Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 4. Hildesheim, 1747.Gedanken bei einer aufsteigenden und in der Gedanken bei einer aufsteigen- den und in der Lufft zerplazten Rakete. Jch sah im Feuerwerk ein schönes Lust- spiel an; Es stieg in schnellen Flug, auf dünner Lüffte Bahn, Die feurige Raket; sie plazte in der Ferne, Und sprüzte noch hervor ein schimmernd Heer der Sterne, Damit war alles aus; Es flatterte der Schein Jn der erhabnen Lufft zwar prächtig, ungemein, Jedoch der Untergang war auch damit verbunden, So bald sie war zerplazt, war gleich ihr Blik ver- schwunden. So geht es in der Welt den eitlen Menschen auch, Die hoch erhaben sind; die Ehr ist wie ein Rauch, Der plözlich wird verweht. Man solte Wunder meinen, Was solche Menschen sind, die in der Höhe scheinen: Allein so bald der Todt des Leibes Bau zerstükt, Wird bei dem Grabe noch der lezte Glanz erblikt, Kaum ist der Rest versenkt zum düstren Grabes Bo- gen, So S 2
Gedanken bei einer aufſteigenden und in der Gedanken bei einer aufſteigen- den und in der Lufft zerplazten Rakete. Jch ſah im Feuerwerk ein ſchoͤnes Luſt- ſpiel an; Es ſtieg in ſchnellen Flug, auf duͤnner Luͤffte Bahn, Die feurige Raket; ſie plazte in der Ferne, Und ſpruͤzte noch hervor ein ſchimmernd Heer der Sterne, Damit war alles aus; Es flatterte der Schein Jn der erhabnen Lufft zwar praͤchtig, ungemein, Jedoch der Untergang war auch damit verbunden, So bald ſie war zerplazt, war gleich ihr Blik ver- ſchwunden. So geht es in der Welt den eitlen Menſchen auch, Die hoch erhaben ſind; die Ehr iſt wie ein Rauch, Der ploͤzlich wird verweht. Man ſolte Wunder meinen, Was ſolche Menſchen ſind, die in der Hoͤhe ſcheinen: Allein ſo bald der Todt des Leibes Bau zerſtuͤkt, Wird bei dem Grabe noch der lezte Glanz erblikt, Kaum iſt der Reſt verſenkt zum duͤſtren Grabes Bo- gen, So S 2
<TEI> <text> <body> <pb facs="#f0291" n="275"/> <fw place="top" type="header">Gedanken bei einer aufſteigenden und in der</fw><lb/> <div n="1"> <head> <hi rendition="#b">Gedanken bei einer aufſteigen-<lb/> den und in der Lufft zerplazten<lb/> Rakete.</hi> </head><lb/> <lg type="poem"> <l><hi rendition="#in">J</hi>ch ſah im Feuerwerk ein ſchoͤnes Luſt-<lb/><hi rendition="#et">ſpiel an;</hi></l><lb/> <l>Es ſtieg in ſchnellen Flug, auf<lb/><hi rendition="#et">duͤnner Luͤffte Bahn,</hi></l><lb/> <l>Die feurige Raket; ſie plazte in der Ferne,</l><lb/> <l>Und ſpruͤzte noch hervor ein ſchimmernd Heer der<lb/><hi rendition="#et">Sterne,</hi></l><lb/> <l>Damit war alles aus; Es flatterte der Schein</l><lb/> <l>Jn der erhabnen Lufft zwar praͤchtig, ungemein,</l><lb/> <l>Jedoch der Untergang war auch damit verbunden,</l><lb/> <l>So bald ſie war zerplazt, war gleich ihr Blik ver-<lb/><hi rendition="#et">ſchwunden.</hi></l><lb/> <l>So geht es in der Welt den eitlen Menſchen auch,</l><lb/> <l>Die hoch erhaben ſind; die Ehr iſt wie ein<lb/><hi rendition="#et">Rauch,</hi></l><lb/> <l>Der ploͤzlich wird verweht. Man ſolte Wunder<lb/><hi rendition="#et">meinen,</hi></l><lb/> <l>Was ſolche Menſchen ſind, die in der Hoͤhe ſcheinen:</l><lb/> <l>Allein ſo bald der Todt des Leibes Bau zerſtuͤkt,</l><lb/> <l>Wird bei dem Grabe noch der lezte Glanz erblikt,</l><lb/> <l>Kaum iſt der Reſt verſenkt zum duͤſtren Grabes Bo-<lb/><hi rendition="#et">gen,</hi></l><lb/> <fw place="bottom" type="sig">S 2</fw> <fw place="bottom" type="catch">So</fw><lb/> </lg> </div> </body> </text> </TEI> [275/0291]
Gedanken bei einer aufſteigenden und in der
Gedanken bei einer aufſteigen-
den und in der Lufft zerplazten
Rakete.
Jch ſah im Feuerwerk ein ſchoͤnes Luſt-
ſpiel an;
Es ſtieg in ſchnellen Flug, auf
duͤnner Luͤffte Bahn,
Die feurige Raket; ſie plazte in der Ferne,
Und ſpruͤzte noch hervor ein ſchimmernd Heer der
Sterne,
Damit war alles aus; Es flatterte der Schein
Jn der erhabnen Lufft zwar praͤchtig, ungemein,
Jedoch der Untergang war auch damit verbunden,
So bald ſie war zerplazt, war gleich ihr Blik ver-
ſchwunden.
So geht es in der Welt den eitlen Menſchen auch,
Die hoch erhaben ſind; die Ehr iſt wie ein
Rauch,
Der ploͤzlich wird verweht. Man ſolte Wunder
meinen,
Was ſolche Menſchen ſind, die in der Hoͤhe ſcheinen:
Allein ſo bald der Todt des Leibes Bau zerſtuͤkt,
Wird bei dem Grabe noch der lezte Glanz erblikt,
Kaum iſt der Reſt verſenkt zum duͤſtren Grabes Bo-
gen,
So
S 2
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen04_1747 |
URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen04_1747/291 |
Zitationshilfe: | Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 4. Hildesheim, 1747, S. 275. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen04_1747/291>, abgerufen am 28.02.2025. |