Alsbald er Junkern Kaspar schrieb, Daß er sollt eilends kommen.
Der Lindenschmidt hätt einen Sohn, Der sollt den Rossen das Futter thun, Den Haber thät er schwingen: "Steht auf, herzlieber Vater mein! "Ich hör die Harnische klingen."
Der Lindenschmidt lag hinterm Tisch und schlief, Sein Sohn der thät so manchen Rief, Der Schlaf hat ihn bezwungen: "Steh auf, herzliebster Vater mein! "Der Verräther ist schon gekommen."
Junker Kaspar zu der Stuben eintrat, Der Lindenschmidt von Herzen sehr erschrack: "Lindenschmidt gieb dich gefangen! "Zu Baden, an den Galgen hoch, "Daran sollst du bald hangen."
Der Lindenschmidt war ein freier Reitersmann, Wie bald er zu der Klingen sprang: "Wir wollen erst ritterlich fechten!" Es waren der Bluthund allzuviel, Sie schlugen ihn zu der Erden.
"Kann und mag es dann nicht anders seyn, "So bitt' ich um den liebsten Sohn mein, "Auch um meinen Reutersjungen,
Alsbald er Junkern Kaſpar ſchrieb, Daß er ſollt eilends kommen.
Der Lindenſchmidt haͤtt einen Sohn, Der ſollt den Roſſen das Futter thun, Den Haber thaͤt er ſchwingen: „Steht auf, herzlieber Vater mein! „Ich hoͤr die Harniſche klingen.“
Der Lindenſchmidt lag hinterm Tiſch und ſchlief, Sein Sohn der thaͤt ſo manchen Rief, Der Schlaf hat ihn bezwungen: „Steh auf, herzliebſter Vater mein! „Der Verraͤther iſt ſchon gekommen.“
Junker Kaſpar zu der Stuben eintrat, Der Lindenſchmidt von Herzen ſehr erſchrack: „Lindenſchmidt gieb dich gefangen! „Zu Baden, an den Galgen hoch, „Daran ſollſt du bald hangen.“
Der Lindenſchmidt war ein freier Reitersmann, Wie bald er zu der Klingen ſprang: „Wir wollen erſt ritterlich fechten!“ Es waren der Bluthund allzuviel, Sie ſchlugen ihn zu der Erden.
„Kann und mag es dann nicht anders ſeyn, „So bitt' ich um den liebſten Sohn mein, „Auch um meinen Reutersjungen,
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Alsbald er Junkern Kaſpar ſchrieb,
Daß er ſollt eilends kommen.
Der Lindenſchmidt haͤtt einen Sohn,
Der ſollt den Roſſen das Futter thun,
Den Haber thaͤt er ſchwingen:
„Steht auf, herzlieber Vater mein!
„Ich hoͤr die Harniſche klingen.“
Der Lindenſchmidt lag hinterm Tiſch und ſchlief,
Sein Sohn der thaͤt ſo manchen Rief,
Der Schlaf hat ihn bezwungen:
„Steh auf, herzliebſter Vater mein!
„Der Verraͤther iſt ſchon gekommen.“
Junker Kaſpar zu der Stuben eintrat,
Der Lindenſchmidt von Herzen ſehr erſchrack:
„Lindenſchmidt gieb dich gefangen!
„Zu Baden, an den Galgen hoch,
„Daran ſollſt du bald hangen.“
Der Lindenſchmidt war ein freier Reitersmann,
Wie bald er zu der Klingen ſprang:
„Wir wollen erſt ritterlich fechten!“
Es waren der Bluthund allzuviel,
Sie ſchlugen ihn zu der Erden.
„Kann und mag es dann nicht anders ſeyn,
„So bitt' ich um den liebſten Sohn mein,
„Auch um meinen Reutersjungen,
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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 1. Heidelberg, 1806, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn01_1806/136>, abgerufen am 26.02.2025.
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