Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 1. Hildburghausen, 1864.Die Affen. Hundsköpfe. -- Babuin. Schopfpavian. dieses dann mit Feuerschwamm anzündeten. Sie schrie gewöhnlich laut auf, wenn das Pulver auf-blitzte, und machte einen Satz, soweit ihr Strick es zuließ. Doch ließ sie sich derartige Schrecken nur einigemal gutwillig gefallen. Später war sie pfiffig genug, den brennenden Schwamm mit ihren Händen zu ersticken und so die Entzündung des Pulvers zu verhüten! Dann fraß sie dasselbe regel- mäßig auf, wahrscheinlich des salpeterigen Geschmackes wegen. Während des Winters bewohnte sie gewöhnlich den warmen Ziegenstall, trieb aber hier häufig [Abbildung]
Der Schopfpavian (Cynocephalus niger). thümern an. Hierbei benahm sie sich äußerst geschickt: sie faßte nämlich mit der einen Hand denEimer oder Kübel, mit der andern packte sie die Ziege an den Hörnern oder an dem um dieselbe ge- wundenen Stricke und hielt sie, während sie selber trank, soweit als möglich von sich ab. Wenn die Ziegen sie stießen, schrie sie laut auf und hing dann gewöhnlich im nächsten Augenblicke an dem Halse ihrer Gegnerin, um sie zu bestrafen. Sie verzehrte alles Genießbare, namentlich gern Kartoffeln, welche auch ihre Hauptspeise bildeten. Gewürzhafte Sämereien, zumal Kümmel, waren eine Leckerei für sie. Ganz abweichend von anderen Thieren, liebte sie auch den Tabak und noch mehr den Tabaksrauch und sperrte, wenn ich ihr denselben in das Gesicht blies, immer das Maul weit auf, um davon soviel als möglich einzuschlürfen. Dieselbe Beobachtung habe ich auch bei andern Die Affen. Hundsköpfe. — Babuin. Schopfpavian. dieſes dann mit Feuerſchwamm anzündeten. Sie ſchrie gewöhnlich laut auf, wenn das Pulver auf-blitzte, und machte einen Satz, ſoweit ihr Strick es zuließ. Doch ließ ſie ſich derartige Schrecken nur einigemal gutwillig gefallen. Später war ſie pfiffig genug, den brennenden Schwamm mit ihren Händen zu erſticken und ſo die Entzündung des Pulvers zu verhüten! Dann fraß ſie daſſelbe regel- mäßig auf, wahrſcheinlich des ſalpeterigen Geſchmackes wegen. Während des Winters bewohnte ſie gewöhnlich den warmen Ziegenſtall, trieb aber hier häufig [Abbildung]
Der Schopfpavian (Cynocephalus niger). thümern an. Hierbei benahm ſie ſich äußerſt geſchickt: ſie faßte nämlich mit der einen Hand denEimer oder Kübel, mit der andern packte ſie die Ziege an den Hörnern oder an dem um dieſelbe ge- wundenen Stricke und hielt ſie, während ſie ſelber trank, ſoweit als möglich von ſich ab. Wenn die Ziegen ſie ſtießen, ſchrie ſie laut auf und hing dann gewöhnlich im nächſten Augenblicke an dem Halſe ihrer Gegnerin, um ſie zu beſtrafen. Sie verzehrte alles Genießbare, namentlich gern Kartoffeln, welche auch ihre Hauptſpeiſe bildeten. Gewürzhafte Sämereien, zumal Kümmel, waren eine Leckerei für ſie. Ganz abweichend von anderen Thieren, liebte ſie auch den Tabak und noch mehr den Tabaksrauch und ſperrte, wenn ich ihr denſelben in das Geſicht blies, immer das Maul weit auf, um davon ſoviel als möglich einzuſchlürfen. Dieſelbe Beobachtung habe ich auch bei andern <TEI> <text> <body> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0144" n="88"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Die Affen.</hi> Hundsköpfe. — <hi rendition="#g">Babuin. Schopfpavian.</hi></fw><lb/> dieſes dann mit Feuerſchwamm anzündeten. Sie ſchrie gewöhnlich laut auf, wenn das Pulver auf-<lb/> blitzte, und machte einen Satz, ſoweit ihr Strick es zuließ. Doch ließ ſie ſich derartige Schrecken nur<lb/> einigemal gutwillig gefallen. Später war ſie pfiffig genug, den brennenden Schwamm mit ihren<lb/> Händen zu erſticken und ſo die Entzündung des Pulvers zu verhüten! Dann fraß ſie daſſelbe regel-<lb/> mäßig auf, wahrſcheinlich des ſalpeterigen Geſchmackes wegen.