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Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898.

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Einleitung.
der Besitzverhältnisse, die von der französischen Revolution ein-
geleitet worden, nicht in jeder Beziehung von günstigem Einfluss
auf die in erster Reihe der Prachtliebe dienenden Gewerbe ge-
wesen ist.

Lernen kann man alles, auch die Kunst rasch und leicht
erworbenes Geld mit Verständnis auszugeben. Leider ist nicht
Jeder, der es von heut auf morgen zum Millionär gebracht, davon
zu überzeugen, dass es für ihn noch viel zu lernen giebt. Da
sind denn verhängnisvolle Missgriffe kaum zu vermeiden, wenn
der Betreffende einmal das Bedürfnis empfindet, seinen Namen
auch in der Welt des Schönen zur Geltung zu bringen.

Hierzu kommt nun noch, dass sachverständiger Beirat, sowie
mustergiltige Vorbilder, selbst für Geld nicht an jedem Orte zu
haben sind. Ganz besonders pflegen letztere im Equipagenwesen
zu den Seltenheiten zu zählen. Der immer mehr verarmende
Adel bedient sich mit wenigen Ausnahmen hauptsächlich des
Fiakers oder der Droschke; die kaiserlichen, königlichen und
fürstlichen Marställe huldigen im täglichen Dienste einem Stil,
der, da er die Mitte hält zwischen bürgerlicher Anspruchslosigkeit
und höfischem Glanz, für den Privatmann vollkommen unan-
wendbar ist, und die Finanzwelt erscheint in Equipagen, an denen
man in der Regel nur lernen kann, wie ein Luxusfuhrwerk nicht
aussehen darf. Ein den praktischen Bedürfnissen wie auch der
neuesten Geschmacksrichtung und den Vorschriften der Etikette
Rechnung tragendes "Handbuch für Equipagenbesitzer",
dürfte daher in weiten Kreisen um so sicherer willkommen ge-
heissen werden, als die Zusammenstellung einer in jeder Einzel-
heit korrekten Equipage thatsächlich keine leichte Aufgabe ist.
Von dieser Voraussetzung ausgehend und weil es nun einmal
feststeht, dass auf dem Gebiete des Equipagenwesens die von

Einleitung.
der Besitzverhältnisse, die von der französischen Revolution ein-
geleitet worden, nicht in jeder Beziehung von günstigem Einfluss
auf die in erster Reihe der Prachtliebe dienenden Gewerbe ge-
wesen ist.

Lernen kann man alles, auch die Kunst rasch und leicht
erworbenes Geld mit Verständnis auszugeben. Leider ist nicht
Jeder, der es von heut auf morgen zum Millionär gebracht, davon
zu überzeugen, dass es für ihn noch viel zu lernen giebt. Da
sind denn verhängnisvolle Missgriffe kaum zu vermeiden, wenn
der Betreffende einmal das Bedürfnis empfindet, seinen Namen
auch in der Welt des Schönen zur Geltung zu bringen.

Hierzu kommt nun noch, dass sachverständiger Beirat, sowie
mustergiltige Vorbilder, selbst für Geld nicht an jedem Orte zu
haben sind. Ganz besonders pflegen letztere im Equipagenwesen
zu den Seltenheiten zu zählen. Der immer mehr verarmende
Adel bedient sich mit wenigen Ausnahmen hauptsächlich des
Fiakers oder der Droschke; die kaiserlichen, königlichen und
fürstlichen Marställe huldigen im täglichen Dienste einem Stil,
der, da er die Mitte hält zwischen bürgerlicher Anspruchslosigkeit
und höfischem Glanz, für den Privatmann vollkommen unan-
wendbar ist, und die Finanzwelt erscheint in Equipagen, an denen
man in der Regel nur lernen kann, wie ein Luxusfuhrwerk nicht
aussehen darf. Ein den praktischen Bedürfnissen wie auch der
neuesten Geschmacksrichtung und den Vorschriften der Etikette
Rechnung tragendes „Handbuch für Equipagenbesitzer“,
dürfte daher in weiten Kreisen um so sicherer willkommen ge-
heissen werden, als die Zusammenstellung einer in jeder Einzel-
heit korrekten Equipage thatsächlich keine leichte Aufgabe ist.
Von dieser Voraussetzung ausgehend und weil es nun einmal
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[VI/0012] Einleitung. der Besitzverhältnisse, die von der französischen Revolution ein- geleitet worden, nicht in jeder Beziehung von günstigem Einfluss auf die in erster Reihe der Prachtliebe dienenden Gewerbe ge- wesen ist. Lernen kann man alles, auch die Kunst rasch und leicht erworbenes Geld mit Verständnis auszugeben. Leider ist nicht Jeder, der es von heut auf morgen zum Millionär gebracht, davon zu überzeugen, dass es für ihn noch viel zu lernen giebt. Da sind denn verhängnisvolle Missgriffe kaum zu vermeiden, wenn der Betreffende einmal das Bedürfnis empfindet, seinen Namen auch in der Welt des Schönen zur Geltung zu bringen. Hierzu kommt nun noch, dass sachverständiger Beirat, sowie mustergiltige Vorbilder, selbst für Geld nicht an jedem Orte zu haben sind. Ganz besonders pflegen letztere im Equipagenwesen zu den Seltenheiten zu zählen. Der immer mehr verarmende Adel bedient sich mit wenigen Ausnahmen hauptsächlich des Fiakers oder der Droschke; die kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Marställe huldigen im täglichen Dienste einem Stil, der, da er die Mitte hält zwischen bürgerlicher Anspruchslosigkeit und höfischem Glanz, für den Privatmann vollkommen unan- wendbar ist, und die Finanzwelt erscheint in Equipagen, an denen man in der Regel nur lernen kann, wie ein Luxusfuhrwerk nicht aussehen darf. Ein den praktischen Bedürfnissen wie auch der neuesten Geschmacksrichtung und den Vorschriften der Etikette Rechnung tragendes „Handbuch für Equipagenbesitzer“, dürfte daher in weiten Kreisen um so sicherer willkommen ge- heissen werden, als die Zusammenstellung einer in jeder Einzel- heit korrekten Equipage thatsächlich keine leichte Aufgabe ist. Von dieser Voraussetzung ausgehend und weil es nun einmal feststeht, dass auf dem Gebiete des Equipagenwesens die von

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Zitationshilfe: Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898, S. VI. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wrangel_luxusfuhrwerk_1898/12>, abgerufen am 19.09.2019.