Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Szentiványi, Márton: Strittige Abhandlungen Der Ketzerey-Lehren. Tyrnau, 1703.

Bild:
<< vorherige Seite

Diß aber ist allen Ketzereyen gemein/ und wie
man zusagen pflegt/ ein Bundhaderin. Dann wie
der H. Georgius L. 3. Moral. c. 14. spricht: Hoc
proprium habent Haereses, quod in eo gradu, in
quo de Ecclesia exeunt, diu stare non possint, sed
ad deteriora quotidie ruunt, & sentiendo pejora,
in multis se partibus scindunt, atque a semetipsis
plerumque longius, confusionis suae altercatione
dividuntur.
Diß ist eigentlich denen Ketzereyen an-
gebohren/ daß sie auf jenen Staffel/ auf deme sie
von der Kirch ausgetretten/ in die Länge nicht stehen
mögen/ sondern sie fallen täglich in weit böß- und
ärgers/ und da sie in weit ärgers verhasplet/ tren-
nen sie sich in viel Theil/ und werden von sich selbst/
aus Zanck/ und Zwispalt ihrer Verwirrung/ gemei-
niglich immer weiter zertheilet/ und entscheidet. Wel-
cher Wahrheit Tertullianus L. contra Marcionistes
c.
5. beyfallet/ der allen Ketzern gleiches abgemer-
cket/ da er von solchen bezeuget: Doctrinam suam
quotidie resormant, prout a nobis convincuntur.

Sie reformiren/ schleiffen/ und poliren/ ihr Lehre
täglich/ wie sie dessen von uns überzeuget werden/
und eben selber von selbigen: c. 42. Mentior, si non
etiam a Regulis suis variant, dum unusquisque
perinde suo arbitratu modulatur, quae accepit,
quemadmodum de suo arbitrio ea composuit ille,
qui tradidit.
Jch rede sparsam die Wahrheit/ wann
sie nit auch ihre gründliche Lehr-Sätz verändern/ in-
deme jedwedrer selbe die er übernommen/ nit anderst/
als seinen belieben nach/ vorsinget/ was massen der-
jenige sie auf seinen Schlag/ und Gefallen nach/ ge-
richtet/ und zusammen getragen/ der sie übergeben.
Mit deme der H. Irenaeus von. Ketzern seiner Zeiten
einstimmet/ sprechend: Cum sint duo, vel tres,

de

Diß aber iſt allen Ketzereyen gemein/ und wie
man zuſagen pflegt/ ein Bundhaderin. Dann wie
der H. Georgius L. 3. Moral. c. 14. ſpricht: Hoc
proprium habent Hæreſes, quod in eo gradu, in
quo de Eccleſia exeunt, diu ſtare non poſſint, ſed
ad deteriora quotidiè ruunt, & ſentiendo pejora,
in multis ſe partibus ſcindunt, atque à ſemetipſis
plerúmque longiús, confuſionis ſuæ altercatione
dividuntur.
Diß iſt eigentlich denen Ketzereyen an-
gebohren/ daß ſie auf jenen Staffel/ auf deme ſie
von der Kirch ausgetretten/ in die Laͤnge nicht ſtehen
moͤgen/ ſondern ſie fallen taͤglich in weit boͤß- und
aͤrgers/ und da ſie in weit aͤrgers verhaſplet/ tren-
nen ſie ſich in viel Theil/ und werden von ſich ſelbſt/
aus Zanck/ und Zwiſpalt ihrer Verwirrung/ gemei-
niglich immer weiter zertheilet/ und entſcheidet. Wel-
cher Wahrheit Tertullianus L. contra Marcioniſtes
c.
5. beyfallet/ der allen Ketzern gleiches abgemer-
cket/ da er von ſolchen bezeuget: Doctrinam ſuam
quotidiè reſormant, prout à nobis convincuntur.

