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Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898.

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Die Gala-Equipage.
der Kutschbock auf dem zu solcher Anspannung benützten
Wagen.

Die Vorreiter, in England "Outriders" genannt, müssen
kleine, leichte Leute sein, die das Englischtraben gründ-
lich erlernt haben. Mit Bezug auf ihre Kleidung gilt
die Vorschrift, dass dieselbe aus einer reich betressten
samtenen Jockeymütze, gepuderter Perücke, samtener,
reich galonierter Jacke, enganliegenden weissen Leder-
hosen, Stulpenstiefeln und Anschnallsporen zu bestehen
habe.

Zwischen ganzem und halbem (demi) Daumont
herrscht kein anderer Unterschied, als dass letzterer
nur mit zwei Pferden gefahren wird. Im übrigen ist die
Anspannung dieselbe (Fig. 17). Es sei jedoch sogleich
bemerkt, dass die Equipage a la demi Daumont,
obwohl ausserordentlich elegant und vornehm, nicht
eigentlich zur Klasse des Galafuhrwerkes gehört, son-
dern ihre richtige Verwendung hauptsächlich bei Korso-
promenaden festlicher Natur, Fahrten zu den klassischen
Rennen, Truppenrevuen und ähnlichen Gelegenheiten
findet.

Galazüge zu 6 oder 8 Pferden bekommt man
heutzutage selbst bei den feierlichsten Anlässen und an
den reichsten Höfen nur ganz ausnahmsweise noch zu
sehen. Wir glauben daher diese Anspannungsarten
um so eher mit Stillschweigen übergehen zu können,
als auch der höchste Würdenträger -- vom Privatmann
gar nicht zu reden -- sich ihrer für seine Galaequipage

[Abbildung] Fig. 18.


Peitsche für
Gala-
Fuhrwerke.

niemals bedienen wird. Dagegen halten wir es nicht für über-
flüssig, die Besitzer von Galaequipagen auf den, weil anschei-
nend bedeutungslos, vielfach übersehenen Umstand aufmerksam
zu machen, dass kein zur Ausstattung derartiger Equipagen ge-
hörender Gegenstand, also auch die Peitsche nicht, durch
Unscheinbarkeit oder Stillosigkeit, den vornehmen Eindruck

Die Gala-Equipage.
der Kutschbock auf dem zu solcher Anspannung benützten
Wagen.

Die Vorreiter, in England „Outriders“ genannt, müssen
kleine, leichte Leute sein, die das Englischtraben gründ-
lich erlernt haben. Mit Bezug auf ihre Kleidung gilt
die Vorschrift, dass dieselbe aus einer reich betressten
samtenen Jockeymütze, gepuderter Perücke, samtener,
reich galonierter Jacke, enganliegenden weissen Leder-
hosen, Stulpenstiefeln und Anschnallsporen zu bestehen
habe.

Zwischen ganzem und halbem (demi) Daumont
herrscht kein anderer Unterschied, als dass letzterer
nur mit zwei Pferden gefahren wird. Im übrigen ist die
Anspannung dieselbe (Fig. 17). Es sei jedoch sogleich
bemerkt, dass die Equipage à la demi Daumont,
obwohl ausserordentlich elegant und vornehm, nicht
eigentlich zur Klasse des Galafuhrwerkes gehört, son-
dern ihre richtige Verwendung hauptsächlich bei Korso-
promenaden festlicher Natur, Fahrten zu den klassischen
Rennen, Truppenrevuen und ähnlichen Gelegenheiten
findet.

Galazüge zu 6 oder 8 Pferden bekommt man
heutzutage selbst bei den feierlichsten Anlässen und an
den reichsten Höfen nur ganz ausnahmsweise noch zu
sehen. Wir glauben daher diese Anspannungsarten
um so eher mit Stillschweigen übergehen zu können,
als auch der höchste Würdenträger — vom Privatmann
gar nicht zu reden — sich ihrer für seine Galaequipage

[Abbildung] Fig. 18.


Peitsche für
Gala-
Fuhrwerke.

niemals bedienen wird. Dagegen halten wir es nicht für über-
flüssig, die Besitzer von Galaequipagen auf den, weil anschei-
nend bedeutungslos, vielfach übersehenen Umstand aufmerksam
zu machen, dass kein zur Ausstattung derartiger Equipagen ge-
hörender Gegenstand, also auch die Peitsche nicht, durch
Unscheinbarkeit oder Stillosigkeit, den vornehmen Eindruck

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[31/0045] Die Gala-Equipage. der Kutschbock auf dem zu solcher Anspannung benützten Wagen. Die Vorreiter, in England „Outriders“ genannt, müssen kleine, leichte Leute sein, die das Englischtraben gründ- lich erlernt haben. Mit Bezug auf ihre Kleidung gilt die Vorschrift, dass dieselbe aus einer reich betressten samtenen Jockeymütze, gepuderter Perücke, samtener, reich galonierter Jacke, enganliegenden weissen Leder- hosen, Stulpenstiefeln und Anschnallsporen zu bestehen habe. Zwischen ganzem und halbem (demi) Daumont herrscht kein anderer Unterschied, als dass letzterer nur mit zwei Pferden gefahren wird. Im übrigen ist die Anspannung dieselbe (Fig. 17). Es sei jedoch sogleich bemerkt, dass die Equipage à la demi Daumont, obwohl ausserordentlich elegant und vornehm, nicht eigentlich zur Klasse des Galafuhrwerkes gehört, son- dern ihre richtige Verwendung hauptsächlich bei Korso- promenaden festlicher Natur, Fahrten zu den klassischen Rennen, Truppenrevuen und ähnlichen Gelegenheiten findet. Galazüge zu 6 oder 8 Pferden bekommt man heutzutage selbst bei den feierlichsten Anlässen und an den reichsten Höfen nur ganz ausnahmsweise noch zu sehen. Wir glauben daher diese Anspannungsarten um so eher mit Stillschweigen übergehen zu können, als auch der höchste Würdenträger — vom Privatmann gar nicht zu reden — sich ihrer für seine Galaequipage [Abbildung Fig. 18. Peitsche für Gala- Fuhrwerke.] niemals bedienen wird. Dagegen halten wir es nicht für über- flüssig, die Besitzer von Galaequipagen auf den, weil anschei- nend bedeutungslos, vielfach übersehenen Umstand aufmerksam zu machen, dass kein zur Ausstattung derartiger Equipagen ge- hörender Gegenstand, also auch die Peitsche nicht, durch Unscheinbarkeit oder Stillosigkeit, den vornehmen Eindruck

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Zitationshilfe: Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wrangel_luxusfuhrwerk_1898/45>, abgerufen am 19.09.2019.