Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737.

Bild:
<< vorherige Seite

AM
Welschen Nüsse, umgeben ist, welche endlich, wenn sie zeitig worden,
ausspringet, und die Mandeln in einer andern sehr harten Schale fallen
läst, welche nachmalen zu eröffnen, und die Kerne daraus zu sammlen
sind: es giebt noch eine Art, an welcher diese holtzigte Schale so zart ist,
daß man sie mit den Zähnen aufveissen kan, werden theils aus Franck-
reich und Jtalien gebracht, theils in Teutschland, absonderlich in der
Pfaltz, um Türckheim, Landau etc. häuffig gesammlet. Dieser Frucht, oder
der Mandeln, sind zweyerley Art, nemlich die

Amygdalae amarae, bittere Mandeln, sie stärcken den Magen,
treiben den Urin, verhüten die Trunckenheit, das Oel hievon dienet wi-
der Gebrechen der Ohren, macht eine schöne Haut, welches auch die
Kley thut.

Amygdalae dulces, süsse Mandeln, diese werden in zwey Sorten
getheilet, davon die eine Ambrosin, so groß und hoch an der Farbe sind,
die andern Commun-Mandeln genennet, und diese sind kleiner, und
nicht von so schönen Körnern: sie stärcken die Frucht der schwangern
Weiber, mehren den Manns-Saamen, sind den Lung- und Schwind-
süchtigen sehr dienlich; hiervon ist das süsse Mandel-Oel, welches den
neugebohrnen Kindern mit, oder ohne einige purgirende Säffte eingege-
ben wird, damit die schwartzen Unreinigkeiten beyzeiten aus dem Leibe
geschaffet werden; bey Erwachsenen linderts die Stein-Schmertzen,
befördert den Nieren- und Blasen-Stein, stillet die Colic, befördert das
Auswerffen im Seitenstechen, Husten etc. Es soll ein Pfund Mandeln
vj. Olei geben, wie Vielheuer angemercket hat.

Amylum, weisse Stärcke, Krafft- oder Amelmehl, wird aus
gutem Weitzen auf diese Art zubereitet: Man nimmt die besten und
vollkommensten Weitzen-Körner, und nachdem sie sauber gewaschen, so
giesset man rein Fließwasser darüber, lässet sie darinnen liegen, und gies-
set täglich das Wasser ab, und wieder frisches darüber; wann solches
etwa 5. oder 6. Tage geschehen, und der Weitze gantz weich worden,
lässet man das letzte Wasser in ein sauber Gefäß ablauffen, drucket das
übrige durch ein Tuch, und damit die Krafft und Marck heraus komme,
giesset man von dem letzten Wasser etwas zu, lässet nachgehends sich
alles setzen, giesset offt allmählich das Wasser, so sich oben setzet, ab, und
trocknet das übrige an der Sonne, lässet es in Klumpen zusammen, so
ist ein gut Krafftmehl fertig: wird in Teutschland, Holland, auch bey
uns in Preussen häuffig gnug gemachet. Das beste ist, welches aus

groben
F 2

AM
Welſchen Nuͤſſe, umgeben iſt, welche endlich, wenn ſie zeitig worden,
auſſpringet, und die Mandeln in einer andern ſehr harten Schale fallen
laͤſt, welche nachmalen zu eroͤffnen, und die Kerne daraus zu ſammlen
ſind: es giebt noch eine Art, an welcher dieſe holtzigte Schale ſo zart iſt,
daß man ſie mit den Zaͤhnen aufveiſſen kan, werden theils aus Franck-
reich und Jtalien gebracht, theils in Teutſchland, abſonderlich in der
Pfaltz, um Tuͤrckheim, Landau ꝛc. haͤuffig geſammlet. Dieſer Frucht, oder
der Mandeln, ſind zweyerley Art, nemlich die

Amygdalæ amaræ, bittere Mandeln, ſie ſtaͤrcken den Magen,
treiben den Urin, verhuͤten die Trunckenheit, das Oel hievon dienet wi-
der Gebrechen der Ohren, macht eine ſchoͤne Haut, welches auch die
Kley thut.

