Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837.Die Freunde. I. Wer auf den Wogen schliefe Ein sanft gewiegtes Kind, Kennt nicht des Lebens Tiefe, Vor süßem Träumen blind. Doch wen die Stürme fassen Zu wildem Tanz und Fest, Hoch auf den dunklen Straßen Die falsche Welt verläßt: Der lernt sich wacker rühren, Durch Nacht und Klippen hin Lernt der das Steuer führen Mit sichrem, ernsten Sinn. Der ist vom echten Kerne, Erprobt zu Lust und Pein, Der glaubt an Gott und Sterne, Der soll mein Schiffmann sein! 9
Die Freunde. I. Wer auf den Wogen ſchliefe Ein ſanft gewiegtes Kind, Kennt nicht des Lebens Tiefe, Vor ſuͤßem Traͤumen blind. Doch wen die Stuͤrme faſſen Zu wildem Tanz und Feſt, Hoch auf den dunklen Straßen Die falſche Welt verlaͤßt: Der lernt ſich wacker ruͤhren, Durch Nacht und Klippen hin Lernt der das Steuer fuͤhren Mit ſichrem, ernſten Sinn. Der iſt vom echten Kerne, Erprobt zu Luſt und Pein, Der glaubt an Gott und Sterne, Der ſoll mein Schiffmann ſein! 9
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Die Freunde.
I.
Wer auf den Wogen ſchliefe
Ein ſanft gewiegtes Kind,
Kennt nicht des Lebens Tiefe,
Vor ſuͤßem Traͤumen blind.
Doch wen die Stuͤrme faſſen
Zu wildem Tanz und Feſt,
Hoch auf den dunklen Straßen
Die falſche Welt verlaͤßt:
Der lernt ſich wacker ruͤhren,
Durch Nacht und Klippen hin
Lernt der das Steuer fuͤhren
Mit ſichrem, ernſten Sinn.
Der iſt vom echten Kerne,
Erprobt zu Luſt und Pein,
Der glaubt an Gott und Sterne,
Der ſoll mein Schiffmann ſein!
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Zitationshilfe: | Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/147>, abgerufen am 26.02.2025. |