleichfoͤrmigem Fortgange</hi> zum Grunde, d. i. von Wirkungen, die unaufhoͤrlich mit durchaus gleicher Staͤrke fortdauern, wie jede gleichfoͤrmige Bewegung, oder wie das Auslaufen des Sandes durch eine Oefnung, aus der in jedem Augenblicke gleich viel Sand faͤllt, u. dgl. Solche Wirkungen bringen Summen hervor, welche in eben dem Verhaͤltniſſe wachſen, wie der Zeitraum, durch den die Wirkungen fortgedauert haben. Wir ſchließen alſo, es ſey doppelt ſo viel Zeit verfloſſen, als ein andermal, wenn waͤhrend derſelben ein Koͤrper, der ſich immer gleichfoͤrmig oder gleich ſtark bewegt, doppelt ſo viel Raum zuruͤckgelegt hat, oder wenn aus einer Sanduhr doppelt ſo viel Sand ausgelaufen iſt u. ſ. w.</p> <p>Die Natur ſelbſt gewaͤhrt uns ein beſtaͤndiges immer gleichfoͤrmiges Zeitmaaß in der taͤglichen Umdrehung der Erdkugel, oder, was eben ſo viel iſt, in der hieraus entſtehenden ſcheinbaren Bewegung der Fixſterne, <hi rendition="#b">ſ. Sternzeit.</hi> Durch die Dauer oder den Zeitraum einer ſolchen Umdrehung wird der Sterntag mit ſeinen Theilen, den Stunden, Minuten, Secunden, Tertien rc. der Sternzeit beſtimmt. Alle Zeitraͤume laſſen ſich in ſolchen Theilen, als Einheiten, ausdruͤcken, und auf dieſe Art leicht unter einander ſelbſt vergleichen.</p> <p>Die Kunſt verſchaft uns Werkzeuge, welche unausgeſetzt eine immer gleichfoͤrmige Bewegung unterhalten, und von ſelbſt die Raͤume zaͤhlen, durch welche dieſe Bewegung von einem Zeitpunkte zum andern fortgeht. Solche Werkzeuge fuͤhren den Namen der <hi rendition="#b">Uhren.</hi> Eine gewiſſe beſtimmte Groͤße im Fortgange des Zeigers der Uhr, heißt eine <hi rendition="#b">Stunde der Uhr,</hi> ihr 60ſter Theil eine Minute, deren 60ſter Theil eine Secunde u. ſ. w. Dadurch werden fuͤr jede gleichfoͤrmig gehende Uhr Theile der <hi rendition="#b">Uhrzeit</hi> beſtimmt,<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [850/0860]
zum Untergange der Sonne groͤßer, als er vom Aufgange bis zum Mittage ſey, und daß ſich jener zu dieſem, wie 2 zu 1, verhalte. Dies erklaͤrt, wie ſich die Zeitraͤume meſſen laſſen, oder wie es moͤglich werde, einen derſelben mit einem andern bekannten zu vergleichen.
Bey dieſem Maaße der Zeit legen wir den Begrif von gleichfoͤrmigem Fortgange zum Grunde, d. i. von Wirkungen, die unaufhoͤrlich mit durchaus gleicher Staͤrke fortdauern, wie jede gleichfoͤrmige Bewegung, oder wie das Auslaufen des Sandes durch eine Oefnung, aus der in jedem Augenblicke gleich viel Sand faͤllt, u. dgl. Solche Wirkungen bringen Summen hervor, welche in eben dem Verhaͤltniſſe wachſen, wie der Zeitraum, durch den die Wirkungen fortgedauert haben. Wir ſchließen alſo, es ſey doppelt ſo viel Zeit verfloſſen, als ein andermal, wenn waͤhrend derſelben ein Koͤrper, der ſich immer gleichfoͤrmig oder gleich ſtark bewegt, doppelt ſo viel Raum zuruͤckgelegt hat, oder wenn aus einer Sanduhr doppelt ſo viel Sand ausgelaufen iſt u. ſ. w.
Die Natur ſelbſt gewaͤhrt uns ein beſtaͤndiges immer gleichfoͤrmiges Zeitmaaß in der taͤglichen Umdrehung der Erdkugel, oder, was eben ſo viel iſt, in der hieraus entſtehenden ſcheinbaren Bewegung der Fixſterne, ſ. Sternzeit. Durch die Dauer oder den Zeitraum einer ſolchen Umdrehung wird der Sterntag mit ſeinen Theilen, den Stunden, Minuten, Secunden, Tertien rc. der Sternzeit beſtimmt. Alle Zeitraͤume laſſen ſich in ſolchen Theilen, als Einheiten, ausdruͤcken, und auf dieſe Art leicht unter einander ſelbſt vergleichen.
Die Kunſt verſchaft uns Werkzeuge, welche unausgeſetzt eine immer gleichfoͤrmige Bewegung unterhalten, und von ſelbſt die Raͤume zaͤhlen, durch welche dieſe Bewegung von einem Zeitpunkte zum andern fortgeht. Solche Werkzeuge fuͤhren den Namen der Uhren. Eine gewiſſe beſtimmte Groͤße im Fortgange des Zeigers der Uhr, heißt eine Stunde der Uhr, ihr 60ſter Theil eine Minute, deren 60ſter Theil eine Secunde u. ſ. w. Dadurch werden fuͤr jede gleichfoͤrmig gehende Uhr Theile der Uhrzeit beſtimmt,
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