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Allgemeine Zeitung. Nr. 13. Augsburg, 13. Januar 1840.

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Großbritannien.

Der Courier berichtet in zuversichtlichem Tone: "Der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und seine beiden Prinzen werden am 20 Jan. im Buckinghampalast eintreffen, und die Vermählung der Königin wird am 10 Februar stattfinden." - Nicht Lord A. Paget, wie der M. Herald angab, sondern ein anderer Stallmeister Ihrer Majestät, der ehrenwerthe Obrist Grey, soll den Befehl haben, sich zur Abholung des erlauchten Bräutigams bereit zu halten. - Wie es scheint, werden die Engländer zu Ehren der Hochzeit ihrer Königin seidene Bänder oder Binden tragen. Die Bandfabricanten von Coventry sind an Ihre Maj. mit der Bitte eingekommen, die Farbe zu bestimmen, worauf Victoria Lilienweiß oder sogenanntes Englisch-Weiß wählte.

Prinz Wilhelm August Eduard von Sachsen-Weimar (Sohn Sr. Hoh. des Herzogs Karl Bernhard in den Niederlanden) ist aus dem Haag zum Besuch bei der Königin-Wittwe in Marlborough-House angekommen.

Im Ministerium des Auswärtigen fand heute (6) ein Cabinetsrath statt.

Ein Sonntagsblatt sagt: "Lord Palmerston wird gleich nach Eröffnung des Parlaments zur Pairswürde erhoben werden und aus dem Cabinet austreten, um dem Grafen v. Clarendon im Staatssecretariat des Auswärtigen Platz zu machen, vorausgesetzt nämlich, daß die Whigs am Ruder bleiben."

Den so eben veröffentlichten amtlichen Tabellen über die Staatseinkünfte des am 5 Januar abgelaufenen Etatsquartals zufolge ergibt sich für das ganze Jahr 1839, im Vergleich mit dem vorhergehenden, eine Revenuenzunahme von 824,395 Pf. St.; dagegen im Vergleich mit dem entsprechenden letzten Vierteljahr 1838 ein Ausfall von 342,245 Pf. Derselbe trifft hauptsächlich mit 200,789 Pf.) auf die Rubrik Accise, während hingegen [in] den Zöllen sich eine Zunahme von 55,687 Pf. ausweist. Die Torypresse ist natürlich bereit, dieses Deficit zu Gunsten ihrer Parteizwecke gegen die Regierung auszubeuten, und das Sonntagsblatt Age hatte vorausgesagt, der Ausfall werde so stark seyn, daß selbst Lord Bergkrähe (Mountcrow - so verdrehen die Tories den stolzen Pairstitel Mounteagle, Bergadler, des weiland Hrn. Spring Rice) geäußert habe, das sey "past Baring" (nicht zu ertragen.) Der M. Herald ist indeß billig genug, zu bemerken: "Wir müssen gestehen, daß der Ausfall geringer ist, als wir befürchtet hatten, auch glauben wir, daß man darum nicht zu verzagen braucht. Bedenkt man die Handelsklemme des Landes und die nothwendigen Folgen einer ungünstigen Jahresperiode, so liegt vielmehr in dem geringen Betrag des Ausfalles der beste Grund, dem Lande zu seiner unermüdlichen Energie und seinen ungeschwächten Hülfsquellen Glück zu wünschen." - Der Standard bemerkt: "Ein verhältnißmäßig großer Theil des Deficits trifft auf die Postgefälle, nämlich 14,000 Pf. Man vergesse nicht, daß dieser Ausfall sich in der kurzen Frist von 23 Tagen ergeben hat, so daß man die Abnahme dieses Revenuenzweigs für das Vierteljahr wohl auf 52,500 Pf. anschlagen darf. Es soll uns freuen, wenn die Penny-Panacee dieses Ergebniß whiggischer Finanzverwaltung heilt. Zu dem großen Ausfall in der Accise scheint der Theetotalismus wesentlich mitgewirkt zu haben. Die Abnahme der Trunksucht in Irland ist unzweifelhaft eine Wohlthat, die Pater Mathew seinem Heimathland erzeigt hat, wenn es gleich auf Kosten der Staatseinkünfte geschah. Aber haben seine theologisch-politischen Verbündeten, die O'Connell-Minister, das vorausgesehen?"