</p><lb/> <p>Während des Winters bewohnte ſie gewöhnlich den warmen Ziegenſtall, trieb aber hier häufig<lb/> Unfug, indem ſie Thüren aushob und ſo die Ziegen und Schweine befreite, Breter abdeckte und<lb/> andere derartige unerlaubte Dinge ausführte. Das eingemeiſchte Kleienfutter, welches die Ziegen<lb/> erhielten, fraß ſie leidenſchaftlich gern und fing deshalb oft Streit mit den rechtmäßigen Eigen-<lb/><figure><head><hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Der Schopfpavian</hi> (<hi rendition="#aq">Cynocephalus niger</hi>).</hi></head></figure><lb/> thümern an. Hierbei benahm ſie ſich äußerſt geſchickt: ſie faßte nämlich mit der einen Hand den<lb/> Eimer oder Kübel, mit der andern packte ſie die Ziege an den Hörnern oder an dem um dieſelbe ge-<lb/> wundenen Stricke und hielt ſie, während ſie ſelber trank, ſoweit als möglich von ſich ab. Wenn die<lb/> Ziegen ſie ſtießen, ſchrie ſie laut auf und hing dann gewöhnlich im nächſten Augenblicke an dem Halſe<lb/> ihrer Gegnerin, um ſie zu beſtrafen. Sie verzehrte alles Genießbare, namentlich gern Kartoffeln,<lb/> welche auch ihre Hauptſpeiſe bildeten. Gewürzhafte Sämereien, zumal Kümmel, waren eine Leckerei<lb/> für ſie. Ganz abweichend von anderen Thieren, liebte ſie auch den Tabak und noch mehr den<lb/> Tabaksrauch und ſperrte, wenn ich ihr denſelben in das Geſicht blies, immer das Maul weit<lb/> auf, um davon ſoviel als möglich einzuſchlürfen. Dieſelbe Beobachtung habe ich auch bei andern<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [88/0144]
Die Affen. Hundsköpfe. — Babuin. Schopfpavian.
dieſes dann mit Feuerſchwamm anzündeten. Sie ſchrie gewöhnlich laut auf, wenn das Pulver auf-
blitzte, und machte einen Satz, ſoweit ihr Strick es zuließ. Doch ließ ſie ſich derartige Schrecken nur
einigemal gutwillig gefallen. Später war ſie pfiffig genug, den brennenden Schwamm mit ihren
Händen zu erſticken und ſo die Entzündung des Pulvers zu verhüten! Dann fraß ſie daſſelbe regel-
mäßig auf, wahrſcheinlich des ſalpeterigen Geſchmackes wegen.
Während des Winters bewohnte ſie gewöhnlich den warmen Ziegenſtall, trieb aber hier häufig
Unfug, indem ſie Thüren aushob und ſo die Ziegen und Schweine befreite, Breter abdeckte und
andere derartige unerlaubte Dinge ausführte. Das eingemeiſchte Kleienfutter, welches die Ziegen
erhielten, fraß ſie leidenſchaftlich gern und fing deshalb oft Streit mit den rechtmäßigen Eigen-
[Abbildung Der Schopfpavian (Cynocephalus niger).]
thümern an. Hierbei benahm ſie ſich äußerſt geſchickt: ſie faßte nämlich mit der einen Hand den
Eimer oder Kübel, mit der andern packte ſie die Ziege an den Hörnern oder an dem um dieſelbe ge-
wundenen Stricke und hielt ſie, während ſie ſelber trank, ſoweit als möglich von ſich ab. Wenn die
Ziegen ſie ſtießen, ſchrie ſie laut auf und hing dann gewöhnlich im nächſten Augenblicke an dem Halſe
ihrer Gegnerin, um ſie zu beſtrafen. Sie verzehrte alles Genießbare, namentlich gern Kartoffeln,
welche auch ihre Hauptſpeiſe bildeten. Gewürzhafte Sämereien, zumal Kümmel, waren eine Leckerei
für ſie. Ganz abweichend von anderen Thieren, liebte ſie auch den Tabak und noch mehr den
Tabaksrauch und ſperrte, wenn ich ihr denſelben in das Geſicht blies, immer das Maul weit
auf, um davon ſoviel als möglich einzuſchlürfen. Dieſelbe Beobachtung habe ich auch bei andern
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