Hammer, um sie zu zängen und zu recken wie Eisen. Man hält den Herd so frei von Schlacke wie nur möglich. Ein Zusatz von Salz oder salzigen Substanzen, thierischen Abfällen oder Holzkohlenstaub verbessert den Stahl. Um feinen Stahl zu machen, nimmt man den so bereiteten und cementiert ihn in derselben Weise, wie gewöhnlicher Stahl aus Stabeisen gemacht wird."
Richard Jesson nahm mehrere Patente für die Stabeisen- bereitung mit Steinkohle. Das erste vom 30. Oktober 1773 erhielt Jesson zusammen mit John Wright für die Darstellung von weichem Eisen aus Roheisen (pig or sow metal) oder Gusseisen und aus Schaleneisen (scull and cinder iron) oder anderem Gusswerk mit roher Kohle oder Koks und einem Gebläse. Die erhaltenen Luppen werden heiss unter einem Stempel oder Hammer in Platten aus- geschlagen, welche, wenn sie kalt geworden sind, in kleine Stücke zerbrochen werden, um den Staub und die schweflige Masse, welche das Metall aus den Kohlen aufgenommen haben können, abzuscheiden. Hierauf werden diese Stücke noch völlig von Unreinigkeiten gereinigt, entweder mit der Hand oder in Scheuertonnen. Alsdann erhitzten die Erfinder die gereinigten Stücke in einem Flammofen, in Tiegeln oder sonstwie und schmiedeten sie dann von einem Reckherd (chafery) in der gewöhnlichen Weise wie bei der Schmiedeeisen- bereitung aus. Wenn das Eisen aber rot oder kaltbrüchig ist, so wird es unter Zusatz von Schrotteisen (scrap iron or nutt iron) in Thontiegeln in einem Flammofen erhitzt und dann erst, wie zuvor erwähnt, ausgereckt.
Am 14. November 1783 erhielt Richard Jesson ein neues Patent für denselben Zweck und folgendes Verfahren: Guss- oder Schaleneisen wird in einem Frischherd erhitzt mit Gebläse, aber ohne Flüsse oder Aufgüsse (infusions). Die erhaltenen Metallklumpen werden heiss in Platten oder sonstige Formen ausgeschmiedet. Diese werden in Haufen (Garben -- piles) oder sonstwie, aber ohne Tiegel oder Gefässe, in einem kleinen, für diesen Zweck erbauten Ofen erhitzt und darauf in Stücke von Schmiedeeisen in einer oder mehreren Hitzen mit oder ohne Reckherd ausgeschmiedet. -- Kleine Brocken des Metalls, welche bei dem Hämmern abfallen, können in Tiegeln oder Gefässen oder ohne diese in einem Flamm- ofen, wenn rot oder kaltbrüchig unter Zusatz von Schrott erhitzt und dadurch in gutes Schmiedeeisen verwandelt werden. Dieses Ver- fahren finden wir zum Teil bei der Südwalesschen Frischschmiede in Anwendung.
Frischfeuer 1775 bis 1800.
Hammer, um sie zu zängen und zu recken wie Eisen. Man hält den Herd so frei von Schlacke wie nur möglich. Ein Zusatz von Salz oder salzigen Substanzen, thierischen Abfällen oder Holzkohlenstaub verbessert den Stahl. Um feinen Stahl zu machen, nimmt man den so bereiteten und cementiert ihn in derselben Weise, wie gewöhnlicher Stahl aus Stabeisen gemacht wird.“
Richard Jesson nahm mehrere Patente für die Stabeisen- bereitung mit Steinkohle. Das erste vom 30. Oktober 1773 erhielt Jesson zusammen mit John Wright für die Darstellung von weichem Eisen aus Roheisen (pig or sow metal) oder Guſseisen und aus Schaleneisen (scull and cinder iron) oder anderem Guſswerk mit roher Kohle oder Koks und einem Gebläse. Die erhaltenen Luppen werden heiſs unter einem Stempel oder Hammer in Platten aus- geschlagen, welche, wenn sie kalt geworden sind, in kleine Stücke zerbrochen werden, um den Staub und die schweflige Masse, welche das Metall aus den Kohlen aufgenommen haben können, abzuscheiden. Hierauf werden diese Stücke noch völlig von Unreinigkeiten gereinigt, entweder mit der Hand oder in Scheuertonnen. Alsdann erhitzten die Erfinder die gereinigten Stücke in einem Flammofen, in Tiegeln oder sonstwie und schmiedeten sie dann von einem Reckherd (chafery) in der gewöhnlichen Weise wie bei der Schmiedeeisen- bereitung aus. Wenn das Eisen aber rot oder kaltbrüchig ist, so wird es unter Zusatz von Schrotteisen (scrap iron or nutt iron) in Thontiegeln in einem Flammofen erhitzt und dann erst, wie zuvor erwähnt, ausgereckt.
