Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766.

Bild:
<< vorherige Seite
§. 66.

Dieses vorausgesezt, wollen wir nun zu
Vertheilung der Aecker selbst schreiten. Hier
würde ich den Rath geben, alle Cossäthen,
Einhüfener und solche Leute, die in Vergleichung
der übrigen Eigenthümer in einem Dorfe, sehr
wenig Acker besitzen, zuerst vorzunehmen, und
ihnen ihr kleines Antheil zunächst am Dorfe
anzuweisen. Hiedurch erhielte man den dop-
pelten Vortheil, 1) viel Leute mit wenig Land
abzufertigen und 2) die Portiones derer übri-
gen dadurch desto näher an das Dorf zu ziehen.
Die Anweisung selbst müste durch das Looß
geschehen, wie sogleich gezeigt werden soll.

§. 67.

Hierauf käme die Reihe an die übrigen
Besitzer der Feldmark, welche mehreren Acker
als die vorigen haben. Um aber allen Zwist
und unnöthige Widersprüche zu vermeiden,
müste man eine doppelte Art zu loosen erwäh-
len. Es würden nemlich zuerst so viel Num-
mern auf eben so viel Zettel geschrieben als Ei-
genthümer da sind, und diese in den Glücks-
topf geworfen. Nun müste jeder nach der
Zeitfolge seines Alters oder seiner Wirthschaft,
was man von beiden annehmen wolte, eine
Nummer herausgreifen. Diese Nummer wür-
de aber weiter noch nichts als die Ordnung
best immen, nach welcher einer dem andern bei

dem
H 3
§. 66.

Dieſes vorausgeſezt, wollen wir nun zu
Vertheilung der Aecker ſelbſt ſchreiten. Hier
wuͤrde ich den Rath geben, alle Coſſaͤthen,
Einhuͤfener und ſolche Leute, die in Vergleichung
der uͤbrigen Eigenthuͤmer in einem Dorfe, ſehr
wenig Acker beſitzen, zuerſt vorzunehmen, und
ihnen ihr kleines Antheil zunaͤchſt am Dorfe
anzuweiſen. Hiedurch erhielte man den dop-
pelten Vortheil, 1) viel Leute mit wenig Land
abzufertigen und 2) die Portiones derer uͤbri-
gen dadurch deſto naͤher an das Dorf zu ziehen.
Die Anweiſung ſelbſt muͤſte durch das Looß
geſchehen, wie ſogleich gezeigt werden ſoll.

§. 67.

Hierauf kaͤme die Reihe an die uͤbrigen
Beſitzer der Feldmark, welche mehreren Acker
als die vorigen haben. Um aber allen Zwiſt
und unnoͤthige Widerſpruͤche zu vermeiden,
muͤſte man eine doppelte Art zu looſen erwaͤh-
len. Es wuͤrden nemlich zuerſt ſo viel Num-
mern auf eben ſo viel Zettel geſchrieben als Ei-
genthuͤmer da ſind, und dieſe in den Gluͤcks-
topf geworfen. Nun muͤſte jeder nach der
Zeitfolge ſeines Alters oder ſeiner Wirthſchaft,
was man von beiden annehmen wolte, eine
Nummer herausgreifen. Dieſe Nummer wuͤr-
de aber weiter noch nichts als die Ordnung
beſt immen, nach welcher einer dem andern bei

