So wol der Anfang, als der Schluß Des Vater Unsers, zeiget an, Daß, auch im Beten, jedermann Auf die Verherrlichung des Schöpfers gehen muß.
Es giebet Christus selbst den deutlichsten Bericht, Der je davon zu unsrer Kundschaft kame, Wenn er zu Anfang: Vater! spricht, Geheiligt werde stets dein Nahme! Wie kann nun GOttes Nahm' auf Erden Von uns doch mehr geheiligt werden, Als wenn wir, wie sein Werck so schön, Jn frölicher Betrachtung, sehn? Sein Reich wird wenigstens auch darin mit bestehn, Wenn wir, in seinem Werck, mit Lust, sein Lob erhöhn. Sein Wille wird zugleich, wenn dieß geschicht, geschehn. Auch unser täglich Brodt zeigt seiner Wercke Macht, Und wird, aus weiser Huld, von ihm hervorgebracht. Wenn Christus das Gebeth nun endlich schleußt; So finden wir noch mehr: indem es heißt: Denn es ist dein das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit Jn Ewigkeit. Es fährt am selben Ort Der HErr noch weiter fort, Und heißt in Lilien, da sie so schön, An Vögeln und am Gras' uns GOttes Allmacht sehn.
Ach
Erklaͤrung des Vater Unſers.
So wol der Anfang, als der Schluß Des Vater Unſers, zeiget an, Daß, auch im Beten, jedermann Auf die Verherrlichung des Schoͤpfers gehen muß.
Es giebet Chriſtus ſelbſt den deutlichſten Bericht, Der je davon zu unſrer Kundſchaft kame, Wenn er zu Anfang: Vater! ſpricht, Geheiligt werde ſtets dein Nahme! Wie kann nun GOttes Nahm’ auf Erden Von uns doch mehr geheiligt werden, Als wenn wir, wie ſein Werck ſo ſchoͤn, Jn froͤlicher Betrachtung, ſehn? Sein Reich wird wenigſtens auch darin mit beſtehn, Wenn wir, in ſeinem Werck, mit Luſt, ſein Lob erhoͤhn. Sein Wille wird zugleich, wenn dieß geſchicht, geſchehn. Auch unſer taͤglich Brodt zeigt ſeiner Wercke Macht, Und wird, aus weiſer Huld, von ihm hervorgebracht. Wenn Chriſtus das Gebeth nun endlich ſchleußt; So finden wir noch mehr: indem es heißt: Denn es iſt dein das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit Jn Ewigkeit. Es faͤhrt am ſelben Ort Der HErr noch weiter fort, Und heißt in Lilien, da ſie ſo ſchoͤn, An Voͤgeln und am Graſ’ uns GOttes Allmacht ſehn.
Ach
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Erklaͤrung des Vater Unſers.
So wol der Anfang, als der Schluß
Des Vater Unſers, zeiget an,
Daß, auch im Beten, jedermann
Auf die Verherrlichung des Schoͤpfers gehen muß.
Es giebet Chriſtus ſelbſt den deutlichſten Bericht,
Der je davon zu unſrer Kundſchaft kame,
Wenn er zu Anfang: Vater! ſpricht,
Geheiligt werde ſtets dein Nahme!
Wie kann nun GOttes Nahm’ auf Erden
Von uns doch mehr geheiligt werden,
Als wenn wir, wie ſein Werck ſo ſchoͤn,
Jn froͤlicher Betrachtung, ſehn?
Sein Reich wird wenigſtens auch darin mit beſtehn,
Wenn wir, in ſeinem Werck, mit Luſt, ſein Lob erhoͤhn.
Sein Wille wird zugleich, wenn dieß geſchicht, geſchehn.
Auch unſer taͤglich Brodt zeigt ſeiner Wercke Macht,
Und wird, aus weiſer Huld, von ihm hervorgebracht.
Wenn Chriſtus das Gebeth nun endlich ſchleußt;
So finden wir noch mehr: indem es heißt:
Denn es iſt dein das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit
Jn Ewigkeit. Es faͤhrt am ſelben Ort
Der HErr noch weiter fort,
Und heißt in Lilien, da ſie ſo ſchoͤn,
An Voͤgeln und am Graſ’ uns GOttes Allmacht ſehn.
Ach
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Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 5. Hamburg, 1736, S. 334. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen05_1736/350>, abgerufen am 16.02.2025.
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