Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wienbarg, Ludolf: Aesthetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

Unschöne in Wort und That an sich und Andern
nicht zu dulden, ihr Ohr dem Wehen des nahen
Geistes nicht zu schließen und, weder gedankenlos
und leichtfertig dahinlebend, noch schwermüthig
brütend, die Blüthen des Lebens und der Wissen¬
schaft mit jugendlicher Unschuld und Heiterkeit zu
pflücken.

Es muß anders werden, das sollte das Ge¬
fühl sein, das sich Aller bemächtigte, wir selbst
sind dazu berufen, das starke Echo dieses Gefühls.
Wie viel dürre Blätter wir dazu aus dem Kranze
unseres Lebens herausreißen müssen, wie viel Un¬
schönes wir von uns abthun, wie viel gemeine
Prosa wir für ewig in den Schlamm und Schlick
der abgestandenen Zeit versenken müssen, welche
neue Ansichten der Wissenschaft, der Kunst, der
Poesie, der Religion, des Staats, des Lebens
wir fassen und zum Eigenthum unseres Herzens
machen müssen, dies Alles muß uns oft und leb¬
haft beschäftigen und das Befreundete muß sich
verbinden mit dem Befreundeten, um sich gegen¬
seitig auszutauschen und zu befestigen.

Jetzt, darauf komme ich zurück, jetzt liegt
Alles noch, Ansicht, Gefühl, und gar das Leben
und Treiben gar zu sehr in roher Unbildung, in
Verwirrung, Uneinigkeit und Zwist, und es hält
schwer, wenn nicht unmöglich, für den Einzelnen,

Unſchoͤne in Wort und That an ſich und Andern
nicht zu dulden, ihr Ohr dem Wehen des nahen
Geiſtes nicht zu ſchließen und, weder gedankenlos
und leichtfertig dahinlebend, noch ſchwermuͤthig
bruͤtend, die Bluͤthen des Lebens und der Wiſſen¬
ſchaft mit jugendlicher Unſchuld und Heiterkeit zu
pfluͤcken.

Es muß anders werden, das ſollte das Ge¬
fuͤhl ſein, das ſich Aller bemaͤchtigte, wir ſelbſt
ſind dazu berufen, das ſtarke Echo dieſes Gefuͤhls.
Wie viel duͤrre Blaͤtter wir dazu aus dem Kranze
unſeres Lebens herausreißen muͤſſen, wie viel Un¬
ſchoͤnes wir von uns abthun, wie viel gemeine
Proſa wir fuͤr ewig in den Schlamm und Schlick
der abgeſtandenen Zeit verſenken muͤſſen, welche
neue Anſichten der Wiſſenſchaft, der Kunſt, der
Poeſie, der Religion, des Staats, des Lebens
wir faſſen und zum Eigenthum unſeres Herzens
machen muͤſſen, dies Alles muß uns oft und leb¬
haft beſchaͤftigen und das Befreundete muß ſich
verbinden mit dem Befreundeten, um ſich gegen¬
ſeitig auszutauſchen und zu befeſtigen.

