Forster, Georg: Johann Reinhold Forster's [...] Reise um die Welt. Bd. 1. Berlin, 1778.in den Jahren 1772 bis 1775. Hand von hier aus fanden wir einen andern schattigen Gang, der aber-1773.October. mals auf eine Gras-Flur leitete, an deren Ende wir einen kleinen Hügel und auf selbigem zwey Hütten antrafen. Rings um die Anhöhe standen Rohr- stäbe, einen Fus weit von einander, in die Erde gesteckt; und vor derselben waren etliche grosastige Casuarina-Bäume hingepflanzt. Weiter als bis an die Umzäu- nung wollten sich unsre Indianischen Begleiter dieser Anhöhe nicht nähern; wir aber giengen vollends herauf, und gukten, wiewohl nicht ohne Schwierigkeit, in die Hütten herein, indem das Dach fast bis auf eine Spanne weit zur Erde herabgieng. In einer dieser Hütten fanden wir einen neuerlich beygesetzten tod- ten Körper; die andre Hütte aber war leer. Der Casuarina- oder Keulen- Baum (Toa) dient also, gleichwie auf den Societäts-Inseln, auch hier, zu Bezeichnung der Begräbnißplätze: Und wirklich schickt er sich, wegen seiner braun-grünen Farbe, und der langen niederhängenden Aeste, an denen die schmalen und faserichten Nadeln dünn und traurig abwärts stehen, zu der Me- lancholie solcher Plätze völlig eben so gut als die Cypresse. Vermuthlich hat man auch in diesem Theil der Welt, den Casuarina-Baum, aus einer ähnli- chen Folge oder Verbindung von Ideen, zum Baum der Trauer auser- sehen, als bey uns die Cypresse dazu gewählt worden ist. Der Hügel, worauf die Hütte lag, bestand aus kleinen zusammengetragnen Coral-Felssteinen, die als ein Haufen Bachkiesel ohne alle Haltbarkeit locker über einander hinge- schüttet waren. Wir giengen von hier aus noch etwas weiter, und fanden überall dergleichen reizende Baumgärten, gemeiniglich in der Mitte, mit Wohn- häusern versehen. In einem dieser Gärten nöthigten uns unsre Beglei- ter zum Niedersitzen, und verschaften uns zur Erfrischung etliche sehr milchreiche Cocos-Nüsse. Als wir an den Strand zurück kamen, waren die Boote schon im Begriff nach dem Schiffe abzugehen, weshalb wir uns zugleich mit über setzen ließen. Auf unserm Spatziergange hatten wir nur wenig Leute angetrossen, und wenn uns hie oder da einer begegnete, so gieng er, ohne sich um uns zu bekümmern, seines Weges fort, gemeiniglich nach dem Handlungs-Platze hin. Hätten wir nicht zwey Leuthe zu Wegweisern mitgenommen, so wären wir vermuthlich ohne alle Begleitung geblieben; niemand würde uns nachgelaufen oder sonst auf irgend eine Art hinderlich gewesen seyn. Der Knall und die Wür- T t 3
in den Jahren 1772 bis 1775. Hand von hier aus fanden wir einen andern ſchattigen Gang, der aber-1773.October. mals auf eine Gras-Flur leitete, an deren Ende wir einen kleinen Huͤgel und auf ſelbigem zwey Huͤtten antrafen. Rings um die Anhoͤhe ſtanden Rohr- ſtaͤbe, einen Fus weit von einander, in die Erde geſteckt; und vor derſelben waren etliche grosaſtige Caſuarina-Baͤume hingepflanzt. Weiter als bis an die Umzaͤu- nung wollten ſich unſre Indianiſchen Begleiter dieſer Anhoͤhe nicht naͤhern; wir aber giengen vollends herauf, und gukten, wiewohl nicht ohne Schwierigkeit, in die Huͤtten herein, indem das Dach faſt bis auf eine Spanne weit zur Erde herabgieng. In einer dieſer Huͤtten fanden wir einen neuerlich beygeſetzten tod- ten Koͤrper; die andre Huͤtte aber war leer. Der Caſuarina- oder Keulen- Baum (Toa) dient alſo, gleichwie auf den Societaͤts-Inſeln, auch hier, zu Bezeichnung der Begraͤbnißplaͤtze: Und wirklich ſchickt er ſich, wegen ſeiner braun-gruͤnen Farbe, und der langen niederhaͤngenden Aeſte, an denen die ſchmalen und faſerichten Nadeln duͤnn und traurig abwaͤrts ſtehen, zu der Me- lancholie ſolcher Plaͤtze voͤllig eben ſo gut als die Cypreſſe. Vermuthlich hat man auch in dieſem Theil der Welt, den Caſuarina-Baum, aus einer aͤhnli- chen Folge oder Verbindung von Ideen, zum Baum der Trauer auser- ſehen, als bey uns die Cypreſſe dazu gewaͤhlt worden iſt. Der Huͤgel, worauf die Huͤtte lag, beſtand aus kleinen zuſammengetragnen Coral-Felsſteinen, die als ein Haufen Bachkieſel