Amygdalæ dulces, ſuͤſſe Mandeln, dieſe werden in zwey Sorten
getheilet, davon die eine Ambroſin, ſo groß und hoch an der Farbe ſind,
die andern Commun-Mandeln genennet, und dieſe ſind kleiner, und
nicht von ſo ſchoͤnen Koͤrnern: ſie ſtaͤrcken die Frucht der ſchwangern
Weiber, mehren den Manns-Saamen, ſind den Lung- und Schwind-
ſuͤchtigen ſehr dienlich; hiervon iſt das ſuͤſſe Mandel-Oel, welches den
neugebohrnen Kindern mit, oder ohne einige purgirende Saͤffte eingege-
ben wird, damit die ſchwartzen Unreinigkeiten beyzeiten aus dem Leibe
geſchaffet werden; bey Erwachſenen linderts die Stein-Schmertzen,
befoͤrdert den Nieren- und Blaſen-Stein, ſtillet die Colic, befoͤrdert das
Auswerffen im Seitenſtechen, Huſten ꝛc. Es ſoll ein Pfund Mandeln
℥vj. Olei geben, wie Vielheuer angemercket hat.

Amylum, weiſſe Staͤrcke, Krafft- oder Amelmehl, wird aus
gutem Weitzen auf dieſe Art zubereitet: Man nimmt die beſten und
vollkommenſten Weitzen-Koͤrner, und nachdem ſie ſauber gewaſchen, ſo
gieſſet man rein Fließwaſſer daruͤber, laͤſſet ſie darinnen liegen, und gieſ-
ſet taͤglich das Waſſer ab, und wieder friſches daruͤber; wann ſolches
etwa 5. oder 6. Tage geſchehen, und der Weitze gantz weich worden,
laͤſſet man das letzte Waſſer in ein ſauber Gefaͤß ablauffen, drucket das
uͤbrige durch ein Tuch, und damit die Krafft und Marck heraus komme,
gieſſet man von dem letzten Waſſer etwas zu, laͤſſet nachgehends ſich
alles ſetzen, gieſſet offt allmaͤhlich das Waſſer, ſo ſich oben ſetzet, ab, und
trocknet das uͤbrige an der Sonne, laͤſſet es in Klumpen zuſammen, ſo
iſt ein gut Krafftmehl fertig: wird in Teutſchland, Holland, auch bey
uns in Preuſſen haͤuffig gnug gemachet. Das beſte iſt, welches aus

