Daß jeder Zweig sich wieder fünffach spitzt, So man denn allemal bey jedem Absatz spürt, Daß er sich immer mit fünf Nebenzweiglein ziert, Woran der Blumen Meng in solcher Ordnung sitzt, Daß, da sie aus fünf petalis bestehn, Sich aus denselben noch fünf stamina erhöhn. Man sieht, nach diesem Rang, an allen Seiten Der Blumen Büsche sich auf eine Art verbreiten, Daß sie fast alle rund, und oben alle flach, Wodurch sie dann, da sie in solcher Ordnung blühn, Die Augen auf sich ziehn. Man denke bloß allein nur dieser Ordnung nach, So wird man, daß sich nicht von ungefähr, Ein fast unzählbar Blumen-Heer, Jn solcher Ordnung müssen schicken, Gar leicht erblicken. Weil dieser Blumenbaum nun sehr gemein, Und in dem Blumenreich Derselben viele seyn: So wird so Blüht als Frucht, wie nütz und schön sie gleich, Doch leider wenig nur geachtet, Und von den wenigsten betrachtet. Mir aber kömmt er stets, als eine Zier, Und sonderbarer Schmuck von einer Landschaft für. Da wir nun überdem an dieser Blume Gaben, Jn Arzeneyen, uns so sehr zu freuen haben; So ist es billig, unserm Gott das Opfer unsrer Lust zu bringen; Und ihn, als einen weisen Schöpfer, auch bey dem Flieder, zu besingen.
Für
D 2
Der Flieder.
Daß jeder Zweig ſich wieder fuͤnffach ſpitzt, So man denn allemal bey jedem Abſatz ſpuͤrt, Daß er ſich immer mit fuͤnf Nebenzweiglein ziert, Woran der Blumen Meng in ſolcher Ordnung ſitzt, Daß, da ſie aus fuͤnf petalis beſtehn, Sich aus denſelben noch fuͤnf ſtamina erhoͤhn. Man ſieht, nach dieſem Rang, an allen Seiten Der Blumen Buͤſche ſich auf eine Art verbreiten, Daß ſie faſt alle rund, und oben alle flach, Wodurch ſie dann, da ſie in ſolcher Ordnung bluͤhn, Die Augen auf ſich ziehn. Man denke bloß allein nur dieſer Ordnung nach, So wird man, daß ſich nicht von ungefaͤhr, Ein faſt unzaͤhlbar Blumen-Heer, Jn ſolcher Ordnung muͤſſen ſchicken, Gar leicht erblicken. Weil dieſer Blumenbaum nun ſehr gemein, Und in dem Blumenreich Derſelben viele ſeyn: So wird ſo Bluͤht als Frucht, wie nuͤtz und ſchoͤn ſie gleich, Doch leider wenig nur geachtet, Und von den wenigſten betrachtet. Mir aber koͤmmt er ſtets, als eine Zier, Und ſonderbarer Schmuck von einer Landſchaft fuͤr. Da wir nun uͤberdem an dieſer Blume Gaben, Jn Arzeneyen, uns ſo ſehr zu freuen haben; So iſt es billig, unſerm Gott das Opfer unſrer Luſt zu bringen; Und ihn, als einen weiſen Schoͤpfer, auch bey dem Flieder, zu beſingen.
Fuͤr
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Der Flieder.
Daß jeder Zweig ſich wieder fuͤnffach ſpitzt,
So man denn allemal bey jedem Abſatz ſpuͤrt,
Daß er ſich immer mit fuͤnf Nebenzweiglein ziert,
Woran der Blumen Meng in ſolcher Ordnung ſitzt,
Daß, da ſie aus fuͤnf petalis beſtehn,
Sich aus denſelben noch fuͤnf ſtamina erhoͤhn.
Man ſieht, nach dieſem Rang, an allen Seiten
Der Blumen Buͤſche ſich auf eine Art verbreiten,
Daß ſie faſt alle rund, und oben alle flach,
Wodurch ſie dann, da ſie in ſolcher Ordnung bluͤhn,
Die Augen auf ſich ziehn.
Man denke bloß allein nur dieſer Ordnung nach,
So wird man, daß ſich nicht von ungefaͤhr,
Ein faſt unzaͤhlbar Blumen-Heer,
Jn ſolcher Ordnung muͤſſen ſchicken,
Gar leicht erblicken.
Weil dieſer Blumenbaum nun ſehr gemein,
Und in dem Blumenreich
Derſelben viele ſeyn:
So wird ſo Bluͤht als Frucht, wie nuͤtz und ſchoͤn ſie gleich,
Doch leider wenig nur geachtet,
Und von den wenigſten betrachtet.
Mir aber koͤmmt er ſtets, als eine Zier,
Und ſonderbarer Schmuck von einer Landſchaft fuͤr.
Da wir nun uͤberdem an dieſer Blume Gaben,
Jn Arzeneyen, uns ſo ſehr zu freuen haben;
So iſt es billig, unſerm Gott das Opfer unſrer Luſt zu bringen;
Und ihn, als einen weiſen Schoͤpfer, auch bey dem Flieder, zu
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Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 6. Hamburg, 1740, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen06_1740/75>, abgerufen am 24.11.2024.
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