ohne alle Haltbarkeit locker uͤber einander hinge- ſchuͤttet waren. Wir giengen von hier aus noch etwas weiter, und fanden uͤberall dergleichen reizende Baumgaͤrten, gemeiniglich in der Mitte, mit Wohn- haͤuſern verſehen. In einem dieſer Gaͤrten noͤthigten uns unſre Beglei- ter zum Niederſitzen, und verſchaften uns zur Erfriſchung etliche ſehr milchreiche Cocos-Nuͤſſe. Als wir an den Strand zuruͤck kamen, waren die Boote ſchon im Begriff nach dem Schiffe abzugehen, weshalb wir uns zugleich mit uͤber ſetzen ließen. Auf unſerm Spatziergange hatten wir nur wenig Leute angetroſſen, und wenn uns hie oder da einer begegnete, ſo gieng er, ohne ſich um uns zu bekuͤmmern, ſeines Weges fort, gemeiniglich nach dem Handlungs-Platze hin. Haͤtten wir nicht zwey Leuthe zu Wegweiſern mitgenommen, ſo waͤren wir vermuthlich ohne alle Begleitung geblieben; niemand wuͤrde uns nachgelaufen oder ſonſt auf irgend eine Art hinderlich geweſen ſeyn. Der Knall und die Wuͤr- T t 3
<TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0392" n="333"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">in den Jahren 1772 bis 1775.</hi></fw><lb/> Hand von hier aus fanden wir einen andern ſchattigen Gang, der aber-<note place="right">1773.<lb/> October.</note><lb/> mals auf eine Gras-Flur leitete, an deren Ende wir einen kleinen Huͤgel<lb/> und auf ſelbigem zwey Huͤtten antrafen. Rings um die Anhoͤhe ſtanden Rohr-<lb/> ſtaͤbe, einen Fus weit von einander, in die Erde geſteckt; und vor derſelben waren<lb/> etliche grosaſtige Caſuarina-Baͤume hingepflanzt. Weiter als bis an die Umzaͤu-<lb/> nung wollten ſich unſre Indianiſchen Begleiter dieſer Anhoͤhe nicht naͤhern; <hi rendition="#fr">wir</hi><lb/> aber giengen vollends herauf, und gukten, wiewohl nicht ohne Schwierigkeit,<lb/> in die Huͤtten herein, indem das Dach faſt bis auf eine Spanne weit zur Erde<lb/> herabgieng. In einer dieſer Huͤtten fanden wir einen neuerlich beygeſetzten tod-<lb/> ten Koͤrper; die andre Huͤtte aber war leer. Der <hi rendition="#fr">Caſuarina-</hi> oder Keulen-<lb/> Baum (<hi rendition="#fr">Toa</hi>) dient alſo, gleichwie auf den <placeName>Societaͤts-Inſeln</placeName>, auch hier, zu<lb/> Bezeichnung der Begraͤbnißplaͤtze: Und wirklich ſchickt er ſich, wegen ſeiner<lb/> braun-gruͤnen Farbe, und der langen niederhaͤngenden Aeſte, an denen die<lb/> ſchmalen und faſerichten Nadeln duͤnn und traurig abwaͤrts ſtehen, zu der Me-<lb/> lancholie ſolcher Plaͤtze voͤllig eben ſo gut als die Cypreſſe. Vermuthlich hat<lb/> man auch in dieſem Theil der Welt, den <hi rendition="#fr">Caſuarina-</hi>Baum, aus einer aͤhnli-<lb/> chen Folge oder Verbindung von Ideen, zum Baum der Trauer auser-<lb/> ſehen, als bey uns die Cypreſſe dazu gewaͤhlt worden iſt. Der Huͤgel,<lb/> worauf die Huͤtte lag, beſtand aus kleinen zuſammengetragnen Coral-Felsſteinen,<lb/> die als ein Haufen Bachkieſel ohne alle Haltbarkeit locker uͤber einander hinge-<lb/> ſchuͤttet waren. Wir giengen von hier aus noch etwas weiter, und fanden uͤberall<lb/> dergleichen reizende Baumgaͤrten, gemeiniglich in der Mitte, mit Wohn-<lb/> haͤuſern verſehen. In einem dieſer Gaͤrten noͤthigten uns unſre Beglei-<lb/> ter zum Niederſitzen, und verſchaften uns zur Erfriſchung etliche ſehr milchreiche<lb/> Cocos-Nuͤſſe. Als wir an den Strand zuruͤck kamen, waren die Boote ſchon<lb/> im Begriff nach dem Schiffe abzugehen, weshalb wir uns zugleich mit uͤber ſetzen<lb/> ließen. Auf unſerm Spatziergange hatten wir nur wenig Leute angetroſſen,<lb/> und wenn uns hie oder da einer begegnete, ſo gieng er, ohne ſich um uns<lb/> zu bekuͤmmern, ſeines Weges fort, gemeiniglich nach dem Handlungs-Platze<lb/> hin. Haͤtten wir nicht zwey Leuthe zu Wegweiſern mitgenommen, ſo waͤren wir<lb/> vermuthlich ohne alle Begleitung geblieben; niemand wuͤrde uns nachgelaufen<lb/> oder ſonſt auf irgend eine Art hinderlich geweſen ſeyn. Der Knall und die Wuͤr-<lb/> <fw place="bottom" type="sig">T t 3</fw><lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [333/0392]
in den Jahren 1772 bis 1775.
