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Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898.

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Historisches.
Handel, dem Reichtum und der Siegesgöttin eine Lorbeerguir-
lande dargereicht wird. Im Hintergrunde hat der Künstler eine
Ansicht von der Kirche St. Paul und der Themse angebracht.
Auf dem rechten Wagenschlage erblickt man die Industrie und
den Erfindungsgeist dem Genius von England huldigend. Die
beiden Seitenfelder werden von der Geschichte und dem Frie-
den eingenommen; erstere verzeichnet Ruhmesthaten auf ihren
ehernen Tafeln, letzterer verbrennt allerlei Kriegsgerät. Das
rückwärtige Feld stellt den Triumphzug Neptuns und der Amphi-
trite dar. Auf dem rechten Wagenschlage halten Mars, Minerva
und Merkur die Krone Grossbritanniens empor, während die bei-
den Seitenfelder den freien Künsten und der Wissenschaft ge-
widmet sind. Die unter dem Kutschbock angebrachten Figuren
blasen in grosse Muscheln um das Nahen des über den Ozean
herrschenden Monarchen zu verkünden. Zu beiden Seiten des
für die Diener bestimmten rückwärtigen Fussbrettes befinden
sich ebenfalls zwei Figuren; diese tragen von einem Dreizack
gekrönte Fasces. Die Deichsel ist aus Lanzenbündeln geformt.
Für die Räder lieferte der prunkreiche römische Triumphwagen
das Vorbild. Besonders wirkungsvoll ist auch die aus acht Pal-
men bestehende Umrahmung des Wagenkastens, dessen Dach
auf den Kronen dieser Bäume ruht. Mitten auf dem Dache
selbst stehen die Figuren dreier Knaben, welche die Genien
Englands, Schottlands und Irlands vorstellen und die Krone
Grossbritanniens auf ihren Schultern tragen. Diese Figuren sind
mit Lorbeerfestons geschmückt, die sich zu den vier Ecken
des Wagendaches hinziehen.

Ausserordentlich kostbar ist natürlich auch die innere Aus-
stattung des Wagens, die mit ihrer verschwenderischen Benützung
von scharlachrotem Sammet und Goldstickereien eine geradezu
blendende Wirkung erzielt.

Dass eine solche Karrosse nicht leicht sein kann, liegt auf
der Hand. Ihr Gewicht beträgt 3 tons (= 3048 Kilo), ihre
Länge 24 Fuss, ihre Breite 8 Fuss 3 Zoll, ihre Höhe 12 Fuss

Historisches.
Handel, dem Reichtum und der Siegesgöttin eine Lorbeerguir-
lande dargereicht wird. Im Hintergrunde hat der Künstler eine
Ansicht von der Kirche St. Paul und der Themse angebracht.
Auf dem rechten Wagenschlage erblickt man die Industrie und
den Erfindungsgeist dem Genius von England huldigend. Die
beiden Seitenfelder werden von der Geschichte und dem Frie-
den eingenommen; erstere verzeichnet Ruhmesthaten auf ihren
ehernen Tafeln, letzterer verbrennt allerlei Kriegsgerät. Das
rückwärtige Feld stellt den Triumphzug Neptuns und der Amphi-
trite dar. Auf dem rechten Wagenschlage halten Mars, Minerva
und Merkur die Krone Grossbritanniens empor, während die bei-
den Seitenfelder den freien Künsten und der Wissenschaft ge-
widmet sind. Die unter dem Kutschbock angebrachten Figuren
blasen in grosse Muscheln um das Nahen des über den Ozean
herrschenden Monarchen zu verkünden. Zu beiden Seiten des
für die Diener bestimmten rückwärtigen Fussbrettes befinden
sich ebenfalls zwei Figuren; diese tragen von einem Dreizack
gekrönte Fasces. Die Deichsel ist aus Lanzenbündeln geformt.
Für die Räder lieferte der prunkreiche römische Triumphwagen
das Vorbild. Besonders wirkungsvoll ist auch die aus acht Pal-
men bestehende Umrahmung des Wagenkastens, dessen Dach
auf den Kronen dieser Bäume ruht. Mitten auf dem Dache
selbst stehen die Figuren dreier Knaben, welche die Genien
Englands, Schottlands und Irlands vorstellen und die Krone
Grossbritanniens auf ihren Schultern tragen. Diese Figuren sind
mit Lorbeerfestons geschmückt, die sich zu den vier Ecken
des Wagendaches hinziehen.

Ausserordentlich kostbar ist natürlich auch die innere Aus-
stattung des Wagens, die mit ihrer verschwenderischen Benützung
von scharlachrotem Sammet und Goldstickereien eine geradezu
blendende Wirkung erzielt.

Dass eine solche Karrosse nicht leicht sein kann, liegt auf
der Hand. Ihr Gewicht beträgt 3 tons (= 3048 Kilo), ihre
Länge 24 Fuss, ihre Breite 8 Fuss 3 Zoll, ihre Höhe 12 Fuss

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[8/0022] Historisches. Handel, dem Reichtum und der Siegesgöttin eine Lorbeerguir- lande dargereicht wird. Im Hintergrunde hat der Künstler eine Ansicht von der Kirche St. Paul und der Themse angebracht. Auf dem rechten Wagenschlage erblickt man die Industrie und den Erfindungsgeist dem Genius von England huldigend. Die beiden Seitenfelder werden von der Geschichte und dem Frie- den eingenommen; erstere verzeichnet Ruhmesthaten auf ihren ehernen Tafeln, letzterer verbrennt allerlei Kriegsgerät. Das rückwärtige Feld stellt den Triumphzug Neptuns und der Amphi- trite dar. Auf dem rechten Wagenschlage halten Mars, Minerva und Merkur die Krone Grossbritanniens empor, während die bei- den Seitenfelder den freien Künsten und der Wissenschaft ge- widmet sind. Die unter dem Kutschbock angebrachten Figuren blasen in grosse Muscheln um das Nahen des über den Ozean herrschenden Monarchen zu verkünden. Zu beiden Seiten des für die Diener bestimmten rückwärtigen Fussbrettes befinden sich ebenfalls zwei Figuren; diese tragen von einem Dreizack gekrönte Fasces. Die Deichsel ist aus Lanzenbündeln geformt. Für die Räder lieferte der prunkreiche römische Triumphwagen das Vorbild. Besonders wirkungsvoll ist auch die aus acht Pal- men bestehende Umrahmung des Wagenkastens, dessen Dach auf den Kronen dieser Bäume ruht. Mitten auf dem Dache selbst stehen die Figuren dreier Knaben, welche die Genien Englands, Schottlands und Irlands vorstellen und die Krone Grossbritanniens auf ihren Schultern tragen. Diese Figuren sind mit Lorbeerfestons geschmückt, die sich zu den vier Ecken des Wagendaches hinziehen. Ausserordentlich kostbar ist natürlich auch die innere Aus- stattung des Wagens, die mit ihrer verschwenderischen Benützung von scharlachrotem Sammet und Goldstickereien eine geradezu blendende Wirkung erzielt. Dass eine solche Karrosse nicht leicht sein kann, liegt auf der Hand. Ihr Gewicht beträgt 3 tons (= 3048 Kilo), ihre Länge 24 Fuss, ihre Breite 8 Fuss 3 Zoll, ihre Höhe 12 Fuss

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Zitationshilfe: Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wrangel_luxusfuhrwerk_1898/22>, abgerufen am 24.03.2019.