Sie reformiren/ ſchleiffen/ und poliren/ ihr Lehre
taͤglich/ wie ſie deſſen von uns uͤberzeuget werden/
und eben ſelber von ſelbigen: c. 42. Mentior, ſi non
etiam â Regulis ſuis variant, dum unusquisquè
perinde ſuo arbitratu modulatur, quæ accepit,
quemadmodum de ſuo arbitrio ea compoſuit ille,
qui tradidit.
Jch rede ſparſam die Wahrheit/ wann
ſie nit auch ihre gruͤndliche Lehr-Saͤtz veraͤndern/ in-
deme jedwedrer ſelbe die er uͤbernom̃en/ nit anderſt/
als ſeinen belieben nach/ vorſinget/ was maſſen der-
jenige ſie auf ſeinen Schlag/ und Gefallen nach/ ge-
richtet/ und zuſammen getragen/ der ſie uͤbergeben.
Mit deme der H. Irenæus von. Ketzern ſeiner Zeiten
einſtimmet/ ſprechend: Cum ſint duo, vel tres,

de
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0040" n="28"/>
Diß aber i&#x017F;t allen Ketzereyen gemein/ und wie<lb/>
man zu&#x017F;agen pflegt/ ein Bundhaderin. Dann wie<lb/>
der H. <hi rendition="#aq">Georgius <hi rendition="#i">L. 3. Moral. c.</hi></hi> 14. &#x017F;pricht: <hi rendition="#aq">Hoc<lb/>
proprium habent Hære&#x017F;es, quod in eo gradu, in<lb/>
quo de Eccle&#x017F;ia exeunt, diu &#x017F;tare non po&#x017F;&#x017F;int, &#x017F;ed<lb/>
ad deteriora quotidiè ruunt, &amp; &#x017F;entiendo pejora,<lb/>
in multis &#x017F;e partibus &#x017F;cindunt, atque à &#x017F;emetip&#x017F;is<lb/>
plerúmque longiús, confu&#x017F;ionis &#x017F;uæ altercatione<lb/>
dividuntur.</hi> Diß i&#x017F;t eigentlich denen Ketzereyen an-<lb/>
gebohren/ daß &#x017F;ie auf jenen Staffel/ auf deme &#x017F;ie<lb/>
von der Kirch ausgetretten/ in die La&#x0364;nge nicht &#x017F;tehen<lb/>
mo&#x0364;gen/ &#x017F;ondern &#x017F;ie fallen ta&#x0364;glich in weit bo&#x0364;ß- und<lb/>
a&#x0364;rgers/ und da &#x017F;ie in weit a&#x0364;rgers verha&#x017F;plet/ tren-<lb/>
nen &#x017F;ie &#x017F;ich in viel Theil/ und werden von &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t/<lb/>
aus Zanck/ und Zwi&#x017F;palt ihrer Verwirrung/ gemei-<lb/>
niglich immer weiter zertheilet/ und ent&#x017F;cheidet. Wel-<lb/>
cher Wahrheit <hi rendition="#aq">Tertullianus <hi rendition="#i">L. contra Marcioni&#x017F;tes<lb/>
c.</hi></hi> 5. beyfallet/ der allen Ketzern gleiches abgemer-<lb/>
cket/ da er von &#x017F;olchen bezeuget: <hi rendition="#aq">Doctrinam &#x017F;uam<lb/>
quotidiè re&#x017F;ormant, prout à nobis convincuntur.</hi><lb/>
Sie reformiren/ &#x017F;chleiffen/ und poliren/ ihr Lehre<lb/>
ta&#x0364;glich/ wie &#x017F;ie de&#x017F;&#x017F;en von uns u&#x0364;berzeuget werden/<lb/>
und eben &#x017F;elber von &#x017F;elbigen: <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">c. 42.</hi> Mentior, &#x017F;i non<lb/>
etiam â Regulis &#x017F;uis variant, dum unusquisquè<lb/>
perinde &#x017F;uo arbitratu modulatur, quæ accepit,<lb/>
quemadmodum de &#x017F;uo arbitrio ea compo&#x017F;uit ille,<lb/>
