Avé-Lallemant, Friedrich Christian Benedikt: Das Deutsche Gaunerthum. Bd. 1. Leipzig, 1858.la Pointe, la Faverie, la Fontaine u. A. ganz Frankreich in 1) Nach Thomasius ("Diss. de cingaris", §. 69), hatten auch die Schwe-
den ein Corps Zigeuner. Vgl. Grellmann, a. a. O., S. 130. la Pointe, la Faverie, la Fontaine u. A. ganz Frankreich in 1) Nach Thomaſius („Diss. de cingaris“, §. 69), hatten auch die Schwe-
den ein Corps Zigeuner. Vgl. Grellmann, a. a. O., S. 130. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0089" n="73"/> la Pointe, la Faverie, la Fontaine u. A. ganz Frankreich in<lb/> Schrecken ſetzten; wie ihre Verbindungen weit nach Spanien, Eng-<lb/> land, Holland und Deutſchland reichten; wie ſie ſo lange Zeit in<lb/> der Vorſtadt St.-Germain ungeſtört ihre Centralvereinigung haben,<lb/> und von hier aus die beiſpielloſeſten Unternehmungen leiten und<lb/> ausführen konnten. So tauchen in der erſten Hälfte des 17. Jahr-<lb/> hunderts eine Unzahl berüchtigter Gaunernamen auf, von denen<lb/> jeder der Held eines von allen Unthaten befleckten Räuberlebens<lb/> iſt, wie Rochetaille, Carfour, la Fleure, de la Viegne, Grillon,<lb/> Poſtel, Lachaſſine, Maillard, l’Escluſe, Foreſtier, Garandin, Pa-<lb/> lioly, Arpalin u. A. Den Wechſel jener franzöſiſchen Gauner<lb/> von Frankreich aus nach Spanien, England, und vor allem nach<lb/> Deutſchland hinein, lernt man vorzüglich aus dem reichhaltigen<lb/> „Schauplatz der Betrüger“, kennen, ſodaß man auch in dieſen<lb/> Zeitperioden deutlich den dauernden Fortbeſtand des Gaunerthums<lb/> wahrnehmen und ſeinen Zuſammenhang mit der neueſten Zeit<lb/> hiſtoriſch nachweiſen kann. Gerade durch die Werbungen Wal-<lb/> lenſtein’s wurde recht offenbar gemacht, wie viel Geſindel aller Orten<lb/> in Deutſchland verbreitet, und wie groß die politiſche und ſittliche<lb/> Noth in Deutſchland war. Kaum mag es irgendeinen treffen-<lb/> dern Beweis für die Noth des Kaiſers geben, als jenen Beſtand<lb/> des von Wallenſtein zuſammengebrachten kaiſerlichen Heeres. Schon<lb/> 1621 wurde in einer anonymen Flugſchrift gerathen, „man ſolle<lb/> die Macht der ſtets mit den Fürſten verbundenen Patrizier in den<lb/> Städten dadurch brechen, daß man den Zünften gleichen Zutritt<lb/> zum Rathe und zu den Aemtern öffne, um ſo den Fehler Karl’s <hi rendition="#aq">V.</hi>,<lb/> der die zur Uebermacht gekommenen Zünfte wieder eingeſchränkt<lb/> hatte, wieder gutzumachen.“ Jn einer andern anonymen Flug-<lb/> ſchrift wurde dem Kaiſer gerathen, „ſich auf den gemeinen Pöbel<lb/> zu ſtützen, als worin eines Monarchen wahre Stärke beſtehe“.<lb/> Als Wallenſtein 1625 aus Franken durch Heſſen nach Nieder-<lb/> ſachſen zog, waren es Zigeunerbanden <note place="foot" n="1)">Nach Thomaſius („<hi rendition="#aq">Diss. de cingaris</hi>“, §. 69), hatten auch die Schwe-<lb/> den ein Corps Zigeuner. Vgl. Grellmann, a. a. O., S. 130.</note>, die kundſchaftend und<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [73/0089]
la Pointe, la Faverie, la Fontaine u. A. ganz Frankreich in
Schrecken ſetzten; wie ihre Verbindungen weit nach Spanien, Eng-
land, Holland und Deutſchland reichten; wie ſie ſo lange Zeit in
der Vorſtadt St.-Germain ungeſtört ihre Centralvereinigung haben,
und von hier aus die beiſpielloſeſten Unternehmungen leiten und
ausführen konnten. So tauchen in der erſten Hälfte des 17. Jahr-
hunderts eine Unzahl berüchtigter Gaunernamen auf, von denen
jeder der Held eines von allen Unthaten befleckten Räuberlebens
iſt, wie Rochetaille, Carfour, la Fleure, de la Viegne, Grillon,
Poſtel, Lachaſſine, Maillard, l’Escluſe, Foreſtier, Garandin, Pa-
lioly, Arpalin u. A. Den Wechſel jener franzöſiſchen Gauner
von Frankreich aus nach Spanien, England, und vor allem nach
Deutſchland hinein, lernt man vorzüglich aus dem reichhaltigen
„Schauplatz der Betrüger“, kennen, ſodaß man auch in dieſen
Zeitperioden deutlich den dauernden Fortbeſtand des Gaunerthums
wahrnehmen und ſeinen Zuſammenhang mit der neueſten Zeit
hiſtoriſch nachweiſen kann. Gerade durch die Werbungen Wal-
lenſtein’s wurde recht offenbar gemacht, wie viel Geſindel aller Orten
in Deutſchland verbreitet, und wie groß die politiſche und ſittliche
Noth in Deutſchland war. Kaum mag es irgendeinen treffen-
dern Beweis für die Noth des Kaiſers geben, als jenen Beſtand
des von Wallenſtein zuſammengebrachten kaiſerlichen Heeres. Schon
1621 wurde in einer anonymen Flugſchrift gerathen, „man ſolle
die Macht der ſtets mit den Fürſten verbundenen Patrizier in den
Städten dadurch brechen, daß man den Zünften gleichen Zutritt
zum Rathe und zu den Aemtern öffne, um ſo den Fehler Karl’s V.,
der die zur Uebermacht gekommenen Zünfte wieder eingeſchränkt
hatte, wieder gutzumachen.“ Jn einer andern anonymen Flug-
ſchrift wurde dem Kaiſer gerathen, „ſich auf den gemeinen Pöbel
zu ſtützen, als worin eines Monarchen wahre Stärke beſtehe“.
Als Wallenſtein 1625 aus Franken durch Heſſen nach Nieder-
ſachſen zog, waren es Zigeunerbanden 1), die kundſchaftend und
1) Nach Thomaſius („Diss. de cingaris“, §. 69), hatten auch die Schwe-
den ein Corps Zigeuner. Vgl. Grellmann, a. a. O., S. 130.
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