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Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727.

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Die XXIII. Anmerckung. (gg)
kan, reteriren muß. Es kan aber, wiewohl
sehr selten, und nicht ohne allen Hazard ge-
schehen, daß, wenn der Landes-Herr oban-
geführter maßen noch kein Verboth hat
ausgehen lassen, man von einem Ministre ei-
nes, zwischen beyden mit einander Krieg
führenden Partheyen, sich neutral halten-
den Staats, einen Passe-Port bekommet, und
also unter dem Nahmen eines dergleichen
Landes-Vasallen oder Unterthanen, in seines
Herrn Contrapart Ländern, sich einige Zeit
verweilen darff; die aber nicht länger,
als biß seines Herrn Verboth public worden
ist, dauern kan, und muß man sich alsdenn,
demselben zu folge, ie eher ie besser in des
Freundes Land begeben. Unterdessen ist
man, bey allen genommenen Praecautionen,
dennoch auf Reisen nicht völlig sicher.
Denn wenn gleich regulirte streiffende Par-
theyen, den vorgezeigten Paß respectiren,
und einen seinen Weg im Frieden fortziehen
lassen: So kan man doch durch Partis-Bleus,
oder sich zusammen rottirtes bewaffnetes Ge-
sindel, das bey Kriegs-Zeiten auf den Raub
ausgehet, sich an keinen Frey-Zettel kehret,
und die Wege unsicher macht, angefallen,
und um sein Geld und Bagage, auch manch-
mahl, bey erfolgter Gegen-Wehr, um sein
sein Gewis-
sen beden-
cken;
Leben gebracht werden. Zu dem so scheinet
es auch wider die seinem Landes-Herrn schul-
dige Pflicht, und also auch wider das Gewis-
Die XXIII. Anmerckung. (gg)
kan, reteriren muß. Es kan aber, wiewohl
ſehr ſelten, und nicht ohne allen Hazard ge-
ſchehen, daß, wenn der Landes-Herr oban-
gefuͤhrter maßen noch kein Verboth hat
ausgehen laſſen, man von einem Miniſtre ei-
nes, zwiſchen beyden mit einander Krieg
fuͤhrenden Partheyen, ſich neutral halten-
den Staats, einen Paſſe-Port bekommet, und
alſo unter dem Nahmen eines dergleichen
Landes-Vaſallen oder Unterthanen, in ſeines
Herrn Contrapart Laͤndern, ſich einige Zeit
verweilen darff; die aber nicht laͤnger,
als biß ſeines Herrn Verboth public worden
iſt, dauern kan, und muß man ſich alsdenn,
demſelben zu folge, ie eher ie beſſer in des
Freundes Land begeben. Unterdeſſen iſt
man, bey allen genommenen Præcautionen,
dennoch auf Reiſen nicht voͤllig ſicher.
Denn wenn gleich regulirte ſtreiffende Par-
theyen, den vorgezeigten Paß reſpectiren,
und einen ſeinen Weg im Frieden fortziehen
laſſen: So kan man doch durch Partis-Bleus,
oder ſich zuſammen rottirtes bewaffnetes Ge-
ſindel, das bey Kriegs-Zeiten auf den Raub
ausgehet, ſich an keinen Frey-Zettel kehret,
und die Wege unſicher macht, angefallen,
und um ſein Geld und Bagage, auch manch-
mahl, bey erfolgter Gegen-Wehr, um ſein
ſein Gewiſ-
ſen beden-
cken;
Leben gebracht werden. Zu dem ſo ſcheinet
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[168/0190] Die XXIII. Anmerckung. (gg) ⁽gg⁾ kan, reteriren muß. Es kan aber, wiewohl ſehr ſelten, und nicht ohne allen Hazard ge- ſchehen, daß, wenn der Landes-Herr oban- gefuͤhrter maßen noch kein Verboth hat ausgehen laſſen, man von einem Miniſtre ei- nes, zwiſchen beyden mit einander Krieg fuͤhrenden Partheyen, ſich neutral halten- den Staats, einen Paſſe-Port bekommet, und alſo unter dem Nahmen eines dergleichen Landes-Vaſallen oder Unterthanen, in ſeines Herrn Contrapart Laͤndern, ſich einige Zeit verweilen darff; die aber nicht laͤnger, als biß ſeines Herrn Verboth public worden iſt, dauern kan, und muß man ſich alsdenn, demſelben zu folge, ie eher ie beſſer in des Freundes Land begeben. Unterdeſſen iſt man, bey allen genommenen Præcautionen, dennoch auf Reiſen nicht voͤllig ſicher. Denn wenn gleich regulirte ſtreiffende Par- theyen, den vorgezeigten Paß reſpectiren, und einen ſeinen Weg im Frieden fortziehen laſſen: So kan man doch durch Partis-Bleus, oder ſich zuſammen rottirtes bewaffnetes Ge- ſindel, das bey Kriegs-Zeiten auf den Raub ausgehet, ſich an keinen Frey-Zettel kehret, und die Wege unſicher macht, angefallen, und um ſein Geld und Bagage, auch manch- mahl, bey erfolgter Gegen-Wehr, um ſein Leben gebracht werden. Zu dem ſo ſcheinet es auch wider die ſeinem Landes-Herrn ſchul- dige Pflicht, und alſo auch wider das Gewiſ- ſen

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Zitationshilfe: Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727, S. 168. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tschirnhaus_anleitung_1727/190>, abgerufen am 17.09.2019.