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Santa Clara, Abraham a: Grammatica Religiosa, Oder Geistliche Tugend-Schul. Köln, 1699.

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Die andere Geistliche Lection.
wirds versehen. Werffe weit von dir alle unördentliche Sorgfalt
über die zukünfftige Begebenheiten/ und gedencke/ daß sothane/ wie-
wohl grosse Ubel/ zu höchster Ehren GOttes/ und zu Offenbah-
rung der Göttlichen Urtheilen gereichen können. Auch must du wissen/
daß dieses alles die jenige/ so mit Andacht auff GOTT vertrauen/
oder von dem Wust ihrer Sünden reinige; oder zu Erhaltung Christli-
cher Tugenden/ denselben beförderlich seye; oder ihnen zu weit grösserer
Glory und ewigen Seeligkeit den Weeg bereite. So wende dich dann
in allen diesen Elendts-Wirbelen zu der Göttlichen Mildigkeit; hof-
fe und vertraue/ daß alle diese durch GOttes Zulassung über dich ent-
standene Ubel zu reichlicherer Hoffnung deines geistlichen Gedeyens und
Nutzens dir dienen werden. Wann du nun dieses fleissig wirst gehalten
haben/ so hast du das Böse in das Gute verwandelt; und wirst ohne
Zweiffel auch keine Wällen der schädlichen Unruhe mehr zu förchten haben;
Krafft deren viele von einigen Felsen der Armbseeligkeit zu dem anderen
geworffen und getrieben werden. Merckestu nun wie grosse und wichtige
Güter von dieser Tugend herrühren? welche du aber auß folgenden Bey-
spielen klärlicher verstehen wirst.

Der andere Theil.
Thom.
Kemp. l.
1. c.
29.

DA einer zum öfftern ängstig/ und von den Wällen der Forcht und
Hoffnung gleich einem Schifflein hin- und wieder getrieben wor-
den/ hat er sich einsmals mit Traurigkeit umbgeben/ vor einem
Altar zu betten niedergeworffen/ und folgender Gestalt mit sich selbsten
geredet: Ach möchte ich wissen/ ob ich in meinem angefangenen Standt
verharren würde? und siehe/ alsbald ist er innerlich dieser Göttlichen
Antwort gewürdiget worden: Wann du das wustes/ was wol-
testu thun: thue nun/ was du alsdann thun woltest/
und also wirstu sicher genug seyn.
Zur Stund ist dieser hierab
getröstet und gestärcket worden/ hat sich dem Willen. GOttes ergeben/
ist von dem ängstigen wancken befreyet worden/ und hat hinführo nicht
mehr vorwitziglich wollen nachforschen/ was ihme ins künfftig widerfahren
würde; sondern hat sich mehr beflissen in Erfahrung zu kommen/ wie er
sich in allen guten Wercken immer nach dem Willen GOttes am besten
richten möchte. Auß welchem genugsamb zu schliessen ist/ daß wir nicht
frevendlieh sollen durchsuchen/ was uns künfftiglich begegnen werde/ son-
dern daß man in allem der Göttlichen Majestät traue/ daß sie uns als ein

aller-

Die andere Geiſtliche Lection.
wirds verſehen. Werffe weit von dir alle unoͤrdentliche Sorgfalt
uͤber die zukuͤnfftige Begebenheiten/ und gedencke/ daß ſothane/ wie-
wohl groſſe Ubel/ zu hoͤchſter Ehren GOttes/ und zu Offenbah-
rung der Goͤttlichen Urtheilen gereichen koͤnnen. Auch muſt du wiſſen/
daß dieſes alles die jenige/ ſo mit Andacht auff GOTT vertrauen/
oder von dem Wuſt ihrer Suͤnden reinige; oder zu Erhaltung Chriſtli-
cher Tugenden/ denſelben befoͤrderlich ſeye; oder ihnen zu weit groͤſſerer
Glory und ewigen Seeligkeit den Weeg bereite. So wende dich dann
in allen dieſen Elendts-Wirbelen zu der Goͤttlichen Mildigkeit; hof-
fe und vertraue/ daß alle dieſe durch GOttes Zulaſſung uͤber dich ent-
ſtandene Ubel zu reichlicherer Hoffnung deines geiſtlichen Gedeyens und
Nutzens dir dienen werden. Wann du nun dieſes fleiſſig wirſt gehalten
haben/ ſo haſt du das Boͤſe in das Gute verwandelt; und wirſt ohne
Zweiffel auch keine Waͤllen der ſchaͤdlichen Unruhe mehr zu foͤrchten haben;
Krafft deren viele von einigen Felſen der Armbſeeligkeit zu dem anderen
geworffen und getrieben werden. Merckeſtu nun wie groſſe und wichtige
Guͤter von dieſer Tugend herruͤhren? welche du aber auß folgenden Bey-
ſpielen klaͤrlicher verſtehen wirſt.

Der andere Theil.
Thom.
Kemp. l.
1. c.
29.

