sagt, daß der Büffel ein höchst tückisches und grimmiges Ansehen habe und Dies durch sein Betragen nicht Lügen strafe. Er versteckt sich wirklich hinter Bäume und lauert, bis man nahe kommt, dann schießt er plötzlich hervor und greift an. Noch nicht zufrieden, daß er ein Thier oder einen Menschen getödtet hat, zerstampft er ihn auch noch mit den Hufen und zerreißt ihn mit den Hörnern, ja, er kehrt sogar manchmal zurück, nachdem er eine Strecke fortgegangen ist, um von neuem gegen sein Opfer zu wüthen. Der berittene Jäger kann sich nur dann retten, wenn er ein gutes Pferd unter sich hat und eine Anhöhe erreicht, auf welche ihm das plumpe Thier nicht so schnell folgen kann. Wenn eine Herde angegriffen wird, schließt sie einen Kreis um die Kälber, um diese dadurch zu schützen. Die alten Büffel thun, als ob sie todbringende Wunden mit Leichtigkeit ertragen können. Ein Büffel, den Sparmann schoß, sank nach dem Schuß in die Knie, richtete sich aber bald wieder auf, lief in ein Gehölz, brüllte dort fürchterlich und verendete erst nach geraumer Zeit.
[Abbildung]
Der kafferische Büffel (Bubalus caffer).
Wie andere seiner Art wälzt sich auch der kafferische Büffel gern im Schlamme und liegt oft stun- denlang im Wasser. Mit seinen starken und breiten Hörnern kann er durch das dichteste Gebüsch dringen und sich selbst da Wege bahnen, wo sonst nur die Elefanten, Nilpferde und Nashörner die Wegbau- meister sind. Am blauen Nil nimmt er, wie mich seine Fährte überzeugte, vorzugsweise die von den Elefanten durch die Dickungen gebrochenen Wege an. Einige Berichterstatter behaupten, daß der kafferische Büssel nicht gut nach vorn sehen könne. Es soll oft vorkommen, daß Leute in geringer Entfernung gerade vor dem Büffel hergehen, ohne von ihm bemerkt zu werden, dagegen sich eines sofortigen Angriffes zu gewärtigen haben, wenn sie zur Seite gehen und dem Thiere dadurch ins Ge- sicht kommen. Die blinde Wuth der Büffel läßt sich auch an ganz Unschuldigen aus, und deshalb gelten die Thiere als die ungemüthlichsten aller Nachbarn, welche ein Afrikaner haben kann. Einem unauf-
Die Rinder. — Der kafferiſche Büffel.
ſagt, daß der Büffel ein höchſt tückiſches und grimmiges Anſehen habe und Dies durch ſein Betragen nicht Lügen ſtrafe. Er verſteckt ſich wirklich hinter Bäume und lauert, bis man nahe kommt, dann ſchießt er plötzlich hervor und greift an. Noch nicht zufrieden, daß er ein Thier oder einen Menſchen getödtet hat, zerſtampft er ihn auch noch mit den Hufen und zerreißt ihn mit den Hörnern, ja, er kehrt ſogar manchmal zurück, nachdem er eine Strecke fortgegangen iſt, um von neuem gegen ſein Opfer zu wüthen. Der berittene Jäger kann ſich nur dann retten, wenn er ein gutes Pferd unter ſich hat und eine Anhöhe erreicht, auf welche ihm das plumpe Thier nicht ſo ſchnell folgen kann. Wenn eine Herde angegriffen wird, ſchließt ſie einen Kreis um die Kälber, um dieſe dadurch zu ſchützen. Die alten Büffel thun, als ob ſie todbringende Wunden mit Leichtigkeit ertragen können. Ein Büffel, den Sparmann ſchoß, ſank nach dem Schuß in die Knie, richtete ſich aber bald wieder auf, lief in ein Gehölz, brüllte dort fürchterlich und verendete erſt nach geraumer Zeit.
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Der kafferiſche Büffel (Bubalus caffer).
