p2c_522.001 in seinem Reich. "Jhr wisset nicht, was ihr bittet. Könnt p2c_522.002 ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?" - Aber p2c_522.003 er sagt ihnen voraus, daß auch sie ihn trinken müssen diesen p2c_522.004 Kelch der Leiden für die Wahrheit seiner Lehre. Dennoch p2c_522.005 folgen sie ihm, dennoch glauben sie an ihn. Das Reich p2c_522.006 Gottes ist, wie ein Senfkorn, welches ist das kleinste unter p2c_522.007 den Saamen. Er hat dieses Saamenkorn der Ewigkeit p2c_522.008 ausgeworfen in die Furchen der Zeit, und es dem Schicksale p2c_522.009 überlassen. Doch er weiß, daß das Göttliche siegen, durchdringen p2c_522.010 muß in aller Zukunft. Darum weiht er seine Jünger p2c_522.011 zu ihrer hohen Bestimmung. Sie dürfen nicht sorgen, p2c_522.012 was sie reden werden, wenn man sie überantwortet den p2c_522.013 Richtstühlen. Er, ihr Lehrer, wird bey ihnen seyn, wohnt p2c_522.014 in ihren Seelen, und wird sprechen durch sie, so wie Gott p2c_522.015 spricht durch ihn. - Und nun nachdem er geordnet hat die p2c_522.016 Zwölfe und seine Lehre ausgegangen ist in die Länder, nun p2c_522.017 geht er hinab nach Jerusalem seinem großen Ziele, dem p2c_522.018 Tode für die sündige Welt zu. Denn es muß alles erfüllet p2c_522.019 werden, was geschrieben steht von des Menschen Sohn. p2c_522.020 Petrus will ihm wehren. "Hebe dich weg von mir Satan, p2c_522.021 spricht Jesus. Denn du meynest was menschlich, nicht was p2c_522.022 göttlich ist. Er zieht ein in der heiligen Tempelstadt und p2c_522.023 des wankelmüthigen Volkes Zuruf segnet ihn. Die Palmen p2c_522.024 des Landes, in dem noch überall Spuren von der Gnade p2c_522.025 des Ewigen sind, erschallen noch einmal von dem lauten p2c_522.026 Hosianna, zum letztenmal von begeistertem feurigen Prophetengesang. p2c_522.027 "Gesegnet sey, der kommt im Namen des p2c_522.028 Herrn!" Aber itzt kommt kein Prophet. Der Sohn selbst,
p2c_522.001 in seinem Reich. „Jhr wisset nicht, was ihr bittet. Könnt p2c_522.002 ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ ─ Aber p2c_522.003 er sagt ihnen voraus, daß auch sie ihn trinken müssen diesen p2c_522.004 Kelch der Leiden für die Wahrheit seiner Lehre. Dennoch p2c_522.005 folgen sie ihm, dennoch glauben sie an ihn. Das Reich p2c_522.006 Gottes ist, wie ein Senfkorn, welches ist das kleinste unter p2c_522.007 den Saamen. Er hat dieses Saamenkorn der Ewigkeit p2c_522.008 ausgeworfen in die Furchen der Zeit, und es dem Schicksale p2c_522.009 überlassen. Doch er weiß, daß das Göttliche siegen, durchdringen p2c_522.010 muß in aller Zukunft. Darum weiht er seine Jünger p2c_522.011 zu ihrer hohen Bestimmung. Sie dürfen nicht sorgen, p2c_522.012 was sie reden werden, wenn man sie überantwortet den p2c_522.013 Richtstühlen. Er, ihr Lehrer, wird bey ihnen seyn, wohnt p2c_522.014 in ihren Seelen, und wird sprechen durch sie, so wie Gott p2c_522.015 spricht durch ihn. ─ Und nun nachdem er geordnet hat die p2c_522.016 Zwölfe und seine Lehre ausgegangen ist in die Länder, nun p2c_522.017 geht er hinab nach Jerusalem seinem großen Ziele, dem p2c_522.018 Tode für die sündige Welt zu. Denn es muß alles erfüllet p2c_522.019 werden, was geschrieben steht von des Menschen Sohn. p2c_522.020 Petrus will ihm wehren. „Hebe dich weg von mir Satan, p2c_522.021 spricht Jesus. Denn du meynest was menschlich, nicht was p2c_522.022 göttlich ist. Er zieht ein in der heiligen Tempelstadt und p2c_522.023 des wankelmüthigen Volkes Zuruf segnet ihn. Die Palmen p2c_522.024 des Landes, in dem noch überall Spuren von der Gnade p2c_522.025 des Ewigen sind, erschallen noch einmal von dem lauten p2c_522.026 Hosianna, zum letztenmal von begeistertem feurigen Prophetengesang. p2c_522.027 „Gesegnet sey, der kommt im Namen des p2c_522.028 Herrn!“ Aber itzt kommt kein Prophet. Der Sohn selbst,
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Clodius, Christian August Heinrich: Entwurf einer systematischen Poetik nebst Collectaneen zu ihrer Ausführung. Zweiter Theil. Leipzig, 1804, S. 522. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clodius_poetik02_1804/46>, abgerufen am 17.02.2025.
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