groben
F 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0055" n="43"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">AM</hi></hi></hi></fw><lb/>
Wel&#x017F;chen Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, umgeben i&#x017F;t, welche endlich, wenn &#x017F;ie zeitig worden,<lb/>
au&#x017F;&#x017F;pringet, und die Mandeln in einer andern &#x017F;ehr harten Schale fallen<lb/>
la&#x0364;&#x017F;t, welche nachmalen zu ero&#x0364;ffnen, und die Kerne daraus zu &#x017F;ammlen<lb/>
&#x017F;ind: es giebt noch eine Art, an welcher die&#x017F;e holtzigte Schale &#x017F;o zart i&#x017F;t,<lb/>
daß man &#x017F;ie mit den Za&#x0364;hnen aufvei&#x017F;&#x017F;en kan, werden theils aus Franck-<lb/>
reich und Jtalien gebracht, theils in Teut&#x017F;chland, ab&#x017F;onderlich in der<lb/>
Pfaltz, um Tu&#x0364;rckheim, Landau &#xA75B;c. ha&#x0364;uffig ge&#x017F;ammlet. Die&#x017F;er Frucht, oder<lb/>
der Mandeln, &#x017F;ind zweyerley Art, nemlich die</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Amygdalæ amaræ,</hi><hi rendition="#fr">bittere Mandeln,</hi> &#x017F;ie &#x017F;ta&#x0364;rcken den Magen,<lb/>
treiben den Urin, verhu&#x0364;ten die Trunckenheit, das Oel hievon dienet wi-<lb/>
der Gebrechen der Ohren, macht eine &#x017F;cho&#x0364;ne Haut, welches auch die<lb/>
Kley thut.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Amygdalæ dulces,</hi><hi rendition="#fr">&#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Mandeln,</hi> die&#x017F;e werden in zwey Sorten<lb/>
getheilet, davon die eine <hi rendition="#aq">Ambro&#x017F;in,</hi> &#x017F;o groß und hoch an der Farbe &#x017F;ind,<lb/>
die andern <hi rendition="#aq">Commun-</hi>Mandeln genennet, und die&#x017F;e &#x017F;ind kleiner, und<lb/>
nicht von &#x017F;o &#x017F;cho&#x0364;nen Ko&#x0364;rnern: &#x017F;ie &#x017F;ta&#x0364;rcken die Frucht der &#x017F;chwangern<lb/>
Weiber, mehren den Manns-Saamen, &#x017F;ind den Lung- und Schwind-<lb/>
&#x017F;u&#x0364;chtigen &#x017F;ehr dienlich; hiervon i&#x017F;t das &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Mandel-Oel, welches den<lb/>
neugebohrnen Kindern mit, oder ohne einige <hi rendition="#aq">purgi</hi>rende Sa&#x0364;ffte eingege-<lb/>
ben wird, damit die &#x017F;chwartzen Unreinigkeiten beyzeiten aus dem Leibe<lb/>
ge&#x017F;chaffet werden; bey Erwach&#x017F;enen linderts die Stein-Schmertzen,<lb/>
befo&#x0364;rdert den Nieren- und Bla&#x017F;en-Stein, &#x017F;tillet die Colic, befo&#x0364;rdert das<lb/>
Auswerffen im Seiten&#x017F;techen, Hu&#x017F;ten &#xA75B;c. Es &#x017F;oll ein Pfund Mandeln<lb/><hi rendition="#aq">&#x2125;vj. Olei</hi> geben, wie <hi rendition="#fr">Vielheuer</hi> angemercket hat.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Amylum,</hi><hi rendition="#fr">wei&#x017F;&#x017F;e Sta&#x0364;rcke, Krafft-</hi> oder <hi rendition="#fr">Amelmehl,</hi> wird aus<lb/>
gutem Weitzen auf die&#x017F;e Art zubereitet: Man nimmt die be&#x017F;ten und<lb/>
vollkommen&#x017F;ten Weitzen-Ko&#x0364;rner, und nachdem &#x017F;ie &#x017F;auber gewa&#x017F;chen, &#x017F;o<lb/>
gie&#x017F;&#x017F;et man rein Fließwa&#x017F;&#x017F;er daru&#x0364;ber, la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et &#x017F;ie darinnen liegen, und gie&#x017F;-<lb/>
&#x017F;et ta&#x0364;glich das Wa&#x017F;&#x017F;er ab, und wieder fri&#x017F;ches daru&#x0364;ber; wann &#x017F;olches<lb/>
etwa 5. oder 6. Tage ge&#x017F;chehen, und der Weitze gantz weich worden,<lb/>
la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et man das letzte Wa&#x017F;&#x017F;er in ein &#x017F;auber Gefa&#x0364;ß ablauffen, drucket das<lb/>