In den letzten Tagen haben, wie das vor Parlamentseröffnungen gewöhnlich ist, mehrere Wählerschaften im Land ihren Repräsentanten Festmahle gegeben; so unter andern die liberalen Wähler von Wolverhampton ihren Mitgliedern HH. Thorneley und Villiers (letzterer der jüngere Bruder des Grafen v. Clarendon). Die Versammlung, unter der sich auch Dr. Bowring befand, war sehr zahlreich und glänzend. Mehrere Eingeladene, wie die HH. Hume, O'Connell und Sir William Molesworth, hatten Entschuldigungsbriefe geschrieben. Der Spectator, der, wie alle englischen radicalen Blätter, seit längerer Zeit auf dem ministeriellen irischen Agitator schlecht zu sprechen ist, bemerkt spottend: "O'Connells Brief voll herablassender Gönnerschaft muß die Wähler von Wolverhampton sehr ergötzt haben, besonders aber Hrn. Villiers, der nachgerade den Kopf in die Höhe halten darf, denn Daniel hat ihn für einen redlichen Mann und hoffnungsvollen Parlamentsredner erklärt." Hr. Villiers äußerte in seiner Rede unter Anderm: "Man hat mich einen Feind der Staatskirche genannt, weil ich mit Dissentern freundlich verkehre; aber gewiß kein noch so eifriger Dissenter zeigt solche Feindseligkeit gegen die Kirche, wie ihre vorgeblichen Freunde, die sie zum Schauplatz eines ekelhaften Haders um ganz andere als geistliche Dinge machen, sie zum Vehikel für die armseligsten Leidenschaften und persönlichen Gehässigkeiten herabwürdigen. Ich bin ein Glied der bischöflichen Kirche, und wünsche, daß sie unsere Staatskirche


Großbritannien.

Der Courier berichtet in zuversichtlichem Tone: „Der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und seine beiden Prinzen werden am 20 Jan. im Buckinghampalast eintreffen, und die Vermählung der Königin wird am 10 Februar stattfinden.“ – Nicht Lord A. Paget, wie der M. Herald angab, sondern ein anderer Stallmeister Ihrer Majestät, der ehrenwerthe Obrist Grey, soll den Befehl haben, sich zur Abholung des erlauchten Bräutigams bereit zu halten. – Wie es scheint, werden die Engländer zu Ehren der Hochzeit ihrer Königin seidene Bänder oder Binden tragen. Die Bandfabricanten von Coventry sind an Ihre Maj. mit der Bitte eingekommen, die Farbe zu bestimmen, worauf Victoria Lilienweiß oder sogenanntes Englisch-Weiß wählte.

Prinz Wilhelm August Eduard von Sachsen-Weimar (Sohn Sr. Hoh. des Herzogs Karl Bernhard in den Niederlanden) ist aus dem Haag zum Besuch bei der Königin-Wittwe in Marlborough-House angekommen.

Im Ministerium des Auswärtigen fand heute (6) ein Cabinetsrath statt.

Ein Sonntagsblatt sagt: „Lord Palmerston wird gleich nach Eröffnung des Parlaments zur Pairswürde erhoben werden und aus dem Cabinet austreten, um dem Grafen v. Clarendon im Staatssecretariat des Auswärtigen Platz zu machen, vorausgesetzt nämlich, daß die Whigs am Ruder bleiben.“

Den so eben veröffentlichten amtlichen Tabellen über die Staatseinkünfte des am 5 Januar abgelaufenen Etatsquartals zufolge ergibt sich für das ganze Jahr 1839, im Vergleich mit dem vorhergehenden, eine Revenuenzunahme von 824,395 Pf. St.; dagegen im Vergleich mit dem entsprechenden letzten Vierteljahr 1838 ein Ausfall von 342,245 Pf. Derselbe trifft hauptsächlich mit 200,789 Pf.) auf die Rubrik Accise, während hingegen [in] den Zöllen sich eine Zunahme von 55,687 Pf. ausweist. Die Torypresse ist natürlich bereit, dieses Deficit zu Gunsten ihrer Parteizwecke gegen die Regierung auszubeuten, und das Sonntagsblatt Age hatte vorausgesagt, der Ausfall werde so stark seyn, daß selbst Lord Bergkrähe (Mountcrow – so verdrehen die Tories den stolzen Pairstitel Mounteagle, Bergadler, des weiland Hrn. Spring Rice) geäußert habe, das sey „past Baring“ (nicht zu ertragen.) Der M. Herald ist indeß billig genug, zu bemerken: „Wir müssen gestehen, daß der Ausfall geringer ist, als wir befürchtet hatten, auch glauben wir, daß man darum nicht zu verzagen braucht. Bedenkt man die Handelsklemme des Landes und die nothwendigen Folgen einer ungünstigen Jahresperiode, so liegt vielmehr in dem geringen Betrag des Ausfalles der beste Grund, dem Lande zu seiner unermüdlichen Energie und seinen ungeschwächten Hülfsquellen Glück zu wünschen.“ – Der Standard bemerkt: „Ein verhältnißmäßig großer Theil des Deficits trifft auf die Postgefälle, nämlich 14,000 Pf. Man vergesse nicht, daß dieser Ausfall sich in der kurzen Frist von 23 Tagen ergeben hat, so daß man die Abnahme dieses Revenuenzweigs für das Vierteljahr wohl auf 52,500 Pf. anschlagen darf. Es soll uns freuen, wenn die Penny-Panacee dieses Ergebniß whiggischer Finanzverwaltung heilt. Zu dem großen Ausfall in der Accise scheint der Theetotalismus wesentlich mitgewirkt zu haben. Die Abnahme der Trunksucht in Irland ist unzweifelhaft eine Wohlthat, die Pater Mathew seinem Heimathland erzeigt hat, wenn es gleich auf Kosten der Staatseinkünfte geschah. Aber haben seine theologisch-politischen Verbündeten, die O'Connell-Minister, das vorausgesehen?“