DA einer zum oͤfftern aͤngſtig/ und von den Waͤllen der Forcht und
Hoffnung gleich einem Schifflein hin- und wieder getrieben wor-
den/ hat er ſich einsmals mit Traurigkeit umbgeben/ vor einem
Altar zu betten niedergeworffen/ und folgender Geſtalt mit ſich ſelbſten
geredet: Ach moͤchte ich wiſſen/ ob ich in meinem angefangenen Standt
verharren wuͤrde? und ſiehe/ alsbald iſt er innerlich dieſer Goͤttlichen
Antwort gewuͤrdiget worden: Wann du das wůſtes/ was wol-
teſtu thun: thue nun/ was du alsdann thun wolteſt/
und alſo wirſtu ſicher genug ſeyn.
Zur Stund iſt dieſer hierab
getroͤſtet und geſtaͤrcket worden/ hat ſich dem Willen. GOttes ergeben/
iſt von dem aͤngſtigen wancken befreyet worden/ und hat hinfuͤhro nicht
mehr vorwitziglich wollen nachforſchen/ was ihme ins kuͤnfftig widerfahren
wuͤrde; ſondern hat ſich mehr befliſſen in Erfahrung zu kommen/ wie er
ſich in allen guten Wercken immer nach dem Willen GOttes am beſten
richten moͤchte. Auß welchem genugſamb zu ſchlieſſen iſt/ daß wir nicht
frevendlieh ſollen durchſuchen/ was uns kuͤnfftiglich begegnen werde/ ſon-
dern daß man in allem der Goͤttlichen Majeſtaͤt traue/ daß ſie uns als ein

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[18/0046] Die andere Geiſtliche Lection. wirds verſehen. Werffe weit von dir alle unoͤrdentliche Sorgfalt uͤber die zukuͤnfftige Begebenheiten/ und gedencke/ daß ſothane/ wie- wohl groſſe Ubel/ zu hoͤchſter Ehren GOttes/ und zu Offenbah- rung der Goͤttlichen Urtheilen gereichen koͤnnen. Auch muſt du wiſſen/ daß dieſes alles die jenige/ ſo mit Andacht auff GOTT vertrauen/ oder von dem Wuſt ihrer Suͤnden reinige; oder zu Erhaltung Chriſtli- cher Tugenden/ denſelben befoͤrderlich ſeye; oder ihnen zu weit groͤſſerer Glory und ewigen Seeligkeit den Weeg bereite. So wende dich dann in allen dieſen Elendts-Wirbelen zu der Goͤttlichen Mildigkeit; hof- fe und vertraue/ daß alle dieſe durch GOttes Zulaſſung uͤber dich ent- ſtandene Ubel zu reichlicherer Hoffnung deines geiſtlichen Gedeyens und Nutzens dir dienen werden. Wann du nun dieſes fleiſſig wirſt gehalten haben/ ſo haſt du das Boͤſe in das Gute verwandelt; und wirſt ohne Zweiffel auch keine Waͤllen der ſchaͤdlichen Unruhe mehr zu foͤrchten haben; Krafft deren viele von einigen Felſen der Armbſeeligkeit zu dem anderen geworffen und getrieben werden. Merckeſtu nun wie groſſe und wichtige Guͤter von dieſer Tugend herruͤhren? welche du aber auß folgenden Bey- ſpielen klaͤrlicher verſtehen wirſt. Der andere Theil. DA einer zum oͤfftern aͤngſtig/ und von den Waͤllen der Forcht und Hoffnung gleich einem Schifflein hin- und wieder getrieben wor- den/ hat er ſich einsmals mit Traurigkeit umbgeben/ vor einem Altar zu betten niedergeworffen/ und folgender Geſtalt mit ſich ſelbſten geredet: Ach moͤchte ich wiſſen/ ob ich in meinem angefangenen Standt verharren wuͤrde? und ſiehe/ alsbald iſt er innerlich dieſer Goͤttlichen Antwort gewuͤrdiget worden: Wann du das wůſtes/ was wol- teſtu thun: thue nun/ was du alsdann thun wolteſt/ und alſo wirſtu ſicher genug ſeyn. Zur Stund iſt dieſer hierab getroͤſtet und geſtaͤrcket worden/ hat ſich dem Willen. GOttes ergeben/ iſt von dem aͤngſtigen wancken befreyet worden/ und hat hinfuͤhro nicht mehr vorwitziglich wollen nachforſchen/ was ihme ins kuͤnfftig widerfahren wuͤrde; ſondern hat ſich mehr befliſſen in Erfahrung zu kommen/ wie er ſich in allen guten Wercken immer nach dem Willen GOttes am beſten richten moͤchte. Auß welchem genugſamb zu ſchlieſſen iſt/ daß wir nicht frevendlieh ſollen durchſuchen/ was uns kuͤnfftiglich begegnen werde/ ſon- dern daß man in allem der Goͤttlichen Majeſtaͤt traue/ daß ſie uns als ein aller-

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Zitationshilfe: Santa Clara, Abraham a: Grammatica Religiosa, Oder Geistliche Tugend-Schul. Köln, 1699, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santaclara_grammatica_1699/46>, abgerufen am 12.05.2021.