Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837.Anklänge. I. Vöglein in den sonn'gen Tagen! Lüfte blau, die mich verführen! Könnt' ich bunte Flügel rühren, Ueber Berg und Wald sie schlagen! Ach! es spricht des Frühlings Schöne, Und die Vögel alle singen: Sind die Farben denn nicht Töne, Und die Töne bunte Schwingen? Vöglein, ja ich lass' das Zagen! Winde sanft die Segel rühren, Und ich lasse mich entführen, Ach! wohin? mag ich nicht fragen. II. Ach! wie ist es doch gekommen,
Daß die ferne Waldes-Pracht So mein ganzes Herz genommen, Mich um alle Ruh' gebracht! Anklänge. I. Voͤglein in den ſonn'gen Tagen! Luͤfte blau, die mich verfuͤhren! Koͤnnt' ich bunte Fluͤgel ruͤhren, Ueber Berg und Wald ſie ſchlagen! Ach! es ſpricht des Fruͤhlings Schoͤne, Und die Voͤgel alle ſingen: Sind die Farben denn nicht Toͤne, Und die Toͤne bunte Schwingen? Voͤglein, ja ich laſſ' das Zagen! Winde ſanft die Segel ruͤhren, Und ich laſſe mich entfuͤhren, Ach! wohin? mag ich nicht fragen. II. Ach! wie iſt es doch gekommen,
Daß die ferne Waldes-Pracht So mein ganzes Herz genommen, Mich um alle Ruh' gebracht! <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0079"/> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Anklänge</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <lg> <head> <hi rendition="#aq">I</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <l><hi rendition="#in">V</hi>oͤglein in den ſonn'gen Tagen!</l><lb/> <l>Luͤfte blau, die mich verfuͤhren!</l><lb/> <l>Koͤnnt' ich bunte Fluͤgel ruͤhren,</l><lb/> <l>Ueber Berg und Wald ſie ſchlagen!</l><lb/> </lg> <lg type="poem"> <l>Ach! es ſpricht des Fruͤhlings Schoͤne,</l><lb/> <l>Und die Voͤgel alle ſingen:</l><lb/> <l>Sind die Farben denn nicht Toͤne,</l><lb/> <l>Und die Toͤne bunte Schwingen?</l><lb/> </lg> <lg type="poem"> <l>Voͤglein, ja ich laſſ' das Zagen!</l><lb/> <l>Winde ſanft die Segel ruͤhren,</l><lb/> <l>Und ich laſſe mich entfuͤhren,</l><lb/> <l>Ach! wohin? mag ich nicht fragen.</l><lb/> </lg> </lg> <lg> <head><hi rendition="#aq">II</hi>.<lb/></head> <lg type="poem"> <l>Ach! wie iſt es doch gekommen,</l><lb/> <l>Daß die ferne Waldes-Pracht</l><lb/> <l>So mein ganzes Herz genommen,</l><lb/> <l>Mich um alle Ruh' gebracht!</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0079]
Anklänge.
I.
Voͤglein in den ſonn'gen Tagen!
Luͤfte blau, die mich verfuͤhren!
Koͤnnt' ich bunte Fluͤgel ruͤhren,
Ueber Berg und Wald ſie ſchlagen!
Ach! es ſpricht des Fruͤhlings Schoͤne,
Und die Voͤgel alle ſingen:
Sind die Farben denn nicht Toͤne,
Und die Toͤne bunte Schwingen?
Voͤglein, ja ich laſſ' das Zagen!
Winde ſanft die Segel ruͤhren,
Und ich laſſe mich entfuͤhren,
Ach! wohin? mag ich nicht fragen.
II.
Ach! wie iſt es doch gekommen,
Daß die ferne Waldes-Pracht
So mein ganzes Herz genommen,
Mich um alle Ruh' gebracht!
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837 |
URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/79 |
Zitationshilfe: | Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/79>, abgerufen am 26.02.2025. |