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Bauller, Johann Jacob: Hell-Polirter Laster-Spiegel. Ulm, 1681.

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von der eigenen Raach.
begangen Unrecht und Frevel/ moͤge nach Anweiſung der Rechten geſtrafft
werden: Dann die Obrigkeit iſt von GOtt geſetzt/ zur Rach der Ubelthaͤter. 1.
Petr. 2. Dieſe Rach der ordentlichen Obrigkeit wird nicht verbotten/ S.
Paulus redet auch allhie davon nicht/ ſondern er ſagt von der Privat- und ei-
genen Rach/ wie er dann außtrucklich ſpricht: Raͤchet euch ſelber nicht/ dann
auch die Begierde zu raͤchen verbotten iſt/ keiner ſoll ſich laſſen geluſten/ kei-
ner ſoll begehren/ ſich an ſeinem Naͤchſten ſelbſten eigenthaͤtiger Weiſe zu
raͤchen.

Was ſoll man dann thun/ wann der Naͤchſte ſich an uns vergriffen/ uns
Unrecht und Schaden gethan hat? S. Paulus ſagt: Gebt Raum dem Zorn
GOttes. Jn ſeiner Sprach ſagt der Apoſtel: Gebet Raum dem Zorn:
Verſtehet aber nicht den verbottenen Menſchlichen Privat-Zorn/ ob ſolte ein
Chriſt demſelben bey ſich Raum/ Statt und Platz geben/ den Zorn halten/ und
bey ſich einwurtzlen laſſen/ nein/ ſondern wie es die nachfolgende Wort mit ſich
bringen/ ſo verſteht S. Paulus den Zorn Gottes/ darum hat D. Luther recht/
das Woͤrtlein GOttes/ in Parentheſin eingeſchloſſen/ beygeſetzt/ daß es heiſſt:
Gebt Raum dem Zorn (GOTTES) das iſt/ befehlet die Rach GOtt dem
HErꝛn/ verzeihet und vergebet euerem Naͤchſten/ und ſtellet alles Gott heim/
den laſſet richten/ ſchalten und walten/ wie Er will. Warum aber das?

Dann es ſtehet geſchrieben/ nemlich 5. Moſ. 32. Die Rach iſt mein/
Jch will vergelten/ ſpricht der HErr. GOtt hat ihm ſelbſten dieſes
Stuck allein vorbehalten/ die Rach gebuͤhret Jhm und keinem Menſchen/ das
iſt ſein Regale, darein laͤſſt er ihm nicht greiffen/ laͤſſts ihm auch nicht nehmen/
die Rach iſt mein/ nicht dein/ ſagt er/ Jch will vergelten. Hiemit ver-
ſpricht GOtt der HErꝛ denen/ die Unrecht leiden/ ſie ſollen ſich nur zufrieden
geben/ die ſollen nicht ungeſtrafft bleiben/ die ihnen Schaden gethan haben/
Er ſelber woll es ihnen/ zu rechter Zeit/ mit voller Maß redlich vergelten/ wie
ſie es verdienet haben. So dann GOtt der HErꝛ ſelber Rach uͤben/ und den
Naͤchſten um ſein Verbrechen ſtraffen will/ was haben wir dann Mangels/
was wollen wir weiters? Wir koͤnnen ihm nicht beſſer thun/ als/ daß wirs
dem HErꝛn dem gerechten Richter und Raͤcher heimſtellen und befehlen.

Lehr.

BEy dieſen erklaͤrten Worten haben wir von einem andern Laſter zu re-
den/ das auch eigentlich auf den Naͤchſten ſihet und gehet/ das heiſſt
Vindicta privata, die eigene Rach oder Rachgierigkeit/ daß ſich ein
jeder Chriſt davor huͤten/ und ſich an ſeinem Naͤchſten nicht eigenthaͤ-
tiger Weiſe raͤchen ſolle. Und das ſoll geſchehen vornemlich um nachfolgen-
der ſieben Urſachen willen:

I. Soll
S s s s s s 2

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Zitationshilfe: Bauller, Johann Jacob: Hell-Polirter Laster-Spiegel. Ulm, 1681. , S. 1059. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bauller_lasterspiegel_1681/1129>, abgerufen am 26.02.2025.