Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837.Kirchenlied. O Maria, meine Liebe! Denk' ich recht im Herzen Dein: Schwindet alles Schwer' und Trübe, Und, wie heller Morgenschein, Dringt's durch Lust und ird'schen Schmerz Leuchtend mir durch's ganze Herz. Aus des ew'gen Bundes Bogen, Ernst von Glorien umblüht, Stehst Du über Land und Wogen; Und ein himmlisch Sehnen zieht Alles Leben himmelwärts An das große Mutterherz. Wo Verlass'ne einsam weinen, Sorgenvoll in stiller Nacht, Den'n vor allen läßt Du scheinen Deiner Liebe milde Pracht, Daß ein tröstend Himmelslicht In die dunk'len Herzen bricht. Aber wüthet wildverkehrter
Sünder frevelhafte Lust: Da durchschneiden neue Schwerdter Dir die treue Mutterbrust; Und voll Schmerzen flehst Du doch: Herr! Vergieb ihn'n, schone noch! Kirchenlied. O Maria, meine Liebe! Denk' ich recht im Herzen Dein: Schwindet alles Schwer' und Truͤbe, Und, wie heller Morgenſchein, Dringt's durch Luſt und ird'ſchen Schmerz Leuchtend mir durch's ganze Herz. Aus des ew'gen Bundes Bogen, Ernſt von Glorien umbluͤht, Stehſt Du uͤber Land und Wogen; Und ein himmliſch Sehnen zieht Alles Leben himmelwaͤrts An das große Mutterherz. Wo Verlaſſ'ne einſam weinen, Sorgenvoll in ſtiller Nacht, Den'n vor allen laͤßt Du ſcheinen Deiner Liebe milde Pracht, Daß ein troͤſtend Himmelslicht In die dunk'len Herzen bricht. Aber wuͤthet wildverkehrter
Suͤnder frevelhafte Luſt: Da durchſchneiden neue Schwerdter Dir die treue Mutterbruſt; Und voll Schmerzen flehſt Du doch: Herr! Vergieb ihn'n, ſchone noch! <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0369" n="351"/> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Kirchenlied</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <l><hi rendition="#in">O</hi> Maria, meine Liebe!</l><lb/> <l>Denk' ich recht im Herzen Dein:</l><lb/> <l>Schwindet alles Schwer' und Truͤbe,</l><lb/> <l>Und, wie heller Morgenſchein,</l><lb/> <l>Dringt's durch Luſt und ird'ſchen Schmerz</l><lb/> <l>Leuchtend mir durch's ganze Herz.</l><lb/> </lg> <lg type="poem"> <l>Aus des ew'gen Bundes Bogen,</l><lb/> <l>Ernſt von Glorien umbluͤht,</l><lb/> <l>Stehſt Du uͤber Land und Wogen;</l><lb/> <l>Und ein himmliſch Sehnen zieht</l><lb/> <l>Alles Leben himmelwaͤrts</l><lb/> <l>An das große Mutterherz.</l><lb/> </lg> <lg type="poem"> <l>Wo Verlaſſ'ne einſam weinen,</l><lb/> <l>Sorgenvoll in ſtiller Nacht,</l><lb/> <l>Den'n vor allen laͤßt Du ſcheinen</l><lb/> <l>Deiner Liebe milde Pracht,</l><lb/> <l>Daß ein troͤſtend Himmelslicht</l><lb/> <l>In die dunk'len Herzen bricht.</l><lb/> </lg> <lg type="poem"> <l>Aber wuͤthet wildverkehrter</l><lb/> <l>Suͤnder frevelhafte Luſt:</l><lb/> <l>Da durchſchneiden neue Schwerdter</l><lb/> <l>Dir die treue Mutterbruſt;</l><lb/> <l>Und voll Schmerzen flehſt Du doch:</l><lb/> <l>Herr! Vergieb ihn'n, ſchone noch!</l><lb/> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [351/0369]
Kirchenlied.
O Maria, meine Liebe!
Denk' ich recht im Herzen Dein:
Schwindet alles Schwer' und Truͤbe,
Und, wie heller Morgenſchein,
Dringt's durch Luſt und ird'ſchen Schmerz
Leuchtend mir durch's ganze Herz.
Aus des ew'gen Bundes Bogen,
Ernſt von Glorien umbluͤht,
Stehſt Du uͤber Land und Wogen;
Und ein himmliſch Sehnen zieht
Alles Leben himmelwaͤrts
An das große Mutterherz.
Wo Verlaſſ'ne einſam weinen,
Sorgenvoll in ſtiller Nacht,
Den'n vor allen laͤßt Du ſcheinen
Deiner Liebe milde Pracht,
Daß ein troͤſtend Himmelslicht
In die dunk'len Herzen bricht.
Aber wuͤthet wildverkehrter
Suͤnder frevelhafte Luſt:
Da durchſchneiden neue Schwerdter
Dir die treue Mutterbruſt;
Und voll Schmerzen flehſt Du doch:
Herr! Vergieb ihn'n, ſchone noch!
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Zitationshilfe: | Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 351. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/369>, abgerufen am 26.02.2025. |