dem
H 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0135" n="117"/>
          <div n="3">
            <head>§. 66.</head><lb/>
            <p>Die&#x017F;es vorausge&#x017F;ezt, wollen wir nun zu<lb/>
Vertheilung der Aecker &#x017F;elb&#x017F;t &#x017F;chreiten. Hier<lb/>
wu&#x0364;rde ich den Rath geben, alle Co&#x017F;&#x017F;a&#x0364;then,<lb/>
Einhu&#x0364;fener und &#x017F;olche Leute, die in Vergleichung<lb/>
der u&#x0364;brigen Eigenthu&#x0364;mer in einem Dorfe, &#x017F;ehr<lb/>
wenig Acker be&#x017F;itzen, zuer&#x017F;t vorzunehmen, und<lb/>
ihnen ihr kleines Antheil zuna&#x0364;ch&#x017F;t am Dorfe<lb/>
anzuwei&#x017F;en. Hiedurch erhielte man den dop-<lb/>
pelten Vortheil, 1) viel Leute mit wenig Land<lb/>
abzufertigen und 2) die Portiones derer u&#x0364;bri-<lb/>
gen dadurch de&#x017F;to na&#x0364;her an das Dorf zu ziehen.<lb/>
Die Anwei&#x017F;ung &#x017F;elb&#x017F;t mu&#x0364;&#x017F;te durch das Looß<lb/>
ge&#x017F;chehen, wie &#x017F;ogleich gezeigt werden &#x017F;oll.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 67.</head><lb/>
            <p>Hierauf ka&#x0364;me die Reihe an die u&#x0364;brigen<lb/>
Be&#x017F;itzer der Feldmark, welche mehreren Acker<lb/>
als die vorigen haben. Um aber allen Zwi&#x017F;t<lb/>
und unno&#x0364;thige Wider&#x017F;pru&#x0364;che zu vermeiden,<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;te man eine doppelte Art zu loo&#x017F;en erwa&#x0364;h-<lb/>
len. Es wu&#x0364;rden nemlich zuer&#x017F;t &#x017F;o viel Num-<lb/>
mern auf eben &#x017F;o viel Zettel ge&#x017F;chrieben als Ei-<lb/>
genthu&#x0364;mer da &#x017F;ind, und die&#x017F;e in den Glu&#x0364;cks-<lb/>
topf geworfen. Nun mu&#x0364;&#x017F;te jeder nach der<lb/>
Zeitfolge &#x017F;eines Alters oder &#x017F;einer Wirth&#x017F;chaft,<lb/>
was man von beiden annehmen wolte, eine<lb/>
Nummer herausgreifen. Die&#x017F;e Nummer wu&#x0364;r-<lb/>
de aber weiter noch nichts als die Ordnung<lb/>
be&#x017F;t immen, nach welcher einer dem andern bei<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">H 3</fw><fw place="bottom" type="catch">dem</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[117/0135] §. 66. Dieſes vorausgeſezt, wollen wir nun zu Vertheilung der Aecker ſelbſt ſchreiten. Hier wuͤrde ich den Rath geben, alle Coſſaͤthen, Einhuͤfener und ſolche Leute, die in Vergleichung der uͤbrigen Eigenthuͤmer in einem Dorfe, ſehr wenig Acker beſitzen, zuerſt vorzunehmen, und ihnen ihr kleines Antheil zunaͤchſt am Dorfe anzuweiſen. Hiedurch erhielte man den dop- pelten Vortheil, 1) viel Leute mit wenig Land abzufertigen und 2) die Portiones derer uͤbri- gen dadurch deſto naͤher an das Dorf zu ziehen. Die Anweiſung ſelbſt muͤſte durch das Looß geſchehen, wie ſogleich gezeigt werden ſoll. §. 67. Hierauf kaͤme die Reihe an die uͤbrigen Beſitzer der Feldmark, welche mehreren Acker als die vorigen haben. Um aber allen Zwiſt und unnoͤthige Widerſpruͤche zu vermeiden, muͤſte man eine doppelte Art zu looſen erwaͤh- len. Es wuͤrden nemlich zuerſt ſo viel Num- mern auf eben ſo viel Zettel geſchrieben als Ei- genthuͤmer da ſind, und dieſe in den Gluͤcks- topf geworfen. Nun muͤſte jeder nach der Zeitfolge ſeines Alters oder ſeiner Wirthſchaft, was man von beiden annehmen wolte, eine Nummer herausgreifen. Dieſe Nummer wuͤr- de aber weiter noch nichts als die Ordnung beſt immen, nach welcher einer dem andern bei dem H 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/135
Zitationshilfe: Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766, S. 117. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/135>, abgerufen am 18.10.2019.