Am 14. November 1783 erhielt Richard Jesson ein neues Patent für denselben Zweck und folgendes Verfahren: Guſs- oder Schaleneisen wird in einem Frischherd erhitzt mit Gebläse, aber ohne Flüsse oder Aufgüsse (infusions). Die erhaltenen Metallklumpen werden heiſs in Platten oder sonstige Formen ausgeschmiedet. Diese werden in Haufen (Garben — piles) oder sonstwie, aber ohne Tiegel oder Gefäſse, in einem kleinen, für diesen Zweck erbauten Ofen erhitzt und darauf in Stücke von Schmiedeeisen in einer oder mehreren Hitzen mit oder ohne Reckherd ausgeschmiedet. — Kleine Brocken des Metalls, welche bei dem Hämmern abfallen, können in Tiegeln oder Gefäſsen oder ohne diese in einem Flamm- ofen, wenn rot oder kaltbrüchig unter Zusatz von Schrott erhitzt und dadurch in gutes Schmiedeeisen verwandelt werden. Dieses Ver- fahren finden wir zum Teil bei der Südwalesschen Frischschmiede in Anwendung.
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Frischfeuer 1775 bis 1800.
Hammer, um sie zu zängen und zu recken wie Eisen. Man hält den
Herd so frei von Schlacke wie nur möglich. Ein Zusatz von Salz
oder salzigen Substanzen, thierischen Abfällen oder Holzkohlenstaub
verbessert den Stahl. Um feinen Stahl zu machen, nimmt man den so
bereiteten und cementiert ihn in derselben Weise, wie gewöhnlicher
Stahl aus Stabeisen gemacht wird.“
Richard Jesson nahm mehrere Patente für die Stabeisen-
bereitung mit Steinkohle. Das erste vom 30. Oktober 1773 erhielt
Jesson zusammen mit John Wright für die Darstellung von
weichem Eisen aus Roheisen (pig or sow metal) oder Guſseisen und
aus Schaleneisen (scull and cinder iron) oder anderem Guſswerk mit
roher Kohle oder Koks und einem Gebläse. Die erhaltenen Luppen
werden heiſs unter einem Stempel oder Hammer in Platten aus-
geschlagen, welche, wenn sie kalt geworden sind, in kleine Stücke
zerbrochen werden, um den Staub und die schweflige Masse, welche
das Metall aus den Kohlen aufgenommen haben können, abzuscheiden.
Hierauf werden diese Stücke noch völlig von Unreinigkeiten gereinigt,
entweder mit der Hand oder in Scheuertonnen. Alsdann erhitzten
die Erfinder die gereinigten Stücke in einem Flammofen, in Tiegeln
oder sonstwie und schmiedeten sie dann von einem Reckherd
(chafery) in der gewöhnlichen Weise wie bei der Schmiedeeisen-
bereitung aus. Wenn das Eisen aber rot oder kaltbrüchig ist, so
wird es unter Zusatz von Schrotteisen (scrap iron or nutt iron) in
Thontiegeln in einem Flammofen erhitzt und dann erst, wie zuvor
erwähnt, ausgereckt.
Am 14. November 1783 erhielt Richard Jesson ein neues
Patent für denselben Zweck und folgendes Verfahren: Guſs- oder
Schaleneisen wird in einem Frischherd erhitzt mit Gebläse, aber ohne
Flüsse oder Aufgüsse (infusions). Die erhaltenen Metallklumpen
werden heiſs in Platten oder sonstige Formen ausgeschmiedet. Diese
werden in Haufen (Garben — piles) oder sonstwie, aber ohne
Tiegel oder Gefäſse, in einem kleinen, für diesen Zweck erbauten
Ofen erhitzt und darauf in Stücke von Schmiedeeisen in einer
oder mehreren Hitzen mit oder ohne Reckherd ausgeschmiedet. —
Kleine Brocken des Metalls, welche bei dem Hämmern abfallen,
können in Tiegeln oder Gefäſsen oder ohne diese in einem Flamm-
ofen, wenn rot oder kaltbrüchig unter Zusatz von Schrott erhitzt
und dadurch in gutes Schmiedeeisen verwandelt werden. Dieses Ver-
fahren finden wir zum Teil bei der Südwalesschen Frischschmiede in
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 3: Das XVIII. Jahrhundert. Braunschweig, 1897, S. 672. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen03_1897/686>, abgerufen am 25.11.2024.
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