Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Feuer. Die Nacht, der Hammerschmied. Dunkel! All Dunkel schwer! Wie Riesen schreiten Wolken her -- Ueber Gras und Laub Wirbelt's wie schwarzer Staub; Hier und dort ein grauer Stamm; Am Horizont des Berges Kamm Hält die gespenstige Wacht, Sonst Alles Nacht -- Nacht -- nur Nacht. Was blitzt dort auf? -- ein rother Stern -- Nun scheint es nah, nun wieder fern; Schau! wie es zuckt und zuckt und schweift, Wie's ringelnd gleich der Schlange pfeift. Nun am Gemäuer glimmt es auf, Unwillig wirft's die Asch hinauf, Und wirbelnd über'm Dach hervor Die Funkensäule steigt empor. Und dort der Mann im ruß'gen Kleid,
-- Sein Angesicht ist bleich und kalt, Ein Bild der listigen Gewalt -- Wie er die Flamme dämpft und facht, Und hält den Eisenblock bereit! Den soll ihm die gefang'ne Macht, Die wilde hartbezähmte Glut Zermalmen gleich in ihrer Wuth. Feuer. Die Nacht, der Hammerſchmied. Dunkel! All Dunkel ſchwer! Wie Rieſen ſchreiten Wolken her — Ueber Gras und Laub Wirbelt's wie ſchwarzer Staub; Hier und dort ein grauer Stamm; Am Horizont des Berges Kamm Hält die geſpenſtige Wacht, Sonſt Alles Nacht — Nacht — nur Nacht. Was blitzt dort auf? — ein rother Stern — Nun ſcheint es nah, nun wieder fern; Schau! wie es zuckt und zuckt und ſchweift, Wie's ringelnd gleich der Schlange pfeift. Nun am Gemäuer glimmt es auf, Unwillig wirft's die Aſch hinauf, Und wirbelnd über'm Dach hervor Die Funkenſäule ſteigt empor. Und dort der Mann im ruß'gen Kleid,
— Sein Angeſicht iſt bleich und kalt, Ein Bild der liſtigen Gewalt — Wie er die Flamme dämpft und facht, Und hält den Eiſenblock bereit! Den ſoll ihm die gefang'ne Macht, Die wilde hartbezähmte Glut Zermalmen gleich in ihrer Wuth. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb facs="#f0101" n="87"/> </div> <div n="3"> <head> <hi rendition="#g">Feuer.</hi><lb/> </head> <p rendition="#c"><hi rendition="#g">Die Nacht, der Hammerſchmied</hi>.</p><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Dunkel! All Dunkel ſchwer!</l><lb/> <l>Wie Rieſen ſchreiten Wolken her —</l><lb/> <l>Ueber Gras und Laub</l><lb/> <l>Wirbelt's wie ſchwarzer Staub;</l><lb/> <l>Hier und dort ein grauer Stamm;</l><lb/> <l>Am Horizont des Berges Kamm</l><lb/> <l>Hält die geſpenſtige Wacht,</l><lb/> <l>Sonſt Alles Nacht — Nacht — nur Nacht.</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Was blitzt dort auf? — ein rother Stern —</l><lb/> <l>Nun ſcheint es nah, nun wieder fern;</l><lb/> <l>Schau! wie es zuckt und zuckt und ſchweift,</l><lb/> <l>Wie's ringelnd gleich der Schlange pfeift.</l><lb/> <l>Nun am Gemäuer glimmt es auf,</l><lb/> <l>Unwillig wirft's die Aſch hinauf,</l><lb/> <l>Und wirbelnd über'm Dach hervor</l><lb/> <l>Die Funkenſäule ſteigt empor.</l><lb/> </lg> <lg n="3"> <l>Und dort der Mann im ruß'gen Kleid,</l><lb/> <l>— Sein Angeſicht iſt bleich und kalt,</l><lb/> <l>Ein Bild der liſtigen Gewalt —</l><lb/> <l>Wie er die Flamme dämpft und facht,</l><lb/> <l>Und hält den Eiſenblock bereit!</l><lb/> <l>Den ſoll ihm die gefang'ne Macht,</l><lb/> <l>Die wilde hartbezähmte Glut</l><lb/> <l>Zermalmen gleich in ihrer Wuth.</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [87/0101]
Feuer.
Die Nacht, der Hammerſchmied.
Dunkel! All Dunkel ſchwer!
Wie Rieſen ſchreiten Wolken her —
Ueber Gras und Laub
Wirbelt's wie ſchwarzer Staub;
Hier und dort ein grauer Stamm;
Am Horizont des Berges Kamm
Hält die geſpenſtige Wacht,
Sonſt Alles Nacht — Nacht — nur Nacht.
Was blitzt dort auf? — ein rother Stern —
Nun ſcheint es nah, nun wieder fern;
Schau! wie es zuckt und zuckt und ſchweift,
Wie's ringelnd gleich der Schlange pfeift.
Nun am Gemäuer glimmt es auf,
Unwillig wirft's die Aſch hinauf,
Und wirbelnd über'm Dach hervor
Die Funkenſäule ſteigt empor.
Und dort der Mann im ruß'gen Kleid,
— Sein Angeſicht iſt bleich und kalt,
Ein Bild der liſtigen Gewalt —
Wie er die Flamme dämpft und facht,
Und hält den Eiſenblock bereit!
Den ſoll ihm die gefang'ne Macht,
Die wilde hartbezähmte Glut
Zermalmen gleich in ihrer Wuth.
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Zitationshilfe: | Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844, S. 87. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/droste_gedichte_1844/101>, abgerufen am 22.02.2025. |