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Thaer, Albrecht: Geschichte meiner Wirthschaft zu Möglin. Berlin, 1815.

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beim Kauf gewissermaßen geirrt zu haben. Ich
sahe zwar im Johannis 1804 schlechte Früchte
auf den Feldern: aber die Früchte standen allge-
mein schlecht. Die Erschöpfung des größern
Theils des Bodens war unter der vorhandenen
Bewirthschaftung unvermeidlich. Die Mischung
der Grundbestandtheile war, wo ich sie untersu-
chen konnte, auf zwei Drittheil des Feldes gut,
und qualifizirte es bei guter Kultur zu Gerstbo-
den. Was ich aber nicht bemerkte, waren die
im guten Acker liegenden Schrindstellen, die sich
bei der feuchten Witterung nicht bemerklich ma-
chen, aber bei trockener um so mehr hervortreten.
Ich bekenne, daß ich solche Stellen, solche schnelle
Wechselung des Bodens, praktisch nicht kannte.
Sie hätten mich wohl abschrecken können; nicht
ihres Flächeninhalts wegen, der nicht sehr bedeu-
tend ist, aber wegen der Ungleichartigkeit und
der Unterbrechung der höhern Kultur, die auf
ihnen kaum etwas fruchtet, wenn Dürre eintritt.
Auch erschweren sie die Ausmittelung des Resul-
tats bei comparativen Versuchen im Großen. Es
giebt in dieser ganzen Gegend wenige Fluren,
die davon frei sind. Der Untergrund, wovon sie
herrühren, wechselt hier gar zu mannigfaltig.
Wenn man nicht allenthalben die Ackerkrume bis

beim Kauf gewiſſermaßen geirrt zu haben. Ich
ſahe zwar im Johannis 1804 ſchlechte Fruͤchte
auf den Feldern: aber die Fruͤchte ſtanden allge-
mein ſchlecht. Die Erſchoͤpfung des groͤßern
Theils des Bodens war unter der vorhandenen
Bewirthſchaftung unvermeidlich. Die Miſchung
der Grundbeſtandtheile war, wo ich ſie unterſu-
chen konnte, auf zwei Drittheil des Feldes gut,
und qualifizirte es bei guter Kultur zu Gerſtbo-
den. Was ich aber nicht bemerkte, waren die
im guten Acker liegenden Schrindſtellen, die ſich
bei der feuchten Witterung nicht bemerklich ma-
chen, aber bei trockener um ſo mehr hervortreten.
Ich bekenne, daß ich ſolche Stellen, ſolche ſchnelle
Wechſelung des Bodens, praktiſch nicht kannte.
Sie haͤtten mich wohl abſchrecken koͤnnen; nicht
ihres Flaͤcheninhalts wegen, der nicht ſehr bedeu-
tend iſt, aber wegen der Ungleichartigkeit und
der Unterbrechung der hoͤhern Kultur, die auf
ihnen kaum etwas fruchtet, wenn Duͤrre eintritt.
Auch erſchweren ſie die Ausmittelung des Reſul-
tats bei comparativen Verſuchen im Großen. Es
giebt in dieſer ganzen Gegend wenige Fluren,
die davon frei ſind. Der Untergrund, wovon ſie
herruͤhren, wechſelt hier gar zu mannigfaltig.
Wenn man nicht allenthalben die Ackerkrume bis

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[11/0028] beim Kauf gewiſſermaßen geirrt zu haben. Ich ſahe zwar im Johannis 1804 ſchlechte Fruͤchte auf den Feldern: aber die Fruͤchte ſtanden allge- mein ſchlecht. Die Erſchoͤpfung des groͤßern Theils des Bodens war unter der vorhandenen Bewirthſchaftung unvermeidlich. Die Miſchung der Grundbeſtandtheile war, wo ich ſie unterſu- chen konnte, auf zwei Drittheil des Feldes gut, und qualifizirte es bei guter Kultur zu Gerſtbo- den. Was ich aber nicht bemerkte, waren die im guten Acker liegenden Schrindſtellen, die ſich bei der feuchten Witterung nicht bemerklich ma- chen, aber bei trockener um ſo mehr hervortreten. Ich bekenne, daß ich ſolche Stellen, ſolche ſchnelle Wechſelung des Bodens, praktiſch nicht kannte. Sie haͤtten mich wohl abſchrecken koͤnnen; nicht ihres Flaͤcheninhalts wegen, der nicht ſehr bedeu- tend iſt, aber wegen der Ungleichartigkeit und der Unterbrechung der hoͤhern Kultur, die auf ihnen kaum etwas fruchtet, wenn Duͤrre eintritt. Auch erſchweren ſie die Ausmittelung des Reſul- tats bei comparativen Verſuchen im Großen. Es giebt in dieſer ganzen Gegend wenige Fluren, die davon frei ſind. Der Untergrund, wovon ſie herruͤhren, wechſelt hier gar zu mannigfaltig. Wenn man nicht allenthalben die Ackerkrume bis

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Geschichte meiner Wirthschaft zu Möglin. Berlin, 1815, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_moeglin_1815/28>, abgerufen am 21.05.2019.