Man bekomt also, denen gemachten Erfahrungen nach, um desto mehr rothe Glätt, ie kälter man treiben kan: Da nun die Treiben in dem Winter viel kälter, als wie in dem Sommer gehen; So läst es sich auch leicht begreifen, warum man in ienen Tagen mehr rothe Glätt bekomt, als wie in diesen.
Die 6. Anmerkung.
Fast alle Schmelzverständige kommen darinnen mit einander überein, daß man zwei löthige Werke ohne Schaden nicht vertreiben könne. Es geschiehet inzwischen bei diesem Werk seit lan- gen Jahren, daß man dergleichen Werke, die von den Bleierzrösten fallen (§. 35.), wirklich ver- treibet. Man hält inzwischen davor, weil man die Bleie nicht kaufen darf, daß die Kaufglätt nicht nur einen grosen Teil der Kosten, und des Bleiverbrandes bezahlet, sondern daß auch die Bleie viel besser und annehmlicher würden, als wann man die Werke nur schlechterdings abseigern wolte. Diese Verfahrungsart ist freilich schon alt, ia sie ist bei denen Meisten zur andern Natur worden.
§. 45.
Der Abzug, und die von dem Seigern fallende küpferiche Kräz wird gesamlet, und in einem Frischofen, der mit schwerer Stübe zugemacht ist, noch einmal geschmolzen. Man bedienet sich dabei der Verblasschlakken, die einen bessern Fluß machen, und noch bleiisch sind, als eines Zuschlags, da dann von einem solchen Schmelzen küpferiche Blei- steine und Werke fallen, wovon die leztere ausgekelt, und denen Treiben zugesezt werden.
§. 46.
Die ausgeseigerte Kupfer (§. 43.) sind noch mit vielen Unarten vermischt, sie hal- ten aber auch zugleich noch etwas Blei. Damit nun auch noch diese aus den Zwi- schenräumger der Kupfer herausschwizzen mögen: So werden 28 bis 30 Centner in einem gewöhnlichen Darrofen bei 24 Stunden gedarret, wovon dann die fallende Darr- linge noch 11/2 Loth Silber und 84 Pfund Gaarkupfer halten.
§. 47.
Die weise Glätt frischet man auf einer vier Zoll hohen Form, und auf einem Ofen, der wie ein Frischofen beschaffen, und mit schwerer Stübe zugemacht ist, die aus 2 Tei- len Leimen, und 1 Teil Köhllösch bestehet. Man gebraucht dabei gar keine Zuschläge, weil viele Schlakken Blei rauben. Die Bleie, welche von diesen Frischen fallen, wer- den rein abgezogen und gereiniget, sodann aber in Mulden ausgekelt, und noch einmal geseigert, worauf sie dann verkauft werden.
§. 48.
Die Unart, die so genante Kräzze, die von dem Frischen, dem Seigern und dem Darren fället, enthält noch Blei, Kupfer und Silber. Weil nun auch diese Metalle zugutgemacht werden müssen, die in der Kräz befindliche Bleie aber den gehörigen Teil des Silbers nicht in sich fassen können, folglich noch viele Silber in den Werken
zurük
Das achte Stuͤk
Die 5. Anmerkung.
Man bekomt alſo, denen gemachten Erfahrungen nach, um deſto mehr rothe Glaͤtt, ie kaͤlter man treiben kan: Da nun die Treiben in dem Winter viel kaͤlter, als wie in dem Sommer gehen; So laͤſt es ſich auch leicht begreifen, warum man in ienen Tagen mehr rothe Glaͤtt bekomt, als wie in dieſen.
Die 6. Anmerkung.
Faſt alle Schmelzverſtaͤndige kommen darinnen mit einander uͤberein, daß man zwei loͤthige Werke ohne Schaden nicht vertreiben koͤnne. Es geſchiehet inzwiſchen bei dieſem Werk ſeit lan- gen Jahren, daß man dergleichen Werke, die von den Bleierzroͤſten fallen (§. 35.), wirklich ver- treibet. Man haͤlt inzwiſchen davor, weil man die Bleie nicht kaufen darf, daß die Kaufglaͤtt nicht nur einen groſen Teil der Koſten, und des Bleiverbrandes bezahlet, ſondern daß auch die Bleie viel beſſer und annehmlicher wuͤrden, als wann man die Werke nur ſchlechterdings abſeigern wolte. Dieſe Verfahrungsart iſt freilich ſchon alt, ia ſie iſt bei denen Meiſten zur andern Natur worden.
§. 45.
Der Abzug, und die von dem Seigern fallende kuͤpferiche Kraͤz wird geſamlet, und in einem Friſchofen, der mit ſchwerer Stuͤbe zugemacht iſt, noch einmal geſchmolzen. Man bedienet ſich dabei der Verblasſchlakken, die einen beſſern Fluß machen, und noch bleiiſch ſind, als eines Zuſchlags, da dann von einem ſolchen Schmelzen kuͤpferiche Blei- ſteine und Werke fallen, wovon die leztere ausgekelt, und denen Treiben zugeſezt werden.
§. 46.
Die ausgeſeigerte Kupfer (§. 43.) ſind noch mit vielen Unarten vermiſcht, ſie hal- ten aber auch zugleich noch etwas Blei. Damit nun auch noch dieſe aus den Zwi- ſchenraͤumger der Kupfer herausſchwizzen moͤgen: So werden 28 bis 30 Centner in einem gewoͤhnlichen Darrofen bei 24 Stunden gedarret, wovon dann die fallende Darr- linge noch 1½ Loth Silber und 84 Pfund Gaarkupfer halten.
§. 47.
Die weiſe Glaͤtt friſchet man auf einer vier Zoll hohen Form, und auf einem Ofen, der wie ein Friſchofen beſchaffen, und mit ſchwerer Stuͤbe zugemacht iſt, die aus 2 Tei- len Leimen, und 1 Teil Koͤhlloͤſch beſtehet. Man gebraucht dabei gar keine Zuſchlaͤge, weil viele Schlakken Blei rauben. Die Bleie, welche von dieſen Friſchen fallen, wer- den rein abgezogen und gereiniget, ſodann aber in Mulden ausgekelt, und noch einmal geſeigert, worauf ſie dann verkauft werden.
§. 48.
Die Unart, die ſo genante Kraͤzze, die von dem Friſchen, dem Seigern und dem Darren faͤllet, enthaͤlt noch Blei, Kupfer und Silber. Weil nun auch dieſe Metalle zugutgemacht werden muͤſſen, die in der Kraͤz befindliche Bleie aber den gehoͤrigen Teil des Silbers nicht in ſich faſſen koͤnnen, folglich noch viele Silber in den Werken
zuruͤk
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Das achte Stuͤk
Die 5. Anmerkung.
Man bekomt alſo, denen gemachten Erfahrungen nach, um deſto mehr rothe Glaͤtt, ie kaͤlter
man treiben kan: Da nun die Treiben in dem Winter viel kaͤlter, als wie in dem Sommer gehen;
So laͤſt es ſich auch leicht begreifen, warum man in ienen Tagen mehr rothe Glaͤtt bekomt, als
wie in dieſen.
Die 6. Anmerkung.
Faſt alle Schmelzverſtaͤndige kommen darinnen mit einander uͤberein, daß man zwei loͤthige
Werke ohne Schaden nicht vertreiben koͤnne. Es geſchiehet inzwiſchen bei dieſem Werk ſeit lan-
gen Jahren, daß man dergleichen Werke, die von den Bleierzroͤſten fallen (§. 35.), wirklich ver-
treibet. Man haͤlt inzwiſchen davor, weil man die Bleie nicht kaufen darf, daß die Kaufglaͤtt nicht
nur einen groſen Teil der Koſten, und des Bleiverbrandes bezahlet, ſondern daß auch die Bleie viel
beſſer und annehmlicher wuͤrden, als wann man die Werke nur ſchlechterdings abſeigern wolte.
Dieſe Verfahrungsart iſt freilich ſchon alt, ia ſie iſt bei denen Meiſten zur andern Natur worden.
§. 45.
Der Abzug, und die von dem Seigern fallende kuͤpferiche Kraͤz wird geſamlet, und
in einem Friſchofen, der mit ſchwerer Stuͤbe zugemacht iſt, noch einmal geſchmolzen.
Man bedienet ſich dabei der Verblasſchlakken, die einen beſſern Fluß machen, und noch
bleiiſch ſind, als eines Zuſchlags, da dann von einem ſolchen Schmelzen kuͤpferiche Blei-
ſteine und Werke fallen, wovon die leztere ausgekelt, und denen Treiben zugeſezt werden.
§. 46.
Die ausgeſeigerte Kupfer (§. 43.) ſind noch mit vielen Unarten vermiſcht, ſie hal-
ten aber auch zugleich noch etwas Blei. Damit nun auch noch dieſe aus den Zwi-
ſchenraͤumger der Kupfer herausſchwizzen moͤgen: So werden 28 bis 30 Centner in
einem gewoͤhnlichen Darrofen bei 24 Stunden gedarret, wovon dann die fallende Darr-
linge noch 1½ Loth Silber und 84 Pfund Gaarkupfer halten.
§. 47.
Die weiſe Glaͤtt friſchet man auf einer vier Zoll hohen Form, und auf einem Ofen,
der wie ein Friſchofen beſchaffen, und mit ſchwerer Stuͤbe zugemacht iſt, die aus 2 Tei-
len Leimen, und 1 Teil Koͤhlloͤſch beſtehet. Man gebraucht dabei gar keine Zuſchlaͤge,
weil viele Schlakken Blei rauben. Die Bleie, welche von dieſen Friſchen fallen, wer-
den rein abgezogen und gereiniget, ſodann aber in Mulden ausgekelt, und noch einmal
geſeigert, worauf ſie dann verkauft werden.
§. 48.
Die Unart, die ſo genante Kraͤzze, die von dem Friſchen, dem Seigern und dem
Darren faͤllet, enthaͤlt noch Blei, Kupfer und Silber. Weil nun auch dieſe Metalle
zugutgemacht werden muͤſſen, die in der Kraͤz befindliche Bleie aber den gehoͤrigen
Teil des Silbers nicht in ſich faſſen koͤnnen, folglich noch viele Silber in den Werken
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Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767, S. 118. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767/138>, abgerufen am 23.02.2025.
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