Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Varnhagen von Ense, Rahel: Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. Bd. 2. Berlin, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

natürlich: und freundschaftlich und gut mit mir. Sie hat
unser Aller höchsten Beifall. Heute Morgen ist Robert mit
ihnen nach Nennhausen gereist. Sie frug mich nach dir, und
nach deiner Uniform, und meinte, sie müßte dir sehr gut
stehen. Sie ist in allem so gütig und unbefangen, als wie
sie dies sagte.

Gestern schickte mir Schleierm. was ich dir hier einlege.
Also der ist gut mir dir. Wenn du kommst, Lieber, ich bitte
dich, mache nur alle Leute wieder gut und keine neue böse;
es ist mir unerträglich; und in jedem Briefe werd' ich dich
darum bitten müssen. Ich bin gar keine Zänke und Scenen
gewohnt; und eine gewisse Tagesruhe und Ebenheit ist der
ganze Rest menschlichen Glücks, was ich besitze; dies und
persönliche Unabhängigkeit, sehr von meiner Börse, aber von
keinem Menschen beschränkt. Ich bitte dich um Gottes willen!
raube und störe mir dies Letzte nicht!! -- Und warum auch
dies, Varnhagen? Du hast grade alle Mittel, dich bei Men-
schen angenehm zu machen -- und dies wird deiner Lage nach
noch besonders nöthig -- und bei mir auch: wolltest du das
nicht? Ich bin mit Marwitz und Andern ganze Tage, und
ganz vertraut: und nie entsteht eine Scene; und keiner als
du macht mir solchen Vorwurf: und mit dir zanken sich so
Viele. Auch weißt du's sehr gut. Du liebst mich ja! Laß
mich's empfinden! Leids ist mir bei allen Himmeln genug
geschehen! Mich loben und lieben von neuem, trotz meiner
äußerst beschränkten Lage, alle Klassen von Menschen meiner
Geselligkeit wegen: sie ist nichts als Güte: und die wolltest du
nicht fühlen? sie uns läugnen? Nein: du wirst besser sein! --


natürlich: und freundſchaftlich und gut mit mir. Sie hat
unſer Aller höchſten Beifall. Heute Morgen iſt Robert mit
ihnen nach Nennhauſen gereiſt. Sie frug mich nach dir, und
nach deiner Uniform, und meinte, ſie müßte dir ſehr gut
ſtehen. Sie iſt in allem ſo gütig und unbefangen, als wie
ſie dies ſagte.

Geſtern ſchickte mir Schleierm. was ich dir hier einlege.
Alſo der iſt gut mir dir. Wenn du kommſt, Lieber, ich bitte
dich, mache nur alle Leute wieder gut und keine neue böſe;
es iſt mir unerträglich; und in jedem Briefe werd’ ich dich
darum bitten müſſen. Ich bin gar keine Zänke und Scenen
gewohnt; und eine gewiſſe Tagesruhe und Ebenheit iſt der
ganze Reſt menſchlichen Glücks, was ich beſitze; dies und
perſönliche Unabhängigkeit, ſehr von meiner Börſe, aber von
keinem Menſchen beſchränkt. Ich bitte dich um Gottes willen!
raube und ſtöre mir dies Letzte nicht!! — Und warum auch
dies, Varnhagen? Du haſt grade alle Mittel, dich bei Men-
ſchen angenehm zu machen — und dies wird deiner Lage nach
noch beſonders nöthig — und bei mir auch: wollteſt du das
nicht? Ich bin mit Marwitz und Andern ganze Tage, und
ganz vertraut: und nie entſteht eine Scene; und keiner als
du macht mir ſolchen Vorwurf: und mit dir zanken ſich ſo
Viele. Auch weißt du’s ſehr gut. Du liebſt mich ja! Laß
mich’s empfinden! Leids iſt mir bei allen Himmeln genug
geſchehen! Mich loben und lieben von neuem, trotz meiner
äußerſt beſchränkten Lage, alle Klaſſen von Menſchen meiner
Geſelligkeit wegen: ſie iſt nichts als Güte: und die wollteſt du
nicht fühlen? ſie uns läugnen? Nein: du wirſt beſſer ſein! —


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0023" n="15"/>
natürlich: und freund&#x017F;chaftlich und gut mit mir. Sie hat<lb/>
un&#x017F;er Aller höch&#x017F;ten Beifall. Heute Morgen i&#x017F;t Robert mit<lb/>
ihnen nach Nennhau&#x017F;en gerei&#x017F;t. Sie frug mich nach dir, und<lb/>
nach deiner Uniform, und meinte, &#x017F;ie müßte dir <hi rendition="#g">&#x017F;ehr</hi> gut<lb/>
&#x017F;tehen. Sie i&#x017F;t in allem &#x017F;o gütig und unbefangen, als wie<lb/>
&#x017F;ie dies &#x017F;agte.</p><lb/>
          <p>Ge&#x017F;tern &#x017F;chickte mir Schleierm. was ich dir hier einlege.<lb/>
Al&#x017F;o der i&#x017F;t gut mir dir. Wenn du komm&#x017F;t, Lieber, ich bitte<lb/>
dich, mache nur alle Leute wieder gut und keine neue bö&#x017F;e;<lb/>
es i&#x017F;t mir unerträglich; und in jedem Briefe werd&#x2019; ich dich<lb/>
darum bitten mü&#x017F;&#x017F;en. Ich bin gar keine Zänke und Scenen<lb/>
gewohnt; und eine gewi&#x017F;&#x017F;e Tagesruhe und Ebenheit i&#x017F;t der<lb/><hi rendition="#g">ganze</hi> Re&#x017F;t men&#x017F;chlichen Glücks, was ich be&#x017F;itze; dies und<lb/>
per&#x017F;önliche Unabhängigkeit, &#x017F;ehr von meiner Bör&#x017F;e, aber von<lb/>
keinem Men&#x017F;chen be&#x017F;chränkt. Ich bitte dich um Gottes willen!<lb/>
raube und &#x017F;töre mir dies Letzte nicht!! &#x2014; Und warum auch<lb/>
dies, Varnhagen? Du ha&#x017F;t grade alle Mittel, dich bei Men-<lb/>
&#x017F;chen angenehm zu machen &#x2014; und dies wird deiner Lage nach<lb/>
noch be&#x017F;onders nöthig &#x2014; und bei mir auch: wollte&#x017F;t du das<lb/>
nicht? Ich bin mit Marwitz und Andern ganze Tage, und<lb/>
ganz vertraut: und nie ent&#x017F;teht eine Scene; und keiner als<lb/>
du macht mir &#x017F;olchen Vorwurf: und mit dir zanken &#x017F;ich &#x017F;o<lb/>
Viele. Auch weißt du&#x2019;s &#x017F;ehr gut. Du lieb&#x017F;t mich ja! Laß<lb/>
mich&#x2019;s empfinden! Leids i&#x017F;t mir bei allen Himmeln genug<lb/>
ge&#x017F;chehen! Mich loben und lieben von neuem, trotz meiner<lb/>
äußer&#x017F;t be&#x017F;chränkten Lage, alle Kla&#x017F;&#x017F;en von Men&#x017F;chen meiner<lb/>
Ge&#x017F;elligkeit wegen: &#x017F;ie i&#x017F;t <hi rendition="#g">nichts</hi> als Güte: und die wollte&#x017F;t du<lb/>
nicht fühlen? &#x017F;ie uns läugnen? Nein: du wir&#x017F;t be&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ein! &#x2014;</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[15/0023] natürlich: und freundſchaftlich und gut mit mir. Sie hat unſer Aller höchſten Beifall. Heute Morgen iſt Robert mit ihnen nach Nennhauſen gereiſt. Sie frug mich nach dir, und nach deiner Uniform, und meinte, ſie müßte dir ſehr gut ſtehen. Sie iſt in allem ſo gütig und unbefangen, als wie ſie dies ſagte. Geſtern ſchickte mir Schleierm. was ich dir hier einlege. Alſo der iſt gut mir dir. Wenn du kommſt, Lieber, ich bitte dich, mache nur alle Leute wieder gut und keine neue böſe; es iſt mir unerträglich; und in jedem Briefe werd’ ich dich darum bitten müſſen. Ich bin gar keine Zänke und Scenen gewohnt; und eine gewiſſe Tagesruhe und Ebenheit iſt der ganze Reſt menſchlichen Glücks, was ich beſitze; dies und perſönliche Unabhängigkeit, ſehr von meiner Börſe, aber von keinem Menſchen beſchränkt. Ich bitte dich um Gottes willen! raube und ſtöre mir dies Letzte nicht!! — Und warum auch dies, Varnhagen? Du haſt grade alle Mittel, dich bei Men- ſchen angenehm zu machen — und dies wird deiner Lage nach noch beſonders nöthig — und bei mir auch: wollteſt du das nicht? Ich bin mit Marwitz und Andern ganze Tage, und ganz vertraut: und nie entſteht eine Scene; und keiner als du macht mir ſolchen Vorwurf: und mit dir zanken ſich ſo Viele. Auch weißt du’s ſehr gut. Du liebſt mich ja! Laß mich’s empfinden! Leids iſt mir bei allen Himmeln genug geſchehen! Mich loben und lieben von neuem, trotz meiner äußerſt beſchränkten Lage, alle Klaſſen von Menſchen meiner Geſelligkeit wegen: ſie iſt nichts als Güte: und die wollteſt du nicht fühlen? ſie uns läugnen? Nein: du wirſt beſſer ſein! —

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_rahel02_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_rahel02_1834/23
Zitationshilfe: Varnhagen von Ense, Rahel: Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. Bd. 2. Berlin, 1834, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/varnhagen_rahel02_1834/23>, abgerufen am 03.08.2020.