Hand von hier aus fanden wir einen andern ſchattigen Gang, der aber-
mals auf eine Gras-Flur leitete, an deren Ende wir einen kleinen Huͤgel
und auf ſelbigem zwey Huͤtten antrafen. Rings um die Anhoͤhe ſtanden Rohr-
ſtaͤbe, einen Fus weit von einander, in die Erde geſteckt; und vor derſelben waren
etliche grosaſtige Caſuarina-Baͤume hingepflanzt. Weiter als bis an die Umzaͤu-
nung wollten ſich unſre Indianiſchen Begleiter dieſer Anhoͤhe nicht naͤhern; wir
aber giengen vollends herauf, und gukten, wiewohl nicht ohne Schwierigkeit,
in die Huͤtten herein, indem das Dach faſt bis auf eine Spanne weit zur Erde
herabgieng. In einer dieſer Huͤtten fanden wir einen neuerlich beygeſetzten tod-
ten Koͤrper; die andre Huͤtte aber war leer. Der Caſuarina- oder Keulen-
Baum (Toa) dient alſo, gleichwie auf den Societaͤts-Inſeln, auch hier, zu
Bezeichnung der Begraͤbnißplaͤtze: Und wirklich ſchickt er ſich, wegen ſeiner
braun-gruͤnen Farbe, und der langen niederhaͤngenden Aeſte, an denen die
ſchmalen und faſerichten Nadeln duͤnn und traurig abwaͤrts ſtehen, zu der Me-
lancholie ſolcher Plaͤtze voͤllig eben ſo gut als die Cypreſſe. Vermuthlich hat
man auch in dieſem Theil der Welt, den Caſuarina-Baum, aus einer aͤhnli-
chen Folge oder Verbindung von Ideen, zum Baum der Trauer auser-
ſehen, als bey uns die Cypreſſe dazu gewaͤhlt worden iſt. Der Huͤgel,
worauf die Huͤtte lag, beſtand aus kleinen zuſammengetragnen Coral-Felsſteinen,
die als ein Haufen Bachkieſel ohne alle Haltbarkeit locker uͤber einander hinge-
ſchuͤttet waren. Wir giengen von hier aus noch etwas weiter, und fanden uͤberall
dergleichen reizende Baumgaͤrten, gemeiniglich in der Mitte, mit Wohn-
haͤuſern verſehen. In einem dieſer Gaͤrten noͤthigten uns unſre Beglei-
ter zum Niederſitzen, und verſchaften uns zur Erfriſchung etliche ſehr milchreiche
Cocos-Nuͤſſe. Als wir an den Strand zuruͤck kamen, waren die Boote ſchon
im Begriff nach dem Schiffe abzugehen, weshalb wir uns zugleich mit uͤber ſetzen
ließen. Auf unſerm Spatziergange hatten wir nur wenig Leute angetroſſen,
und wenn uns hie oder da einer begegnete, ſo gieng er, ohne ſich um uns
zu bekuͤmmern, ſeines Weges fort, gemeiniglich nach dem Handlungs-Platze
hin. Haͤtten wir nicht zwey Leuthe zu Wegweiſern mitgenommen, ſo waͤren wir
vermuthlich ohne alle Begleitung geblieben; niemand wuͤrde uns nachgelaufen
oder ſonſt auf irgend eine Art hinderlich geweſen ſeyn. Der Knall und die Wuͤr-
1773.
October.
T t 3
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |