sind von ganz geringem Belang. -- Wenn ein Bild des Gekreuzigten mit Heiligen und Donatoren, in der Academie von Venedig, auf feinea Leinwand gemalt, mit sehr sorgfältigen Köpfen, als "Martin En- gelbrecht" benannt wird, so hat man damit vielleicht Luca's Lehrer Cornelius Engelbrechtsen gemeint.
Vom ältesten Breughel besitzt das Museum von Neapel u. a.b zwei Temperabilder auf Leinwand; das eine, mit der Allegorie des von der "Welt" betrogenen Büssers, ist bezeichnet und von 1565 da- tirt; das andere stellt das Gleichniss von den Blinden dar. -- Von denjenigen niederländischen Zeitgenossen Breughels, welche zur italie- nischen Weise übergegangen waren, findet sich in Italien wenig Nen- nenswerthes oder es trägt die italienischen Namen der zu Grunde liegenden Originale. Mehrere der betreffenden Niederländer haben Copien und Pasticcio's nach Lionardo und Rafael geliefert, die man damals und später täuschend fand.
Eine ziemlich grosse Categorie machen diejenigen Bilder aus, welche ich in Ermanglung näherer Specialkenntniss als niederlän- disch-niederrheinische bezeichnen muss. Es ist derjenige, meist an die Behandlung des Quentin Messys erinnernde Styl, welcher in den Jahren 1510--1530 in verschiedenen Nuancen von Flandern bis nach Westfalen herrschte. Das schönste und reichste dieser Gemälde, im Museum von Neapel, Saal der Meisterwerke, ist eine grosse An-c betung des Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mönchen, Nonnen und einer Unzahl von Putten, unter prächtigen Renaissanceruinen mit reichem Durchblick, bez. 1512. (Das angebliche Monogramm AD ist darauf nicht zu finden, an Dürer nicht zu denken; die Behandlung am ehesten mit derjenigen des "Todes der Maria" in München zu ver- gleichen.) Dasselbe Museum enthält noch mehrere kleinere und eben-d falls werthvolle Bilder dieser Gattung. In der Brera zu Mailand eine dreitheiliges Bild (Geburt, Anbetung der Könige, und Ruhe auf der Flucht). Von einem etwas spätern, noch guten Meister derselben Richtung: die Anbetung des Kindes im Pal. Manfrin zu Venedig (alsf Dürer benannt). U. m. a. Zwei kleine Juwelen der Gal. Colonna zug Rom, Madonnen auf Goldgrund, umgeben von Rundbildern in Miniatur mit den Leiden und Freuden, wage ich nur als niederländisch um 1500 zu bezeichnen.
54*
Luca d’Olanda. Peter Breughel. Niederrheinländer.
sind von ganz geringem Belang. — Wenn ein Bild des Gekreuzigten mit Heiligen und Donatoren, in der Academie von Venedig, auf feinea Leinwand gemalt, mit sehr sorgfältigen Köpfen, als „Martin En- gelbrecht“ benannt wird, so hat man damit vielleicht Luca’s Lehrer Cornelius Engelbrechtsen gemeint.
Vom ältesten Breughel besitzt das Museum von Neapel u. a.b zwei Temperabilder auf Leinwand; das eine, mit der Allegorie des von der „Welt“ betrogenen Büssers, ist bezeichnet und von 1565 da- tirt; das andere stellt das Gleichniss von den Blinden dar. — Von denjenigen niederländischen Zeitgenossen Breughels, welche zur italie- nischen Weise übergegangen waren, findet sich in Italien wenig Nen- nenswerthes oder es trägt die italienischen Namen der zu Grunde liegenden Originale. Mehrere der betreffenden Niederländer haben Copien und Pasticcio’s nach Lionardo und Rafael geliefert, die man damals und später täuschend fand.
Eine ziemlich grosse Categorie machen diejenigen Bilder aus, welche ich in Ermanglung näherer Specialkenntniss als niederlän- disch-niederrheinische bezeichnen muss. Es ist derjenige, meist an die Behandlung des Quentin Messys erinnernde Styl, welcher in den Jahren 1510—1530 in verschiedenen Nuancen von Flandern bis nach Westfalen herrschte. Das schönste und reichste dieser Gemälde, im Museum von Neapel, Saal der Meisterwerke, ist eine grosse An-c betung des Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mönchen, Nonnen und einer Unzahl von Putten, unter prächtigen Renaissanceruinen mit reichem Durchblick, bez. 1512. (Das angebliche Monogramm AD ist darauf nicht zu finden, an Dürer nicht zu denken; die Behandlung am ehesten mit derjenigen des „Todes der Maria“ in München zu ver- gleichen.) Dasselbe Museum enthält noch mehrere kleinere und eben-d falls werthvolle Bilder dieser Gattung. In der Brera zu Mailand eine dreitheiliges Bild (Geburt, Anbetung der Könige, und Ruhe auf der Flucht). Von einem etwas spätern, noch guten Meister derselben Richtung: die Anbetung des Kindes im Pal. Manfrin zu Venedig (alsf Dürer benannt). U. m. a. Zwei kleine Juwelen der Gal. Colonna zug Rom, Madonnen auf Goldgrund, umgeben von Rundbildern in Miniatur mit den Leiden und Freuden, wage ich nur als niederländisch um 1500 zu bezeichnen.
54*
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0873"n="851"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b">Luca d’Olanda. Peter Breughel. Niederrheinländer.</hi></fw><lb/>
sind von ganz geringem Belang. — Wenn ein Bild des Gekreuzigten<lb/>
mit Heiligen und Donatoren, in der Academie von Venedig, auf feine<noteplace="right">a</note><lb/>
Leinwand gemalt, mit sehr sorgfältigen Köpfen, als „<hirendition="#g">Martin En-<lb/>
gelbrecht</hi>“ benannt wird, so hat man damit vielleicht Luca’s Lehrer<lb/>
Cornelius Engelbrechtsen gemeint.</p><lb/><p>Vom ältesten <hirendition="#g">Breughel</hi> besitzt das Museum von Neapel u. a.<noteplace="right">b</note><lb/>
zwei Temperabilder auf Leinwand; das eine, mit der Allegorie des<lb/>
von der „Welt“ betrogenen Büssers, ist bezeichnet und von 1565 da-<lb/>
tirt; das andere stellt das Gleichniss von den Blinden dar. — Von<lb/>
denjenigen niederländischen Zeitgenossen Breughels, welche zur italie-<lb/>
nischen Weise übergegangen waren, findet sich in Italien wenig Nen-<lb/>
nenswerthes oder es trägt die italienischen Namen der zu Grunde<lb/>
liegenden Originale. Mehrere der betreffenden Niederländer haben<lb/>
Copien und Pasticcio’s nach Lionardo und Rafael geliefert, die man<lb/>
damals und später täuschend fand.</p><lb/><p>Eine ziemlich grosse Categorie machen diejenigen Bilder aus,<lb/>
welche ich in Ermanglung näherer Specialkenntniss als <hirendition="#g">niederlän-<lb/>
disch-niederrheinische</hi> bezeichnen muss. Es ist derjenige, meist<lb/>
an die Behandlung des Quentin Messys erinnernde Styl, welcher in<lb/>
den Jahren 1510—1530 in verschiedenen Nuancen von Flandern bis<lb/>
nach Westfalen herrschte. Das schönste und reichste dieser Gemälde,<lb/>
im Museum von Neapel, Saal der Meisterwerke, ist eine grosse An-<noteplace="right">c</note><lb/>
betung des Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mönchen, Nonnen und<lb/>
einer Unzahl von Putten, unter prächtigen Renaissanceruinen mit<lb/>
reichem Durchblick, bez. 1512. (Das angebliche Monogramm AD ist<lb/>
darauf nicht zu finden, an Dürer nicht zu denken; die Behandlung am<lb/>
ehesten mit derjenigen des „Todes der Maria“ in München zu ver-<lb/>
gleichen.) Dasselbe Museum enthält noch mehrere kleinere und eben-<noteplace="right">d</note><lb/>
falls werthvolle Bilder dieser Gattung. In der Brera zu Mailand ein<noteplace="right">e</note><lb/>
dreitheiliges Bild (Geburt, Anbetung der Könige, und Ruhe auf der<lb/>
Flucht). Von einem etwas spätern, noch guten Meister derselben<lb/>
Richtung: die Anbetung des Kindes im Pal. Manfrin zu Venedig (als<noteplace="right">f</note><lb/>
Dürer benannt). U. m. a. Zwei kleine Juwelen der Gal. Colonna zu<noteplace="right">g</note><lb/>
Rom, Madonnen auf Goldgrund, umgeben von Rundbildern in Miniatur<lb/>
mit den Leiden und Freuden, wage ich nur als niederländisch um<lb/>
1500 zu bezeichnen.</p><lb/><fwplace="bottom"type="sig">54*</fw><lb/></div></body></text></TEI>
[851/0873]
Luca d’Olanda. Peter Breughel. Niederrheinländer.
sind von ganz geringem Belang. — Wenn ein Bild des Gekreuzigten
mit Heiligen und Donatoren, in der Academie von Venedig, auf feine
Leinwand gemalt, mit sehr sorgfältigen Köpfen, als „Martin En-
gelbrecht“ benannt wird, so hat man damit vielleicht Luca’s Lehrer
Cornelius Engelbrechtsen gemeint.
a
Vom ältesten Breughel besitzt das Museum von Neapel u. a.
zwei Temperabilder auf Leinwand; das eine, mit der Allegorie des
von der „Welt“ betrogenen Büssers, ist bezeichnet und von 1565 da-
tirt; das andere stellt das Gleichniss von den Blinden dar. — Von
denjenigen niederländischen Zeitgenossen Breughels, welche zur italie-
nischen Weise übergegangen waren, findet sich in Italien wenig Nen-
nenswerthes oder es trägt die italienischen Namen der zu Grunde
liegenden Originale. Mehrere der betreffenden Niederländer haben
Copien und Pasticcio’s nach Lionardo und Rafael geliefert, die man
damals und später täuschend fand.
b
Eine ziemlich grosse Categorie machen diejenigen Bilder aus,
welche ich in Ermanglung näherer Specialkenntniss als niederlän-
disch-niederrheinische bezeichnen muss. Es ist derjenige, meist
an die Behandlung des Quentin Messys erinnernde Styl, welcher in
den Jahren 1510—1530 in verschiedenen Nuancen von Flandern bis
nach Westfalen herrschte. Das schönste und reichste dieser Gemälde,
im Museum von Neapel, Saal der Meisterwerke, ist eine grosse An-
betung des Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mönchen, Nonnen und
einer Unzahl von Putten, unter prächtigen Renaissanceruinen mit
reichem Durchblick, bez. 1512. (Das angebliche Monogramm AD ist
darauf nicht zu finden, an Dürer nicht zu denken; die Behandlung am
ehesten mit derjenigen des „Todes der Maria“ in München zu ver-
gleichen.) Dasselbe Museum enthält noch mehrere kleinere und eben-
falls werthvolle Bilder dieser Gattung. In der Brera zu Mailand ein
dreitheiliges Bild (Geburt, Anbetung der Könige, und Ruhe auf der
Flucht). Von einem etwas spätern, noch guten Meister derselben
Richtung: die Anbetung des Kindes im Pal. Manfrin zu Venedig (als
Dürer benannt). U. m. a. Zwei kleine Juwelen der Gal. Colonna zu
Rom, Madonnen auf Goldgrund, umgeben von Rundbildern in Miniatur
mit den Leiden und Freuden, wage ich nur als niederländisch um
1500 zu bezeichnen.
c
d
e
f
g
54*
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Burckhardt, Jacob: Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens. Basel, 1855, S. 851. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/burckhardt_cicerone_1855/873>, abgerufen am 18.12.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.