In den letzten Tagen haben, wie das vor Parlamentseröffnungen gewöhnlich ist, mehrere Wählerschaften im Land ihren Repräsentanten Festmahle gegeben; so unter andern die liberalen Wähler von Wolverhampton ihren Mitgliedern HH. Thorneley und Villiers (letzterer der jüngere Bruder des Grafen v. Clarendon). Die Versammlung, unter der sich auch Dr. Bowring befand, war sehr zahlreich und glänzend. Mehrere Eingeladene, wie die HH. Hume, O'Connell und Sir William Molesworth, hatten Entschuldigungsbriefe geschrieben. Der Spectator, der, wie alle englischen radicalen Blätter, seit längerer Zeit auf dem ministeriellen irischen Agitator schlecht zu sprechen ist, bemerkt spottend: „O'Connells Brief voll herablassender Gönnerschaft muß die Wähler von Wolverhampton sehr ergötzt haben, besonders aber Hrn. Villiers, der nachgerade den Kopf in die Höhe halten darf, denn Daniel hat ihn für einen redlichen Mann und hoffnungsvollen Parlamentsredner erklärt.“ Hr. Villiers äußerte in seiner Rede unter Anderm: „Man hat mich einen Feind der Staatskirche genannt, weil ich mit Dissentern freundlich verkehre; aber gewiß kein noch so eifriger Dissenter zeigt solche Feindseligkeit gegen die Kirche, wie ihre vorgeblichen Freunde, die sie zum Schauplatz eines ekelhaften Haders um ganz andere als geistliche Dinge machen, sie zum Vehikel für die armseligsten Leidenschaften und persönlichen Gehässigkeiten herabwürdigen. Ich bin ein Glied der bischöflichen Kirche, und wünsche, daß sie unsere Staatskirche

