Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 1. Leipzig, 1798.
Brechung der Lichtstralen, Stralenbrechung, Refractio radiorum lucis, Refraction de la lumiere. Die Ablenkung der Lichtstralen von ihrer vorigen Richtung, wen sie aus einem durchsichtigen Körper in einen andern von einer unterschiedenen Dichtigkeit übergehen. So verläst (Taf. I. Fig. 13.) der Lichtstral SC, wenn er aus der Luft in den gläsernen Würfel CF übergeht, seine vorige Richtung SCL, und nimmt innerhalb des Glases den Weg CK. Gienge es bey K aus dem Glase wieder in die Luft über, so würde er aufs neue die Richtung CK verlassen, und nach einer andern Linie in der Luft fortgehen. Auf dieser allgemeinen Eigenschaft des Lichts beruhen alle Phänomene des Sehens durch durchsichtige Mittel, z. B. durch Gläser, durch Liquoren, durch die Luft der Atmosphäre u. s. w., und die Wissenschaft, in welcher diese Erscheinungen aus dem Gesetze der Stralenbrechung hergeleitet werden, heißt die Dioptrik. Der Name Brechung ([fremdsprachliches Material] ) mag ohne Zweifel daher entstanden seyn, weil ein schief ins Wasser gehaltner Stab, oder ein Ruder, durch die Wirkung der Stralenbrechung gleichsam zerbrochen erscheint. Der ins Wasser gesenkte Theil scheint eine andere Linie zu machen, als der außer dem Wasser befindliche. Wenigstens ist dieses Phänomen der Brechung eines der ältesten, die man wahrgenommen hat, und wird schon von Aristoteles in seinen Aufgaben erwähnt. Um die Größe der Brechung, und das Gesetz, nach welchem sie sich richtet, gehörig bestimmen zu können, stellt man sich (Taf. I. Fig. 13.) an dem Einfallspunkte C, wo der einfallende Stral (radius incidens) die brechende Fläche EBCD trift, eine auf diese Fläche lothrecht stehende Linie RCH vor. Diese Linie heißt das Einfallsloth oder Neigungsloth (cathetus incidentiae), der Winkel, den der einfallende Stral mit ihr macht, SCR=LCH, der Einfallswinkel, Neigungswinkel (angulus incidantiae),
Brechung der Lichtſtralen, Stralenbrechung, Refractio radiorum lucis, Refraction de la lumière. Die Ablenkung der Lichtſtralen von ihrer vorigen Richtung, wen ſie aus einem durchſichtigen Koͤrper in einen andern von einer unterſchiedenen Dichtigkeit uͤbergehen. So verlaͤſt (Taf. I. Fig. 13.) der Lichtſtral SC, wenn er aus der Luft in den glaͤſernen Wuͤrfel CF uͤbergeht, ſeine vorige Richtung SCL, und nimmt innerhalb des Glaſes den Weg CK. Gienge es bey K aus dem Glaſe wieder in die Luft uͤber, ſo wuͤrde er aufs neue die Richtung CK verlaſſen, und nach einer andern Linie in der Luft fortgehen. Auf dieſer allgemeinen Eigenſchaft des Lichts beruhen alle Phaͤnomene des Sehens durch durchſichtige Mittel, z. B. durch Glaͤſer, durch Liquoren, durch die Luft der Atmoſphaͤre u. ſ. w., und die Wiſſenſchaft, in welcher dieſe Erſcheinungen aus dem Geſetze der Stralenbrechung hergeleitet werden, heißt die Dioptrik. Der Name Brechung ([fremdsprachliches Material] ) mag ohne Zweifel daher entſtanden ſeyn, weil ein ſchief ins Waſſer gehaltner Stab, oder ein Ruder, durch die Wirkung der Stralenbrechung gleichſam zerbrochen erſcheint. Der ins Waſſer geſenkte Theil ſcheint eine andere Linie zu machen, als der außer dem Waſſer befindliche. Wenigſtens iſt dieſes Phaͤnomen der Brechung eines der aͤlteſten, die man wahrgenommen hat, und wird ſchon von Ariſtoteles in ſeinen Aufgaben erwaͤhnt. Um die Groͤße der Brechung, und das Geſetz, nach welchem ſie ſich richtet, gehoͤrig beſtimmen zu koͤnnen, ſtellt man ſich (Taf. I. Fig. 13.) an dem Einfallspunkte C, wo der einfallende Stral (radius incidens) die brechende Flaͤche EBCD trift, eine auf dieſe Flaͤche lothrecht ſtehende Linie RCH vor. Dieſe Linie heißt das Einfallsloth oder Neigungsloth (cathetus incidentiae), der Winkel, den der einfallende Stral mit ihr macht, SCR=LCH, der Einfallswinkel, Neigungswinkel (angulus incidantiae), <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0426" xml:id="P.1.412" n="412"/><lb/> Lichts nicht <hi rendition="#b">Widerſtand,</hi> ſondern, was dieſem gerade entgegengeſetzt iſt, <hi rendition="#b">Anziehung</hi> zur Urſache habe.</p> <p><hi rendition="#b">Brechung der Lichtſtralen, Stralenbrechung,</hi><hi rendition="#aq">Refractio radiorum lucis, <hi rendition="#i">Refraction de la lumière.</hi></hi> Die Ablenkung der Lichtſtralen von ihrer vorigen Richtung, wen ſie aus einem durchſichtigen Koͤrper in einen andern von einer unterſchiedenen Dichtigkeit uͤbergehen. So verlaͤſt (Taf. <hi rendition="#aq">I.