wenn wir auch diese späte Nachmittagsstunde vollständig dafür ausnutzen sollten".
Ich erinnere mich einer sehr lebhaften Berathung im Jahre 1848, wo eins der Mitglieder sagte: M. H.! wir müssen die sociale Frage lösen, und wenn wir die ganze Nacht hindurch sitzen sollten bis zum Morgen.
Dann wird gesagt, eine Ursache des Zunehmens der Vaga- bondage liege darin, daß die Innungen aufgehört haben und keine feste Ordnung im Handwerk sei u. s. w.
Niemals aber war die Vagabondage größer, als zur Zeit der mit prohibitiven Rechten ausgestatteten Zünfte, welche die Leute am Zuzug und am Arbeiten hinderten, und dadurch zwangen, zu "vaciren". Die Zünfte, diese so viel bewunderte ständische oder corporative Gliederung, für die ja heutzutage die sogenannten "staatserhaltenden Kräfte" schwärmen, konnten nicht allein die Vagabondage nicht hindern, sondern im Gegen- theil, die Vagabunden gründeten selbst auch eine Zunft, nämlich die Zunft der "fahrenden Leute". Sie organisirten sich ebenfalls, und die Zünfte der "unehrlichen" Leute hatten ebenso ihre Cor- porative Verfassung wie die Zünfte der sogenannten "ehrlichen" Leute.
Ich verweise Sie auf das ebenso lehrreiche als unterhaltende Büchlein von Dr. Otto Beneke in Hamburg "Von unehrlichen Leuten, culturhistorische Studien und Geschichten aus vergange- nen Tagen deutscher Gewerbe und Dienste", (Hamburg 1863).
Niemals waren die vacirenden, vagirenden und vagabun- direnden Handwerksburschen auf Straßen und Herbergen zahl- reicher, als zur Zeit der dem Untergange geweihten Zünfte. Man denke nur an das schöne Lied:
"Was das Fechten gewinnt Durch die Gurgel rinnt." etc. etc.
aus dem "Lumpacivagabundus", das bekanntlich noch aus der "guten alten Zeit" stammt, wo die Gebundenheit und Unfreiheit florirte und man von der "liberalen Gesetzgebung" noch nichts wußte.
Dann macht Hr. Strosser vortreffliche Bemerkungen über das Institut des Pastors Bodelschwingh, dessen ich bereits in ver- dienten Ehren gedacht habe.
wenn wir auch diese späte Nachmittagsstunde vollständig dafür ausnutzen sollten».
Ich erinnere mich einer sehr lebhaften Berathung im Jahre 1848, wo eins der Mitglieder sagte: M. H.! wir müssen die sociale Frage lösen, und wenn wir die ganze Nacht hindurch sitzen sollten bis zum Morgen.
Dann wird gesagt, eine Ursache des Zunehmens der Vaga- bondage liege darin, daß die Innungen aufgehört haben und keine feste Ordnung im Handwerk sei u. s. w.
Niemals aber war die Vagabondage größer, als zur Zeit der mit prohibitiven Rechten ausgestatteten Zünfte, welche die Leute am Zuzug und am Arbeiten hinderten, und dadurch zwangen, zu «vaciren». Die Zünfte, diese so viel bewunderte ständische oder corporative Gliederung, für die ja heutzutage die sogenannten «staatserhaltenden Kräfte» schwärmen, konnten nicht allein die Vagabondage nicht hindern, sondern im Gegen- theil, die Vagabunden gründeten selbst auch eine Zunft, nämlich die Zunft der «fahrenden Leute». Sie organisirten sich ebenfalls, und die Zünfte der «unehrlichen» Leute hatten ebenso ihre Cor- porative Verfassung wie die Zünfte der sogenannten «ehrlichen» Leute.
Ich verweise Sie auf das ebenso lehrreiche als unterhaltende Büchlein von Dr. Otto Beneke in Hamburg «Von unehrlichen Leuten, culturhistorische Studien und Geschichten aus vergange- nen Tagen deutscher Gewerbe und Dienste», (Hamburg 1863).
Niemals waren die vacirenden, vagirenden und vagabun- direnden Handwerksburschen auf Straßen und Herbergen zahl- reicher, als zur Zeit der dem Untergange geweihten Zünfte. Man denke nur an das schöne Lied:
«Was das Fechten gewinnt Durch die Gurgel rinnt.» etc. etc.
aus dem «Lumpacivagabundus», das bekanntlich noch aus der «guten alten Zeit» stammt, wo die Gebundenheit und Unfreiheit florirte und man von der «liberalen Gesetzgebung» noch nichts wußte.
Dann macht Hr. Strosser vortreffliche Bemerkungen über das Institut des Pastors Bodelschwingh, dessen ich bereits in ver- dienten Ehren gedacht habe.
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Ich erinnere mich einer sehr lebhaften Berathung im Jahre
1848, wo eins der Mitglieder sagte: M. H.! wir müssen die sociale
Frage lösen, und wenn wir die ganze Nacht hindurch sitzen
sollten bis zum Morgen.
Dann wird gesagt, eine Ursache des Zunehmens der Vaga-
bondage liege darin, daß die Innungen aufgehört haben und
keine feste Ordnung im Handwerk sei u. s. w.
Niemals aber war die Vagabondage größer, als zur Zeit
der mit prohibitiven Rechten ausgestatteten Zünfte, welche die
Leute am Zuzug und am Arbeiten hinderten, und dadurch
zwangen, zu «vaciren». Die Zünfte, diese so viel bewunderte
ständische oder corporative Gliederung, für die ja heutzutage
die sogenannten «staatserhaltenden Kräfte» schwärmen, konnten
nicht allein die Vagabondage nicht hindern, sondern im Gegen-
theil, die Vagabunden gründeten selbst auch eine Zunft, nämlich
die Zunft der «fahrenden Leute». Sie organisirten sich ebenfalls,
und die Zünfte der «unehrlichen» Leute hatten ebenso ihre Cor-
porative Verfassung wie die Zünfte der sogenannten «ehrlichen»
Leute.
Ich verweise Sie auf das ebenso lehrreiche als unterhaltende
Büchlein von Dr. Otto Beneke in Hamburg «Von unehrlichen
Leuten, culturhistorische Studien und Geschichten aus vergange-
nen Tagen deutscher Gewerbe und Dienste», (Hamburg 1863).
Niemals waren die vacirenden, vagirenden und vagabun-
direnden Handwerksburschen auf Straßen und Herbergen zahl-
reicher, als zur Zeit der dem Untergange geweihten Zünfte. Man
denke nur an das schöne Lied:
«Was das Fechten gewinnt
Durch die Gurgel rinnt.»
etc. etc.
aus dem «Lumpacivagabundus», das bekanntlich noch aus der
«guten alten Zeit» stammt, wo die Gebundenheit und Unfreiheit
florirte und man von der «liberalen Gesetzgebung» noch nichts
wußte.
Dann macht Hr. Strosser vortreffliche Bemerkungen über
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Braun, Karl: Die Vagabundenfrage. Berlin, 1883, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/braun_vagabundenfrage_1883/31>, abgerufen am 23.02.2025.
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