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Thomasius, Christian: Ausübung Der SittenLehre. Halle (Saale), 1696.

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Das 10. H. von dem Ehrgeitz
damit zu liebkosen oder bey andern zu entschuldi-
gen/ daß es vernünfftig sey nach hohen Ehren
zu trachten damit man durch diese Frey-
heit seine gute Thaten desto besser möge zu
erkennen geben:
Aber es ist auch hierinnen
ein Unterscheid zwischen einen Tugendhafften
und Ehrgeitzigen: Jener verlanget sich aus
der Sclaverey zu erledigen/ daß er nicht unter
anderer
Gewalthätigkeit und Gebot leben mö-
ge: Dieser aber trachtet andere unter seine
Gewalt zu bringen. Jener ist mit Freyheit zu
frieden/ und fliehet nur die Sclaverey/ kan aber
wohl eine vernünfftige Unterthänigkeit mit der
Freyheit vereinigen: Dieser aber verachtet
Freyheit ohne Botmäßigkeit/ und will keinen
Menschen unterthänig seyn.

22. Also ist auch ein Unterscheid zwischen
einen Tugendhafften und Ehrgeitzigen/ was die
eußerlichen Bezeugungen anderer betrifft.
Ein Tugendhaffter ist zu frieden wenn andere
fein auffrichtig und ohne ceremonien/ jedoch
nicht grob mit ihm umgehen/ und er muthet de-
nen Leuten nicht gerne etwas zu thun zu; Aber
ein Ehrgeitziger kan dergleichen offenhertzige con-
versation
nicht vertragen/ sondern je mehr
Ceremonien man ihn erweiset/ je lieber ist es
ihm/ und sein Vergnügen würde zunehmen/ je-
mehr er Leuten zugleich was anbefehlen und ih-
nen zu thun geben könte.

23. Ja

Das 10. H. von dem Ehrgeitz
damit zu liebkoſen oder bey andern zu entſchuldi-
gen/ daß es vernuͤnfftig ſey nach hohen Ehren
zu trachten damit man durch dieſe Frey-
heit ſeine gute Thaten deſto beſſer moͤge zu
erkennen geben:
Aber es iſt auch hierinnen
ein Unterſcheid zwiſchen einen Tugendhafften
und Ehrgeitzigen: Jener verlanget ſich aus
der Sclaverey zu erledigen/ daß er nicht unter
anderer
Gewalthaͤtigkeit und Gebot leben moͤ-
ge: Dieſer aber trachtet andere unter ſeine
Gewalt zu bringen. Jener iſt mit Freyheit zu
frieden/ und fliehet nur die Sclaverey/ kan aber
wohl eine vernuͤnfftige Unterthaͤnigkeit mit der
Freyheit vereinigen: Dieſer aber verachtet
Freyheit ohne Botmaͤßigkeit/ und will keinen
Menſchen unterthaͤnig ſeyn.

22. Alſo iſt auch ein Unterſcheid zwiſchen
einen Tugendhafften und Ehrgeitzigen/ was die
eußerlichen Bezeugungen anderer betrifft.
Ein Tugendhaffter iſt zu frieden wenn andere
fein auffrichtig und ohne ceremonien/ jedoch
nicht grob mit ihm umgehen/ und er muthet de-
nen Leuten nicht gerne etwas zu thun zu; Aber
ein Ehrgeitziger kan dergleichen offenhertzige con-
verſation
nicht vertragen/ ſondern je mehr
Ceremonien man ihn erweiſet/ je lieber iſt es
ihm/ und ſein Vergnuͤgen wuͤrde zunehmen/ je-
mehr er Leuten zugleich was anbefehlen und ih-
nen zu thun geben koͤnte.

23. Ja
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[234/0246] Das 10. H. von dem Ehrgeitz damit zu liebkoſen oder bey andern zu entſchuldi- gen/ daß es vernuͤnfftig ſey nach hohen Ehren zu trachten damit man durch dieſe Frey- heit ſeine gute Thaten deſto beſſer moͤge zu erkennen geben: Aber es iſt auch hierinnen ein Unterſcheid zwiſchen einen Tugendhafften und Ehrgeitzigen: Jener verlanget ſich aus der Sclaverey zu erledigen/ daß er nicht unter anderer Gewalthaͤtigkeit und Gebot leben moͤ- ge: Dieſer aber trachtet andere unter ſeine Gewalt zu bringen. Jener iſt mit Freyheit zu frieden/ und fliehet nur die Sclaverey/ kan aber wohl eine vernuͤnfftige Unterthaͤnigkeit mit der Freyheit vereinigen: Dieſer aber verachtet Freyheit ohne Botmaͤßigkeit/ und will keinen Menſchen unterthaͤnig ſeyn. 22. Alſo iſt auch ein Unterſcheid zwiſchen einen Tugendhafften und Ehrgeitzigen/ was die eußerlichen Bezeugungen anderer betrifft. Ein Tugendhaffter iſt zu frieden wenn andere fein auffrichtig und ohne ceremonien/ jedoch nicht grob mit ihm umgehen/ und er muthet de- nen Leuten nicht gerne etwas zu thun zu; Aber ein Ehrgeitziger kan dergleichen offenhertzige con- verſation nicht vertragen/ ſondern je mehr Ceremonien man ihn erweiſet/ je lieber iſt es ihm/ und ſein Vergnuͤgen wuͤrde zunehmen/ je- mehr er Leuten zugleich was anbefehlen und ih- nen zu thun geben koͤnte. 23. Ja

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ausübung Der SittenLehre. Halle (Saale), 1696, S. 234. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ausuebungsittenlehre_1696/246>, abgerufen am 24.04.2019.