Da die Welt zur Ruh' gegangen, Wacht mit Sternen mein Verlangen; In der Kühle muß ich lauschen, Wie die Wellen unten rauschen.
"Fernher mich die Wellen tragen, Die an's Land so traurig schlagen Unter Deines Fensters Gitter, Fraue, kennst Du noch den Ritter?"
Ist's doch, als ob seltsam' Stimmen Durch die lauen Lüfte schwimmen; Wieder hat's der Wind genommen -- Ach, mein Herz ist so beklommen!
"Drüben liegt Dein Schloß verfallen, Klagend in den öden Hallen Aus dem Grund der Wald mich grüßte -- 'S war, als ob ich sterben müßte."
Alte Klänge blühend schreiten! Wie aus lang versunk'nen Zeiten Will mich Wehmuth noch bescheinen, Und ich möcht' von Herzen weinen.
"Ueber'm Walde blitzt's von Weitem, Wo um Christi Grab sie streiten; Dorthin will mein Schiff ich wenden, Da wird alles, alles enden!"
27
Die Nonne und der Ritter.
Da die Welt zur Ruh' gegangen, Wacht mit Sternen mein Verlangen; In der Kuͤhle muß ich lauſchen, Wie die Wellen unten rauſchen.
„Fernher mich die Wellen tragen, Die an's Land ſo traurig ſchlagen Unter Deines Fenſters Gitter, Fraue, kennſt Du noch den Ritter?“
Iſt's doch, als ob ſeltſam' Stimmen Durch die lauen Luͤfte ſchwimmen; Wieder hat's der Wind genommen — Ach, mein Herz iſt ſo beklommen!
„Druͤben liegt Dein Schloß verfallen, Klagend in den oͤden Hallen Aus dem Grund der Wald mich gruͤßte — 'S war, als ob ich ſterben muͤßte.“
Alte Klaͤnge bluͤhend ſchreiten! Wie aus lang verſunk'nen Zeiten Will mich Wehmuth noch beſcheinen, Und ich moͤcht' von Herzen weinen.
„Ueber'm Walde blitzt's von Weitem, Wo um Chriſti Grab ſie ſtreiten; Dorthin will mein Schiff ich wenden, Da wird alles, alles enden!“
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Die Nonne und der Ritter.
Da die Welt zur Ruh' gegangen,
Wacht mit Sternen mein Verlangen;
In der Kuͤhle muß ich lauſchen,
Wie die Wellen unten rauſchen.
„Fernher mich die Wellen tragen,
Die an's Land ſo traurig ſchlagen
Unter Deines Fenſters Gitter,
Fraue, kennſt Du noch den Ritter?“
Iſt's doch, als ob ſeltſam' Stimmen
Durch die lauen Luͤfte ſchwimmen;
Wieder hat's der Wind genommen —
Ach, mein Herz iſt ſo beklommen!
„Druͤben liegt Dein Schloß verfallen,
Klagend in den oͤden Hallen
Aus dem Grund der Wald mich gruͤßte —
'S war, als ob ich ſterben muͤßte.“
Alte Klaͤnge bluͤhend ſchreiten!
Wie aus lang verſunk'nen Zeiten
Will mich Wehmuth noch beſcheinen,
Und ich moͤcht' von Herzen weinen.
„Ueber'm Walde blitzt's von Weitem,
Wo um Chriſti Grab ſie ſtreiten;
Dorthin will mein Schiff ich wenden,
Da wird alles, alles enden!“
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Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 417. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/435>, abgerufen am 26.02.2025.
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