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Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Aristoteles und Athen. Bd. 2. Berlin, 1893.

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Unbestimmbare trümmer.
individuelles, und dass ein solcher spruch einem berühmten namen an-
gehängt wird, ist sehr natürlich. woher sie aber wissen, dass Solon
nicht der verfasser sein könne, verstehe ich nicht: dass hier 70 jahre
als die normale grenze des lebens bezeichnet wird, und Solon als greis
ein ander mal gerne 80 werden wollte, kann doch nichts ausmachen.
Herodot I 32 lässt den Solon 70 jahre als normales lebensalter angeben,
Diogenes I 55 auch: das erstere mag man für unsicher halten, das zweite
lehrt wenigstens, dass das gedicht in den werken Solons sich behauptete.
es kommt weder für dieses etwas auf den verfasser an: alt ist es doch;
noch für Solon darauf, ob er einmal ein nicht individuelles gedicht ver-
fertigt hat. unter den versen der altattischen poesie, also denen Solons,
steht es und wird es stehn bleiben.




elegie auch vorkommen konnte? was soll ich folgern, als dass die conjecturen im
Theognis und die athetese des solonischen gedichtes von dieser seite her schlecht-
hin unberechtigt sind?

Unbestimmbare trümmer.
individuelles, und daſs ein solcher spruch einem berühmten namen an-
gehängt wird, ist sehr natürlich. woher sie aber wissen, daſs Solon
nicht der verfasser sein könne, verstehe ich nicht: daſs hier 70 jahre
als die normale grenze des lebens bezeichnet wird, und Solon als greis
ein ander mal gerne 80 werden wollte, kann doch nichts ausmachen.
Herodot I 32 läſst den Solon 70 jahre als normales lebensalter angeben,
Diogenes I 55 auch: das erstere mag man für unsicher halten, das zweite
lehrt wenigstens, daſs das gedicht in den werken Solons sich behauptete.
es kommt weder für dieses etwas auf den verfasser an: alt ist es doch;
noch für Solon darauf, ob er einmal ein nicht individuelles gedicht ver-
fertigt hat. unter den versen der altattischen poesie, also denen Solons,
steht es und wird es stehn bleiben.




elegie auch vorkommen konnte? was soll ich folgern, als daſs die conjecturen im
Theognis und die athetese des solonischen gedichtes von dieser seite her schlecht-
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[315/0325] Unbestimmbare trümmer. individuelles, und daſs ein solcher spruch einem berühmten namen an- gehängt wird, ist sehr natürlich. woher sie aber wissen, daſs Solon nicht der verfasser sein könne, verstehe ich nicht: daſs hier 70 jahre als die normale grenze des lebens bezeichnet wird, und Solon als greis ein ander mal gerne 80 werden wollte, kann doch nichts ausmachen. Herodot I 32 läſst den Solon 70 jahre als normales lebensalter angeben, Diogenes I 55 auch: das erstere mag man für unsicher halten, das zweite lehrt wenigstens, daſs das gedicht in den werken Solons sich behauptete. es kommt weder für dieses etwas auf den verfasser an: alt ist es doch; noch für Solon darauf, ob er einmal ein nicht individuelles gedicht ver- fertigt hat. unter den versen der altattischen poesie, also denen Solons, steht es und wird es stehn bleiben. 12) 12) elegie auch vorkommen konnte? was soll ich folgern, als daſs die conjecturen im Theognis und die athetese des solonischen gedichtes von dieser seite her schlecht- hin unberechtigt sind?

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Zitationshilfe: Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Aristoteles und Athen. Bd. 2. Berlin, 1893, S. 315. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wilamowitz_aristoteles02_1893/325>, abgerufen am 18.10.2019.