u&#x0364;brige durch ein Tuch, und damit die Krafft und Marck heraus komme,<lb/>
gie&#x017F;&#x017F;et man von dem letzten Wa&#x017F;&#x017F;er etwas zu, la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et nachgehends &#x017F;ich<lb/>
alles &#x017F;etzen, gie&#x017F;&#x017F;et offt allma&#x0364;hlich das Wa&#x017F;&#x017F;er, &#x017F;o &#x017F;ich oben &#x017F;etzet, ab, und<lb/>
trocknet das u&#x0364;brige an der Sonne, la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et es in Klumpen zu&#x017F;ammen, &#x017F;o<lb/>
i&#x017F;t ein gut Krafftmehl fertig: wird in Teut&#x017F;chland, Holland, auch bey<lb/>
uns in Preu&#x017F;&#x017F;en ha&#x0364;uffig gnug gemachet. Das be&#x017F;te i&#x017F;t, welches aus<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">F 2</fw><fw place="bottom" type="catch">groben</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[43/0055] AM Welſchen Nuͤſſe, umgeben iſt, welche endlich, wenn ſie zeitig worden, auſſpringet, und die Mandeln in einer andern ſehr harten Schale fallen laͤſt, welche nachmalen zu eroͤffnen, und die Kerne daraus zu ſammlen ſind: es giebt noch eine Art, an welcher dieſe holtzigte Schale ſo zart iſt, daß man ſie mit den Zaͤhnen aufveiſſen kan, werden theils aus Franck- reich und Jtalien gebracht, theils in Teutſchland, abſonderlich in der Pfaltz, um Tuͤrckheim, Landau ꝛc. haͤuffig geſammlet. Dieſer Frucht, oder der Mandeln, ſind zweyerley Art, nemlich die Amygdalæ amaræ, bittere Mandeln, ſie ſtaͤrcken den Magen, treiben den Urin, verhuͤten die Trunckenheit, das Oel hievon dienet wi- der Gebrechen der Ohren, macht eine ſchoͤne Haut, welches auch die Kley thut. Amygdalæ dulces, ſuͤſſe Mandeln, dieſe werden in zwey Sorten getheilet, davon die eine Ambroſin, ſo groß und hoch an der Farbe ſind, die andern Commun-Mandeln genennet, und dieſe ſind kleiner, und nicht von ſo ſchoͤnen Koͤrnern: ſie ſtaͤrcken die Frucht der ſchwangern Weiber, mehren den Manns-Saamen, ſind den Lung- und Schwind- ſuͤchtigen ſehr dienlich; hiervon iſt das ſuͤſſe Mandel-Oel, welches den neugebohrnen Kindern mit, oder ohne einige purgirende Saͤffte eingege- ben wird, damit die ſchwartzen Unreinigkeiten beyzeiten aus dem Leibe geſchaffet werden; bey Erwachſenen linderts die Stein-Schmertzen, befoͤrdert den Nieren- und Blaſen-Stein, ſtillet die Colic, befoͤrdert das Auswerffen im Seitenſtechen, Huſten ꝛc. Es ſoll ein Pfund Mandeln ℥vj. Olei geben, wie Vielheuer angemercket hat. Amylum, weiſſe Staͤrcke, Krafft- oder Amelmehl, wird aus gutem Weitzen auf dieſe Art zubereitet: Man nimmt die beſten und vollkommenſten Weitzen-Koͤrner, und nachdem ſie ſauber gewaſchen, ſo gieſſet man rein Fließwaſſer daruͤber, laͤſſet ſie darinnen liegen, und gieſ- ſet taͤglich das Waſſer ab, und wieder friſches daruͤber; wann ſolches etwa 5. oder 6. Tage geſchehen, und der Weitze gantz weich worden, laͤſſet man das letzte Waſſer in ein ſauber Gefaͤß ablauffen, drucket das uͤbrige durch ein Tuch, und damit die Krafft und Marck heraus komme, gieſſet man von dem letzten Waſſer etwas zu, laͤſſet nachgehends ſich alles ſetzen, gieſſet offt allmaͤhlich das Waſſer, ſo ſich oben ſetzet, ab, und trocknet das uͤbrige an der Sonne, laͤſſet es in Klumpen zuſammen, ſo iſt ein gut Krafftmehl fertig: wird in Teutſchland, Holland, auch bey uns in Preuſſen haͤuffig gnug gemachet. Das beſte iſt, welches aus groben F 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/55
Zitationshilfe: Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737, S. 43. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/55>, abgerufen am 21.09.2020.