Dabei war der Hochofen Nr. I über fünf Jahre in Betrieb und hatte über 650 Kilotonnen Roheisen mit einem Koksaufwande von
[Formel 1]
erzeugt.
Die Herstellung von Hartgussrädern, die in Amerika auch für Eisenbahnfahrzeuge verwendet wurden, bildete eine umfangreiche Industrie, die viele Werke (Car Wheels Companies) ausschliesslich beschäftigte 1). Der Guss wurde in eisernen Formen (Coquillen) aus- geführt, und besonders hatten die von J. M. Barr in Milwaukee erfundenen Formen mit Ringkanälen zur Abkühlung (A. P. 411369) Verbreitung gefunden.
Die anfangs günstige Entwickelung der amerikanischen Eisen- industrie führte rasch zu einer Überproduktion, so dass bereits Ende des Jahres 1895 wieder ein Rückgang eintrat. Aus Swanks Führer durch die Eisen- und Stahlwerke der Vereinigten Staaten von 1896 ist zu ersehen, dass die Zahl der betriebsfähigen Hochöfen auf 469 gesunken, ihre Leistungsfähigkeit aber auf 17651615 Tonnen gestiegen war. 1876 zählte man 713 Hochöfen, deren Leistungsfähigkeit 4934158 Tonnen betrug. Die Erzeugung eines Ofens hat sich also in 20 Jahren von 6920 Tonnen auf 37636 Tonnen gesteigert. Von den 469 Hoch- öfen waren noch 96 für Holzkohlenbetrieb bestimmt. 10 neue Kokshochöfen waren im Bau begriffen, darunter vier in Duquesne von der Carnegie Stahlgesellschaft von den grössten Dimensionen. Die Zahl der Puddelöfen war von 1894 bis 1896 von 4715 auf 4408 zurückgegangen. Die Zahl der Bessemerwerke hatte um fünf, die Zahl der Martinstahlwerke um acht zugenommen. Die Zahl der Martin- öfen für Stahlguss war in den zwei Jahren von 28 auf 35 gestiegen. Thomasstahl wurde im Januar 1896 von keinem Werke gemacht. Die Zahl der Weissblechfabriken betrug 69. Mit der direkten Darstellung von schmiedbarem Eisen aus den Erzen beschäftigten sich nur noch 23 Anlagen.
Von den Holzkohlenhochöfen erzielte (nach einem Reisebericht Odelstjernas) der der Ashland Eisen- und Stahlgesellschaft ge- hörige Hinkle-Ofen von 18,3 m Höhe und 3,66 m Kohlensackweite bei einer Windpressung von 285 mm Quecksilber bis zu 125 Tonnen Roh- eisen in 24 Stunden, allerdings aus Erzen von 64 Prozent Eisengehalt. Der Kohlenaufwand betrug
[Formel 2]
. Der Verbrauch an Naturgas in der Eisenindustrie war seit 1888 gesunken, entsprach aber 1893 immer
1) Stahl und Eisen 1895, S. 1050.
Vereinigte Staaten von Nordamerika.
Dabei war der Hochofen Nr. I über fünf Jahre in Betrieb und hatte über 650 Kilotonnen Roheisen mit einem Koksaufwande von
[Formel 1]
erzeugt.
Die Herstellung von Hartguſsrädern, die in Amerika auch für Eisenbahnfahrzeuge verwendet wurden, bildete eine umfangreiche Industrie, die viele Werke (Car Wheels Companies) ausschlieſslich beschäftigte 1). Der Guſs wurde in eisernen Formen (Coquillen) aus- geführt, und besonders hatten die von J. M. Barr in Milwaukee erfundenen Formen mit Ringkanälen zur Abkühlung (A. P. 411369) Verbreitung gefunden.
Die anfangs günstige Entwickelung der amerikanischen Eisen- industrie führte rasch zu einer Überproduktion, so daſs bereits Ende des Jahres 1895 wieder ein Rückgang eintrat. Aus Swanks Führer durch die Eisen- und Stahlwerke der Vereinigten Staaten von 1896 ist zu ersehen, daſs die Zahl der betriebsfähigen Hochöfen auf 469 gesunken, ihre Leistungsfähigkeit aber auf 17651615 Tonnen gestiegen war. 1876 zählte man 713 Hochöfen, deren Leistungsfähigkeit 4934158 Tonnen betrug. Die Erzeugung eines Ofens hat sich also in 20 Jahren von 6920 Tonnen auf 37636 Tonnen gesteigert. Von den 469 Hoch- öfen waren noch 96 für Holzkohlenbetrieb bestimmt. 10 neue Kokshochöfen waren im Bau begriffen, darunter vier in Duquesne von der Carnegie Stahlgesellschaft von den gröſsten Dimensionen. Die Zahl der Puddelöfen war von 1894 bis 1896 von 4715 auf 4408 zurückgegangen. Die Zahl der Bessemerwerke hatte um fünf, die Zahl der Martinstahlwerke um acht zugenommen. Die Zahl der Martin- öfen für Stahlguſs war in den zwei Jahren von 28 auf 35 gestiegen. Thomasstahl wurde im Januar 1896 von keinem Werke gemacht. Die Zahl der Weiſsblechfabriken betrug 69. Mit der direkten Darstellung von schmiedbarem Eisen aus den Erzen beschäftigten sich nur noch 23 Anlagen.
