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Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898.

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Historisches.

Der freundliche Leser möge nicht erschrecken. Es ist
nicht unsere Absicht ihm ein mit allerlei gelehrten Floskeln aus-
geschmücktes Bild von der historischen Entwicklung des Luxus-
fuhrwerkes zu entrollen. Wir werden somit nicht von dem mit
goldenen und silbernen Zierraten geschmückten Wagen erzählen,
in welchem Darius III. anno 333 v. Chr. Geb. an der Schlacht
bei Issus teilnahm, und auch bei den prächtigen Caruccas der
römischen Kaiser wollen wir uns keinen Augenblick aufhalten.
Herrscht doch zwischen der Bauart dieser Wagen und derjenigen
unseres modernen Fuhrwerks ein so gewaltiger Unterschied, dass
es vollkommen genügt, wenn ihrer hier flüchtig Erwähnung ge-
than wird. Lassen wir aber das Altertum ganz aus dem Spiele,
so brauchen wir unsere historischen Studien erst beim 15. Jahr-
hundert zu beginnen. Eines so langen Zeitraums bedurfte es
nämlich, bis die Wagenbaukunst von ihren Uranfängen zu Formen
gelangte, die dem Wesen eines Luxusfuhrwerkes annähernd ent-
sprachen. Einer der allerersten Wagen dieser Gattung dürfte
die gedeckte Staatskutsche gewesen sein, in welcher Kaiser
Friedrich III. 1494 nach Frankreich kam. Anstoss zu rascherer
Entwicklung des Fahrsports scheint diese kaiserliche Karrosse
aber nicht gegeben zu haben, denn es vergingen noch nahezu
100 Jahre, bevor die vornehme Welt bei feierlichen Gelegen-
heiten sich des Staatswagens zu bedienen anfing. Bei der im
Jahre 1562 erfolgten Krönung des Kaisers Maximilian, soll

Wrangel, Das Luxusfuhrwerk. 1
Historisches.

Der freundliche Leser möge nicht erschrecken. Es ist
nicht unsere Absicht ihm ein mit allerlei gelehrten Floskeln aus-
geschmücktes Bild von der historischen Entwicklung des Luxus-
fuhrwerkes zu entrollen. Wir werden somit nicht von dem mit
goldenen und silbernen Zierraten geschmückten Wagen erzählen,
in welchem Darius III. anno 333 v. Chr. Geb. an der Schlacht
bei Issus teilnahm, und auch bei den prächtigen Caruccas der
römischen Kaiser wollen wir uns keinen Augenblick aufhalten.
Herrscht doch zwischen der Bauart dieser Wagen und derjenigen
unseres modernen Fuhrwerks ein so gewaltiger Unterschied, dass
es vollkommen genügt, wenn ihrer hier flüchtig Erwähnung ge-
than wird. Lassen wir aber das Altertum ganz aus dem Spiele,
so brauchen wir unsere historischen Studien erst beim 15. Jahr-
hundert zu beginnen. Eines so langen Zeitraums bedurfte es
nämlich, bis die Wagenbaukunst von ihren Uranfängen zu Formen
gelangte, die dem Wesen eines Luxusfuhrwerkes annähernd ent-
sprachen. Einer der allerersten Wagen dieser Gattung dürfte
die gedeckte Staatskutsche gewesen sein, in welcher Kaiser
Friedrich III. 1494 nach Frankreich kam. Anstoss zu rascherer
Entwicklung des Fahrsports scheint diese kaiserliche Karrosse
aber nicht gegeben zu haben, denn es vergingen noch nahezu
100 Jahre, bevor die vornehme Welt bei feierlichen Gelegen-
heiten sich des Staatswagens zu bedienen anfing. Bei der im
Jahre 1562 erfolgten Krönung des Kaisers Maximilian, soll

Wrangel, Das Luxusfuhrwerk. 1
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Zitationshilfe: Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wrangel_luxusfuhrwerk_1898/15>, abgerufen am 23.03.2019.