Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weigel, Erhard: Arithmetische Beschreibung der Moral-Weißheit von Personen und Sachen Worauf das gemeine Wesen bestehet. Jena, 1674.

Bild:
<< vorherige Seite
Capitel. der Publiq-Personen.
Das Vierdte Capitel.
Vom Unterscheid der Publiq-
Personen.

§. 1.

DJe Publiq-Personen sind zu denen gemeinschafftlichen Ver-
richtungen unmittelbarer Weise geordnet/ in welchen sie ent-
weder schon würcklich begriffen sind/ und heissen würckli-
che
Publiq-Personen; oder haben sich zu denselben/ als zu besonders
wichtigen/ habilitiret/ und heissen Personen von Condition/
welche bißweilen auch unter die Privat-Personen respective gerech-
net werden/ wann nemlich allein diejenigen/ die würcklich in Aemptern
begriffen sind/ Publiq-Personen heissen sollen.

§. 2. Die Personen von Condition sind/ welche zum ge-
meinen Wesen unmittelbarer Weise geordnet und habilitiret sind/ ob
sie gleich ietzo kein offentliches Ampt vertreten. Und diese sind dazu kom-
men/ entweder durch Kunst und Wissenschafft/ oder durch Tapf-
ferkeit.
Deren jenes den Verstand/ dieses den Willen betrifft/ bey-
des sind die vornehmsten Hauptstücke des Menschen/ dadurch er von
den Thieren unterschieden ist.

§. 3. Durch Wissenschafft des wohlgeübten Verstandes
sind zu dergleichen Ehren-Condition gekommen die graduirte Per-
sonen/ derer viererley sind/ nemlich

1. Baccalaurei Sapientiae generalis.
2. Magistri Sapientiae generalis.
3. Licentiati Sapientiae specialis.
4. Doctores Sapientiae specialis.

Die Baccalaurei und Magistri Sapientiae generalis, oder die zu
der General-Weißheit Graduirte/ sind/ welche das Fundament und
die allgemeine principia, so zu aller Special-Weißheit dienen/ verste-
hen/ und/ auch ohne Würcklichkeit/ zuverantworten haben; Aber die

Licen-
D
Capitel. der Publiq-Perſonen.
Das Vierdte Capitel.
Vom Unterſcheid der Publiq-
Perſonen.

§. 1.

DJe Publiq-Perſonen ſind zu denen gemeinſchafftlichen Ver-
richtungen unmittelbarer Weiſe geordnet/ in welchen ſie ent-
weder ſchon wuͤrcklich begriffen ſind/ und heiſſen wuͤrckli-
che
Publiq-Perſonen; oder haben ſich zu denſelben/ als zu beſonders
wichtigen/ habilitiret/ und heiſſen Perſonen von Condition/
welche bißweilen auch unter die Privat-Perſonen reſpectivè gerech-
net werden/ wann nemlich allein diejenigen/ die wuͤrcklich in Aemptern
begriffen ſind/ Publiq-Perſonen heiſſen ſollen.

§. 2. Die Perſonen von Condition ſind/ welche zum ge-
meinen Weſen unmittelbarer Weiſe geordnet und habilitiret ſind/ ob
ſie gleich ietzo kein offentliches Ampt vertreten. Und dieſe ſind dazu kom-
men/ entweder durch Kunſt und Wiſſenſchafft/ oder durch Tapf-
ferkeit.
Deren jenes den Verſtand/ dieſes den Willen betrifft/ bey-
des ſind die vornehmſten Hauptſtuͤcke des Menſchen/ dadurch er von
den Thieren unterſchieden iſt.

§. 3. Durch Wiſſenſchafft des wohlgeuͤbten Verſtandes
ſind zu dergleichen Ehren-Condition gekommen die graduirte Per-
ſonen/ derer viererley ſind/ nemlich

1. Baccalaurei Sapientiæ generalis.
2. Magiſtri Sapientiæ generalis.
3. Licentiati Sapientiæ ſpecialis.
4. Doctores Sapientiæ ſpecialis.

Die Baccalaurei und Magiſtri Sapientiæ generalis, oder die zu
der General-Weißheit Graduirte/ ſind/ welche das Fundament und
die allgemeine principia, ſo zu aller Special-Weißheit dienen/ verſte-
hen/ und/ auch ohne Wuͤrcklichkeit/ zuverantworten haben; Aber die

Licen-
D
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0035" n="25"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Capitel. der Publiq-Per&#x017F;onen.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#fr">Das Vierdte Capitel.<lb/>
Vom Unter&#x017F;cheid der Publiq-<lb/>
Per&#x017F;onen.</hi> </head><lb/>
          <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#i">§.</hi> 1.</hi> </p><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>Je Publiq-Per&#x017F;onen &#x017F;ind zu denen gemein&#x017F;chafftlichen Ver-<lb/>
richtungen unmittelbarer Wei&#x017F;e geordnet/ in welchen &#x017F;ie ent-<lb/>
weder &#x017F;chon wu&#x0364;rcklich begriffen &#x017F;ind/ und hei&#x017F;&#x017F;en <hi rendition="#fr">wu&#x0364;rckli-<lb/>
che</hi> Publiq-Per&#x017F;onen; oder haben &#x017F;ich zu den&#x017F;elben/ als zu be&#x017F;onders<lb/>
wichtigen/ <hi rendition="#aq">habiliti</hi>ret/ und hei&#x017F;&#x017F;en <hi rendition="#fr">Per&#x017F;onen von Condition/</hi><lb/>
welche bißweilen auch unter die Privat-Per&#x017F;onen <hi rendition="#aq">re&#x017F;pectivè</hi> gerech-<lb/>
net werden/ wann nemlich allein diejenigen/ die wu&#x0364;rcklich in Aemptern<lb/>
begriffen &#x017F;ind/ Publiq-Per&#x017F;onen hei&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ollen.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#i">§.</hi> 2. Die <hi rendition="#fr">Per&#x017F;onen von Condition</hi> &#x017F;ind/ welche zum ge-<lb/>
meinen We&#x017F;en unmittelbarer Wei&#x017F;e geordnet und <hi rendition="#aq">habiliti</hi>ret &#x017F;ind/ ob<lb/>
&#x017F;ie gleich ietzo kein offentliches Ampt vertreten. Und die&#x017F;e &#x017F;ind dazu kom-<lb/>
men/ entweder durch <hi rendition="#fr">Kun&#x017F;t</hi> und Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chafft/ oder durch <hi rendition="#fr">Tapf-<lb/>
ferkeit.</hi> Deren jenes den Ver&#x017F;tand/ die&#x017F;es den Willen betrifft/ bey-<lb/>
des &#x017F;ind die vornehm&#x017F;ten Haupt&#x017F;tu&#x0364;cke des Men&#x017F;chen/ dadurch er von<lb/>
den Thieren unter&#x017F;chieden i&#x017F;t.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#i">§.</hi> 3. Durch <hi rendition="#fr">Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chafft</hi> des wohlgeu&#x0364;bten Ver&#x017F;tandes<lb/>
&#x017F;ind zu dergleichen Ehren-Condition gekommen die <hi rendition="#fr">graduirte</hi> Per-<lb/>
&#x017F;onen/ derer viererley &#x017F;ind/ nemlich</p><lb/>
          <list>
            <item>1. <hi rendition="#aq">Baccalaurei Sapientiæ generalis.</hi></item><lb/>
            <item>2. <hi rendition="#aq">Magi&#x017F;tri Sapientiæ generalis.</hi></item><lb/>
            <item>3. <hi rendition="#aq">Licentiati Sapientiæ &#x017F;pecialis.</hi></item><lb/>
            <item>4. <hi rendition="#aq">Doctores Sapientiæ &#x017F;pecialis.</hi></item>
          </list><lb/>
          <p>Die <hi rendition="#aq">Baccalaurei</hi> und <hi rendition="#aq">Magi&#x017F;tri Sapientiæ generalis,</hi> oder die zu<lb/>
der General-Weißheit <hi rendition="#aq">Graduir</hi>te/ &#x017F;ind/ welche das Fundament und<lb/>
die allgemeine <hi rendition="#aq">principia,</hi> &#x017F;o zu aller <hi rendition="#aq">Special-</hi>Weißheit dienen/ ver&#x017F;te-<lb/>
hen/ und/ auch ohne Wu&#x0364;rcklichkeit/ zuverantworten haben; Aber die<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">D</fw><fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">Licen-</hi></fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[25/0035] Capitel. der Publiq-Perſonen. Das Vierdte Capitel. Vom Unterſcheid der Publiq- Perſonen. §. 1. DJe Publiq-Perſonen ſind zu denen gemeinſchafftlichen Ver- richtungen unmittelbarer Weiſe geordnet/ in welchen ſie ent- weder ſchon wuͤrcklich begriffen ſind/ und heiſſen wuͤrckli- che Publiq-Perſonen; oder haben ſich zu denſelben/ als zu beſonders wichtigen/ habilitiret/ und heiſſen Perſonen von Condition/ welche bißweilen auch unter die Privat-Perſonen reſpectivè gerech- net werden/ wann nemlich allein diejenigen/ die wuͤrcklich in Aemptern begriffen ſind/ Publiq-Perſonen heiſſen ſollen. §. 2. Die Perſonen von Condition ſind/ welche zum ge- meinen Weſen unmittelbarer Weiſe geordnet und habilitiret ſind/ ob ſie gleich ietzo kein offentliches Ampt vertreten. Und dieſe ſind dazu kom- men/ entweder durch Kunſt und Wiſſenſchafft/ oder durch Tapf- ferkeit. Deren jenes den Verſtand/ dieſes den Willen betrifft/ bey- des ſind die vornehmſten Hauptſtuͤcke des Menſchen/ dadurch er von den Thieren unterſchieden iſt. §. 3. Durch Wiſſenſchafft des wohlgeuͤbten Verſtandes ſind zu dergleichen Ehren-Condition gekommen die graduirte Per- ſonen/ derer viererley ſind/ nemlich 1. Baccalaurei Sapientiæ generalis. 2. Magiſtri Sapientiæ generalis. 3. Licentiati Sapientiæ ſpecialis. 4. Doctores Sapientiæ ſpecialis. Die Baccalaurei und Magiſtri Sapientiæ generalis, oder die zu der General-Weißheit Graduirte/ ſind/ welche das Fundament und die allgemeine principia, ſo zu aller Special-Weißheit dienen/ verſte- hen/ und/ auch ohne Wuͤrcklichkeit/ zuverantworten haben; Aber die Licen- D

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_moralweissheit_1674
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_moralweissheit_1674/35
Zitationshilfe: Weigel, Erhard: Arithmetische Beschreibung der Moral-Weißheit von Personen und Sachen Worauf das gemeine Wesen bestehet. Jena, 1674, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_moralweissheit_1674/35>, abgerufen am 18.08.2019.