Wie andere ſeiner Art wälzt ſich auch der kafferiſche Büffel gern im Schlamme und liegt oft ſtun- denlang im Waſſer. Mit ſeinen ſtarken und breiten Hörnern kann er durch das dichteſte Gebüſch dringen und ſich ſelbſt da Wege bahnen, wo ſonſt nur die Elefanten, Nilpferde und Nashörner die Wegbau- meiſter ſind. Am blauen Nil nimmt er, wie mich ſeine Fährte überzeugte, vorzugsweiſe die von den Elefanten durch die Dickungen gebrochenen Wege an. Einige Berichterſtatter behaupten, daß der kafferiſche Büſſel nicht gut nach vorn ſehen könne. Es ſoll oft vorkommen, daß Leute in geringer Entfernung gerade vor dem Büffel hergehen, ohne von ihm bemerkt zu werden, dagegen ſich eines ſofortigen Angriffes zu gewärtigen haben, wenn ſie zur Seite gehen und dem Thiere dadurch ins Ge- ſicht kommen. Die blinde Wuth der Büffel läßt ſich auch an ganz Unſchuldigen aus, und deshalb gelten die Thiere als die ungemüthlichſten aller Nachbarn, welche ein Afrikaner haben kann. Einem unauf-
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Die Rinder. — Der kafferiſche Büffel.
ſagt, daß der Büffel ein höchſt tückiſches und grimmiges Anſehen habe und Dies durch ſein Betragen
nicht Lügen ſtrafe. Er verſteckt ſich wirklich hinter Bäume und lauert, bis man nahe kommt, dann
ſchießt er plötzlich hervor und greift an. Noch nicht zufrieden, daß er ein Thier oder einen Menſchen
getödtet hat, zerſtampft er ihn auch noch mit den Hufen und zerreißt ihn mit den Hörnern, ja, er
kehrt ſogar manchmal zurück, nachdem er eine Strecke fortgegangen iſt, um von neuem gegen ſein
Opfer zu wüthen. Der berittene Jäger kann ſich nur dann retten, wenn er ein gutes Pferd unter
ſich hat und eine Anhöhe erreicht, auf welche ihm das plumpe Thier nicht ſo ſchnell folgen kann.
Wenn eine Herde angegriffen wird, ſchließt ſie einen Kreis um die Kälber, um dieſe dadurch zu
ſchützen. Die alten Büffel thun, als ob ſie todbringende Wunden mit Leichtigkeit ertragen können.
Ein Büffel, den Sparmann ſchoß, ſank nach dem Schuß in die Knie, richtete ſich aber bald wieder
auf, lief in ein Gehölz, brüllte dort fürchterlich und verendete erſt nach geraumer Zeit.
[Abbildung Der kafferiſche Büffel (Bubalus caffer).]
Wie andere ſeiner Art wälzt ſich auch der kafferiſche Büffel gern im Schlamme und liegt oft ſtun-
denlang im Waſſer. Mit ſeinen ſtarken und breiten Hörnern kann er durch das dichteſte Gebüſch dringen
und ſich ſelbſt da Wege bahnen, wo ſonſt nur die Elefanten, Nilpferde und Nashörner die Wegbau-
meiſter ſind. Am blauen Nil nimmt er, wie mich ſeine Fährte überzeugte, vorzugsweiſe die von
den Elefanten durch die Dickungen gebrochenen Wege an. Einige Berichterſtatter behaupten, daß
der kafferiſche Büſſel nicht gut nach vorn ſehen könne. Es ſoll oft vorkommen, daß Leute in geringer
Entfernung gerade vor dem Büffel hergehen, ohne von ihm bemerkt zu werden, dagegen ſich eines
ſofortigen Angriffes zu gewärtigen haben, wenn ſie zur Seite gehen und dem Thiere dadurch ins Ge-
ſicht kommen. Die blinde Wuth der Büffel läßt ſich auch an ganz Unſchuldigen aus, und deshalb gelten
die Thiere als die ungemüthlichſten aller Nachbarn, welche ein Afrikaner haben kann. Einem unauf-
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 2. Hildburghausen, 1865, S. 626. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben02_1865/658>, abgerufen am 23.11.2024.
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