Von den Holzkohlenhochöfen erzielte (nach einem Reisebericht Odelstjernas) der der Ashland Eisen- und Stahlgesellschaft ge- hörige Hinkle-Ofen von 18,3 m Höhe und 3,66 m Kohlensackweite bei einer Windpressung von 285 mm Quecksilber bis zu 125 Tonnen Roh- eisen in 24 Stunden, allerdings aus Erzen von 64 Prozent Eisengehalt. Der Kohlenaufwand betrug
[Formel 2]
. Der Verbrauch an Naturgas in der Eisenindustrie war seit 1888 gesunken, entsprach aber 1893 immer
1) Stahl und Eisen 1895, S. 1050.
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Vereinigte Staaten von Nordamerika.
Dabei war der Hochofen Nr. I über fünf Jahre in Betrieb und hatte
über 650 Kilotonnen Roheisen mit einem Koksaufwande von [FORMEL]
erzeugt.
Die Herstellung von Hartguſsrädern, die in Amerika auch für
Eisenbahnfahrzeuge verwendet wurden, bildete eine umfangreiche
Industrie, die viele Werke (Car Wheels Companies) ausschlieſslich
beschäftigte 1). Der Guſs wurde in eisernen Formen (Coquillen) aus-
geführt, und besonders hatten die von J. M. Barr in Milwaukee
erfundenen Formen mit Ringkanälen zur Abkühlung (A. P. 411369)
Verbreitung gefunden.
Die anfangs günstige Entwickelung der amerikanischen Eisen-
industrie führte rasch zu einer Überproduktion, so daſs bereits Ende
des Jahres 1895 wieder ein Rückgang eintrat. Aus Swanks Führer
durch die Eisen- und Stahlwerke der Vereinigten Staaten von 1896 ist zu
ersehen, daſs die Zahl der betriebsfähigen Hochöfen auf 469 gesunken,
ihre Leistungsfähigkeit aber auf 17651615 Tonnen gestiegen war.
1876 zählte man 713 Hochöfen, deren Leistungsfähigkeit 4934158
Tonnen betrug. Die Erzeugung eines Ofens hat sich also in 20 Jahren
von 6920 Tonnen auf 37636 Tonnen gesteigert. Von den 469 Hoch-
öfen waren noch 96 für Holzkohlenbetrieb bestimmt. 10 neue
Kokshochöfen waren im Bau begriffen, darunter vier in Duquesne
von der Carnegie Stahlgesellschaft von den gröſsten Dimensionen.
Die Zahl der Puddelöfen war von 1894 bis 1896 von 4715 auf 4408
zurückgegangen. Die Zahl der Bessemerwerke hatte um fünf, die Zahl
der Martinstahlwerke um acht zugenommen. Die Zahl der Martin-
öfen für Stahlguſs war in den zwei Jahren von 28 auf 35 gestiegen.
Thomasstahl wurde im Januar 1896 von keinem Werke gemacht. Die
Zahl der Weiſsblechfabriken betrug 69. Mit der direkten Darstellung
von schmiedbarem Eisen aus den Erzen beschäftigten sich nur noch
23 Anlagen.
Von den Holzkohlenhochöfen erzielte (nach einem Reisebericht
Odelstjernas) der der Ashland Eisen- und Stahlgesellschaft ge-
hörige Hinkle-Ofen von 18,3 m Höhe und 3,66 m Kohlensackweite
bei einer Windpressung von 285 mm Quecksilber bis zu 125 Tonnen Roh-
eisen in 24 Stunden, allerdings aus Erzen von 64 Prozent Eisengehalt.
Der Kohlenaufwand betrug [FORMEL]. Der Verbrauch an Naturgas in der
Eisenindustrie war seit 1888 gesunken, entsprach aber 1893 immer
1) Stahl und Eisen 1895, S. 1050.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 5: Das XIX. Jahrhundert von 1860 bis zum Schluss. Braunschweig, 1903, S. 1306. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen05_1903/1322>, abgerufen am 23.11.2024.
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