Ich hab' nicht viel hienieden, Ich hab' nicht Geld noch Gut; Was vielen nicht beschieden, Ist mein: -- der frische Muth.
Was Andre mag ergötzen, Das kümmert wenig mich, Sie leben in den Schätzen, In Freuden lebe ich.
Ich hab' ein Roß mit Flügeln, Getreu in Lust und Noth, Das wiehernd spannt die Flügel Bei jedem Morgenroth.
Mein Liebchen! wie so öde Wird's oft in Stadt und Schloß, Frisch auf und sei nicht blöde, Besteig' mit mir mein Roß!
Wir segeln durch die Räume, Ich zeig' Dir Meer und Land, Wie wunderbare Träume Tief unten ausgespannt.
Hellblinkend zu den Füßen Unzähl'ger Ströme Lauf -- Es steigt ein Frühlingsgrüßen Verhallend zu uns auf.
Das Fluͤgelroß.
Ich hab' nicht viel hienieden, Ich hab' nicht Geld noch Gut; Was vielen nicht beſchieden, Iſt mein: — der friſche Muth.
Was Andre mag ergoͤtzen, Das kuͤmmert wenig mich, Sie leben in den Schaͤtzen, In Freuden lebe ich.
Ich hab' ein Roß mit Fluͤgeln, Getreu in Luſt und Noth, Das wiehernd ſpannt die Fluͤgel Bei jedem Morgenroth.
Mein Liebchen! wie ſo oͤde Wird's oft in Stadt und Schloß, Friſch auf und ſei nicht bloͤde, Beſteig' mit mir mein Roß!
Wir ſegeln durch die Raͤume, Ich zeig' Dir Meer und Land, Wie wunderbare Traͤume Tief unten ausgeſpannt.
Hellblinkend zu den Fuͤßen Unzaͤhl'ger Stroͤme Lauf — Es ſteigt ein Fruͤhlingsgruͤßen Verhallend zu uns auf.
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Das Fluͤgelroß.
Ich hab' nicht viel hienieden,
Ich hab' nicht Geld noch Gut;
Was vielen nicht beſchieden,
Iſt mein: — der friſche Muth.
Was Andre mag ergoͤtzen,
Das kuͤmmert wenig mich,
Sie leben in den Schaͤtzen,
In Freuden lebe ich.
Ich hab' ein Roß mit Fluͤgeln,
Getreu in Luſt und Noth,
Das wiehernd ſpannt die Fluͤgel
Bei jedem Morgenroth.
Mein Liebchen! wie ſo oͤde
Wird's oft in Stadt und Schloß,
Friſch auf und ſei nicht bloͤde,
Beſteig' mit mir mein Roß!
Wir ſegeln durch die Raͤume,
Ich zeig' Dir Meer und Land,
Wie wunderbare Traͤume
Tief unten ausgeſpannt.
Hellblinkend zu den Fuͤßen
Unzaͤhl'ger Stroͤme Lauf —
Es ſteigt ein Fruͤhlingsgruͤßen
Verhallend zu uns auf.
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Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 302. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/320>, abgerufen am 26.02.2025.
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