Jetzt, darauf komme ich zuruͤck, jetzt liegt
Alles noch, Anſicht, Gefuͤhl, und gar das Leben
und Treiben gar zu ſehr in roher Unbildung, in
Verwirrung, Uneinigkeit und Zwiſt, und es haͤlt
ſchwer, wenn nicht unmoͤglich, fuͤr den Einzelnen,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0052" n="38"/>
Un&#x017F;cho&#x0364;ne in Wort und That an &#x017F;ich und Andern<lb/>
nicht zu dulden, ihr Ohr dem Wehen des nahen<lb/>
Gei&#x017F;tes nicht zu &#x017F;chließen und, weder gedankenlos<lb/>
und leichtfertig dahinlebend, noch &#x017F;chwermu&#x0364;thig<lb/>
bru&#x0364;tend, die Blu&#x0364;then des Lebens und der Wi&#x017F;&#x017F;en¬<lb/>
&#x017F;chaft mit jugendlicher Un&#x017F;chuld und Heiterkeit zu<lb/>
pflu&#x0364;cken.</p><lb/>
        <p>Es muß anders werden, das &#x017F;ollte das Ge¬<lb/>
fu&#x0364;hl &#x017F;ein, das &#x017F;ich Aller bema&#x0364;chtigte, wir &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
&#x017F;ind dazu berufen, das &#x017F;tarke Echo die&#x017F;es Gefu&#x0364;hls.<lb/>
Wie viel du&#x0364;rre Bla&#x0364;tter wir dazu aus dem Kranze<lb/>
un&#x017F;eres Lebens herausreißen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, wie viel Un¬<lb/>
&#x017F;cho&#x0364;nes wir von uns abthun, wie viel gemeine<lb/>
Pro&#x017F;a wir fu&#x0364;r ewig in den Schlamm und Schlick<lb/>
der abge&#x017F;tandenen Zeit ver&#x017F;enken mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, welche<lb/>
neue An&#x017F;ichten der Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft, der Kun&#x017F;t, der<lb/>
Poe&#x017F;ie, der Religion, des Staats, des Lebens<lb/>
wir fa&#x017F;&#x017F;en und zum Eigenthum un&#x017F;eres Herzens<lb/>
machen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, dies Alles muß uns oft und leb¬<lb/>
haft be&#x017F;cha&#x0364;ftigen und das Befreundete muß &#x017F;ich<lb/>
verbinden mit dem Befreundeten, um &#x017F;ich gegen¬<lb/>
&#x017F;eitig auszutau&#x017F;chen und zu befe&#x017F;tigen.</p><lb/>
        <p>Jetzt, darauf komme ich zuru&#x0364;ck, jetzt liegt<lb/>
Alles noch, An&#x017F;icht, Gefu&#x0364;hl, und gar das Leben<lb/>
und Treiben gar zu &#x017F;ehr in roher Unbildung, in<lb/>
Verwirrung, Uneinigkeit und Zwi&#x017F;t, und es ha&#x0364;lt<lb/>
&#x017F;chwer, wenn nicht unmo&#x0364;glich, fu&#x0364;r den Einzelnen,<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[38/0052] Unſchoͤne in Wort und That an ſich und Andern nicht zu dulden, ihr Ohr dem Wehen des nahen Geiſtes nicht zu ſchließen und, weder gedankenlos und leichtfertig dahinlebend, noch ſchwermuͤthig bruͤtend, die Bluͤthen des Lebens und der Wiſſen¬ ſchaft mit jugendlicher Unſchuld und Heiterkeit zu pfluͤcken. Es muß anders werden, das ſollte das Ge¬ fuͤhl ſein, das ſich Aller bemaͤchtigte, wir ſelbſt ſind dazu berufen, das ſtarke Echo dieſes Gefuͤhls. Wie viel duͤrre Blaͤtter wir dazu aus dem Kranze unſeres Lebens herausreißen muͤſſen, wie viel Un¬ ſchoͤnes wir von uns abthun, wie viel gemeine Proſa wir fuͤr ewig in den Schlamm und Schlick der abgeſtandenen Zeit verſenken muͤſſen, welche neue Anſichten der Wiſſenſchaft, der Kunſt, der Poeſie, der Religion, des Staats, des Lebens wir faſſen und zum Eigenthum unſeres Herzens machen muͤſſen, dies Alles muß uns oft und leb¬ haft beſchaͤftigen und das Befreundete muß ſich verbinden mit dem Befreundeten, um ſich gegen¬ ſeitig auszutauſchen und zu befeſtigen. Jetzt, darauf komme ich zuruͤck, jetzt liegt Alles noch, Anſicht, Gefuͤhl, und gar das Leben und Treiben gar zu ſehr in roher Unbildung, in Verwirrung, Uneinigkeit und Zwiſt, und es haͤlt ſchwer, wenn nicht unmoͤglich, fuͤr den Einzelnen,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834/52
Zitationshilfe: Wienbarg, Ludolf: Aesthetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg, 1834, S. 38. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834/52>, abgerufen am 15.11.2019.