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[0097/0001] Großbritannien. London, 6 Jan Der Courier berichtet in zuversichtlichem Tone: „Der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und seine beiden Prinzen werden am 20 Jan. im Buckinghampalast eintreffen, und die Vermählung der Königin wird am 10 Februar stattfinden.“ – Nicht Lord A. Paget, wie der M. Herald angab, sondern ein anderer Stallmeister Ihrer Majestät, der ehrenwerthe Obrist Grey, soll den Befehl haben, sich zur Abholung des erlauchten Bräutigams bereit zu halten. – Wie es scheint, werden die Engländer zu Ehren der Hochzeit ihrer Königin seidene Bänder oder Binden tragen. Die Bandfabricanten von Coventry sind an Ihre Maj. mit der Bitte eingekommen, die Farbe zu bestimmen, worauf Victoria Lilienweiß oder sogenanntes Englisch-Weiß wählte. Prinz Wilhelm August Eduard von Sachsen-Weimar (Sohn Sr. Hoh. des Herzogs Karl Bernhard in den Niederlanden) ist aus dem Haag zum Besuch bei der Königin-Wittwe in Marlborough-House angekommen. Im Ministerium des Auswärtigen fand heute (6) ein Cabinetsrath statt. Ein Sonntagsblatt sagt: „Lord Palmerston wird gleich nach Eröffnung des Parlaments zur Pairswürde erhoben werden und aus dem Cabinet austreten, um dem Grafen v. Clarendon im Staatssecretariat des Auswärtigen Platz zu machen, vorausgesetzt nämlich, daß die Whigs am Ruder bleiben.“ Den so eben veröffentlichten amtlichen Tabellen über die Staatseinkünfte des am 5 Januar abgelaufenen Etatsquartals zufolge ergibt sich für das ganze Jahr 1839, im Vergleich mit dem vorhergehenden, eine Revenuenzunahme von 824,395 Pf. St.; dagegen im Vergleich mit dem entsprechenden letzten Vierteljahr 1838 ein Ausfall von 342,245 Pf. Derselbe trifft hauptsächlich mit 200,789 Pf.) auf die Rubrik Accise, während hingegen in den Zöllen sich eine Zunahme von 55,687 Pf. ausweist. Die Torypresse ist natürlich bereit, dieses Deficit zu Gunsten ihrer Parteizwecke gegen die Regierung auszubeuten, und das Sonntagsblatt Age hatte vorausgesagt, der Ausfall werde so stark seyn, daß selbst Lord Bergkrähe (Mountcrow – so verdrehen die Tories den stolzen Pairstitel Mounteagle, Bergadler, des weiland Hrn. Spring Rice) geäußert habe, das sey „past Baring“ (nicht zu ertragen.) Der M. Herald ist indeß billig genug, zu bemerken: „Wir müssen gestehen, daß der Ausfall geringer ist, als wir befürchtet hatten, auch glauben wir, daß man darum nicht zu verzagen braucht. Bedenkt man die Handelsklemme des Landes und die nothwendigen Folgen einer ungünstigen Jahresperiode, so liegt vielmehr in dem geringen Betrag des Ausfalles der beste Grund, dem Lande zu seiner unermüdlichen Energie und seinen ungeschwächten Hülfsquellen Glück zu wünschen.“ – Der Standard bemerkt: „Ein verhältnißmäßig großer Theil des Deficits trifft auf die Postgefälle, nämlich 14,000 Pf. Man vergesse nicht, daß dieser Ausfall sich in der kurzen Frist von 23 Tagen ergeben hat, so daß man die Abnahme dieses Revenuenzweigs für das Vierteljahr wohl auf 52,500 Pf. anschlagen darf. Es soll uns freuen, wenn die Penny-Panacee dieses Ergebniß whiggischer Finanzverwaltung heilt. Zu dem großen Ausfall in der Accise scheint der Theetotalismus wesentlich mitgewirkt zu haben. Die Abnahme der Trunksucht in Irland ist unzweifelhaft eine Wohlthat, die Pater Mathew seinem Heimathland erzeigt hat, wenn es gleich auf Kosten der Staatseinkünfte geschah. Aber haben seine theologisch-politischen Verbündeten, die O'Connell-Minister, das vorausgesehen?“ In den letzten Tagen haben, wie das vor Parlamentseröffnungen gewöhnlich ist, mehrere Wählerschaften im Land ihren Repräsentanten Festmahle gegeben; so unter andern die liberalen Wähler von Wolverhampton ihren Mitgliedern HH. Thorneley und Villiers (letzterer der jüngere Bruder des Grafen v. Clarendon). Die Versammlung, unter der sich auch Dr. Bowring befand, war sehr zahlreich und glänzend. Mehrere Eingeladene, wie die HH. Hume, O'Connell und Sir William Molesworth, hatten Entschuldigungsbriefe geschrieben. Der Spectator, der, wie alle englischen radicalen Blätter, seit längerer Zeit auf dem ministeriellen irischen Agitator schlecht zu sprechen ist, bemerkt spottend: „O'Connells Brief voll herablassender Gönnerschaft muß die Wähler von Wolverhampton sehr ergötzt haben, besonders aber Hrn. Villiers, der nachgerade den Kopf in die Höhe halten darf, denn Daniel hat ihn für einen redlichen Mann und hoffnungsvollen Parlamentsredner erklärt.“ Hr. Villiers äußerte in seiner Rede unter Anderm: „Man hat mich einen Feind der Staatskirche genannt, weil ich mit Dissentern freundlich verkehre; aber gewiß kein noch so eifriger Dissenter zeigt solche Feindseligkeit gegen die Kirche, wie ihre vorgeblichen Freunde, die sie zum Schauplatz eines ekelhaften Haders um ganz andere als geistliche Dinge machen, sie zum Vehikel für die armseligsten Leidenschaften und persönlichen Gehässigkeiten herabwürdigen. Ich bin ein Glied der bischöflichen Kirche, und wünsche, daß sie unsere Staatskirche

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 13. Augsburg, 13. Januar 1840, S. 0097. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_013_18400113/1>, abgerufen am 19.08.2022.