qui tradidit.</hi> Jch rede &#x017F;par&#x017F;am die Wahrheit/ wann<lb/>
&#x017F;ie nit auch ihre gru&#x0364;ndliche Lehr-Sa&#x0364;tz vera&#x0364;ndern/ in-<lb/>
deme jedwedrer &#x017F;elbe die er u&#x0364;bernom&#x0303;en/ nit ander&#x017F;t/<lb/>
als &#x017F;einen belieben nach/ vor&#x017F;inget/ was ma&#x017F;&#x017F;en der-<lb/>
jenige &#x017F;ie auf &#x017F;einen Schlag/ und Gefallen nach/ ge-<lb/>
richtet/ und zu&#x017F;ammen getragen/ der &#x017F;ie u&#x0364;bergeben.<lb/>
Mit deme der H. <hi rendition="#aq">Irenæus</hi> von. Ketzern &#x017F;einer Zeiten<lb/>
ein&#x017F;timmet/ &#x017F;prechend: <hi rendition="#aq">Cum &#x017F;int duo, vel tres,</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">de</hi></fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[28/0040] Diß aber iſt allen Ketzereyen gemein/ und wie man zuſagen pflegt/ ein Bundhaderin. Dann wie der H. Georgius L. 3. Moral. c. 14. ſpricht: Hoc proprium habent Hæreſes, quod in eo gradu, in quo de Eccleſia exeunt, diu ſtare non poſſint, ſed ad deteriora quotidiè ruunt, & ſentiendo pejora, in multis ſe partibus ſcindunt, atque à ſemetipſis plerúmque longiús, confuſionis ſuæ altercatione dividuntur. Diß iſt eigentlich denen Ketzereyen an- gebohren/ daß ſie auf jenen Staffel/ auf deme ſie von der Kirch ausgetretten/ in die Laͤnge nicht ſtehen moͤgen/ ſondern ſie fallen taͤglich in weit boͤß- und aͤrgers/ und da ſie in weit aͤrgers verhaſplet/ tren- nen ſie ſich in viel Theil/ und werden von ſich ſelbſt/ aus Zanck/ und Zwiſpalt ihrer Verwirrung/ gemei- niglich immer weiter zertheilet/ und entſcheidet. Wel- cher Wahrheit Tertullianus L. contra Marcioniſtes c. 5. beyfallet/ der allen Ketzern gleiches abgemer- cket/ da er von ſolchen bezeuget: Doctrinam ſuam quotidiè reſormant, prout à nobis convincuntur. Sie reformiren/ ſchleiffen/ und poliren/ ihr Lehre taͤglich/ wie ſie deſſen von uns uͤberzeuget werden/ und eben ſelber von ſelbigen: c. 42. Mentior, ſi non etiam â Regulis ſuis variant, dum unusquisquè perinde ſuo arbitratu modulatur, quæ accepit, quemadmodum de ſuo arbitrio ea compoſuit ille, qui tradidit. Jch rede ſparſam die Wahrheit/ wann ſie nit auch ihre gruͤndliche Lehr-Saͤtz veraͤndern/ in- deme jedwedrer ſelbe die er uͤbernom̃en/ nit anderſt/ als ſeinen belieben nach/ vorſinget/ was maſſen der- jenige ſie auf ſeinen Schlag/ und Gefallen nach/ ge- richtet/ und zuſammen getragen/ der ſie uͤbergeben. Mit deme der H. Irenæus von. Ketzern ſeiner Zeiten einſtimmet/ ſprechend: Cum ſint duo, vel tres, de

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/szentivanyi_ketzereylehren_1703
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/szentivanyi_ketzereylehren_1703/40
Zitationshilfe: Szentiványi, Márton: Strittige Abhandlungen Der Ketzerey-Lehren. Tyrnau, 1703, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/szentivanyi_ketzereylehren_1703/40>, abgerufen am 19.07.2019.