</hi> Fig. 13.) der Lichtſtral <hi rendition="#aq">SC,</hi> wenn er aus der Luft in den glaͤſernen Wuͤrfel <hi rendition="#aq">CF</hi> uͤbergeht, ſeine vorige Richtung <hi rendition="#aq">SCL,</hi> und nimmt innerhalb des Glaſes den Weg <hi rendition="#aq">CK.</hi> Gienge es bey <hi rendition="#aq">K</hi> aus dem Glaſe wieder in die Luft uͤber, ſo wuͤrde er aufs neue die Richtung <hi rendition="#aq">CK</hi> verlaſſen, und nach einer andern Linie in der Luft fortgehen. Auf dieſer allgemeinen Eigenſchaft des Lichts beruhen alle Phaͤnomene des Sehens durch durchſichtige Mittel, z. B. durch Glaͤſer, durch Liquoren, durch die Luft der Atmoſphaͤre u. ſ. w., und die Wiſſenſchaft, in welcher dieſe Erſcheinungen aus dem Geſetze der Stralenbrechung hergeleitet werden, heißt die <hi rendition="#b">Dioptrik.</hi></p> <p>Der Name <hi rendition="#b">Brechung</hi> (<foreign xml:lang="grc"><gap reason="fm"/><note type="editorial">a)na/klasis</note></foreign>) mag ohne Zweifel daher entſtanden ſeyn, weil ein ſchief ins Waſſer gehaltner Stab, oder ein Ruder, durch die Wirkung der Stralenbrechung gleichſam <hi rendition="#b">zerbrochen</hi> erſcheint. Der ins Waſſer geſenkte Theil ſcheint eine andere Linie zu machen, als der außer dem Waſſer befindliche. Wenigſtens iſt dieſes Phaͤnomen der Brechung eines der aͤlteſten, die man wahrgenommen hat, und wird ſchon von <hi rendition="#b">Ariſtoteles</hi> in ſeinen Aufgaben erwaͤhnt.</p> <p>Um die Groͤße der Brechung, und das Geſetz, nach welchem ſie ſich richtet, gehoͤrig beſtimmen zu koͤnnen, ſtellt man ſich (Taf. <hi rendition="#aq">I.</hi> Fig. 13.) an dem <hi rendition="#b">Einfallspunkte</hi> <hi rendition="#aq">C,</hi> wo der <hi rendition="#b">einfallende Stral</hi> <hi rendition="#aq">(radius incidens)</hi> die brechende Flaͤche <hi rendition="#aq">EBCD</hi> trift, eine auf dieſe Flaͤche lothrecht ſtehende Linie <hi rendition="#aq">RCH</hi> vor. Dieſe Linie heißt das <hi rendition="#b">Einfallsloth</hi> oder <hi rendition="#b">Neigungsloth</hi> <hi rendition="#aq">(cathetus incidentiae),</hi> der Winkel, den der einfallende Stral mit ihr macht, <hi rendition="#aq">SCR=LCH,</hi> der <hi rendition="#b">Einfallswinkel, Neigungswinkel</hi> <hi rendition="#aq">(angulus incidantiae),</hi><lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [412/0426]
Lichts nicht Widerſtand, ſondern, was dieſem gerade entgegengeſetzt iſt, Anziehung zur Urſache habe.
Brechung der Lichtſtralen, Stralenbrechung, Refractio radiorum lucis, Refraction de la lumière. Die Ablenkung der Lichtſtralen von ihrer vorigen Richtung, wen ſie aus einem durchſichtigen Koͤrper in einen andern von einer unterſchiedenen Dichtigkeit uͤbergehen. So verlaͤſt (Taf. I. Fig. 13.) der Lichtſtral SC, wenn er aus der Luft in den glaͤſernen Wuͤrfel CF uͤbergeht, ſeine vorige Richtung SCL, und nimmt innerhalb des Glaſes den Weg CK. Gienge es bey K aus dem Glaſe wieder in die Luft uͤber, ſo wuͤrde er aufs neue die Richtung CK verlaſſen, und nach einer andern Linie in der Luft fortgehen. Auf dieſer allgemeinen Eigenſchaft des Lichts beruhen alle Phaͤnomene des Sehens durch durchſichtige Mittel, z. B. durch Glaͤſer, durch Liquoren, durch die Luft der Atmoſphaͤre u. ſ. w., und die Wiſſenſchaft, in welcher dieſe Erſcheinungen aus dem Geſetze der Stralenbrechung hergeleitet werden, heißt die Dioptrik.
Der Name Brechung (_ ) mag ohne Zweifel daher entſtanden ſeyn, weil ein ſchief ins Waſſer gehaltner Stab, oder ein Ruder, durch die Wirkung der Stralenbrechung gleichſam zerbrochen erſcheint. Der ins Waſſer geſenkte Theil ſcheint eine andere Linie zu machen, als der außer dem Waſſer befindliche. Wenigſtens iſt dieſes Phaͤnomen der Brechung eines der aͤlteſten, die man wahrgenommen hat, und wird ſchon von Ariſtoteles in ſeinen Aufgaben erwaͤhnt.
Um die Groͤße der Brechung, und das Geſetz, nach welchem ſie ſich richtet, gehoͤrig beſtimmen zu koͤnnen, ſtellt man ſich (Taf. I. Fig. 13.) an dem Einfallspunkte C, wo der einfallende Stral (radius incidens) die brechende Flaͤche EBCD trift, eine auf dieſe Flaͤche lothrecht ſtehende Linie RCH vor. Dieſe Linie heißt das Einfallsloth oder Neigungsloth (cathetus incidentiae), der Winkel, den der einfallende Stral mit ihr macht, SCR=LCH, der Einfallswinkel, Neigungswinkel (angulus incidantiae),
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